LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin schließt seit Juni jeden Monat höher und nähert sich damit einem historischen Muster, das Ben Cowen mit dem Ende früherer Bärenmärkte vergleicht. Der Analyst hält den Zyklus-Tiefpunkt möglicherweise schon im Juli für möglich und sieht die Beweislast nun bei den Bären. Trotz der positiven Monatsreihe bleibt die Kursebene unter dem Stand vom 1. Oktober 2025. Cowen warnt dennoch vor Rücksetzern, etwa ausgelöst durch Korrekturen an den Aktienmärkten.

Bitcoin liefert aktuell eine Kennzahl, die in Krypto-Marktdiskussionen oft übersehen wird: nicht der Tageskurs, sondern der monatliche Schluss. Laut Daten von Koyfin hat die Kryptowährung seit ihrem Tief im Juni in jedem Folgemonat mit einem höheren Monatsabschluss abgeschlossen. Diese Sequenz ist für viele Marktteilnehmer mehr als nur Statistikkosmetik, weil sie das Verhalten über mehrere Wochen hinweg abbildet – also genau dort, wo sich echte Marktregimewechsel zeigen können. Gleichzeitig ist der Kontext entscheidend: Trotz der steigenden Monatsabschlüsse liegt Bitcoin weiterhin unter dem Kursniveau vom 1. Oktober 2025.
Ben Cowen, der in der Vergangenheit wiederholt Zyklen und Muster im Marktverhalten analysiert hat, argumentiert, dass sein eigenes Setup inzwischen eine klare Verschiebung kennt: Die Beweislast liege jetzt bei den Bären. Konkret verweist er darauf, dass das Zyklus-Tief möglicherweise bereits im Juli erreicht worden sei, nachdem Bitcoin über der zuvor relevanten Marke oberhalb des Mai-Hochs ausgebrochen war. Cowen beschreibt dieses Bild als etwas, das zu früheren Phasen passt, in denen Bärenmärkte tatsächlich zu Ende gingen. Für ihn ist die zentrale Frage damit weniger „ob“ der Markt noch fällt, sondern ob es den Bären gelingt, die erwartete Stabilisierung zu brechen.
Die Zahlen, die Cowen im Zusammenhang nennt, zeigen dabei eine bemerkenswerte Dynamik entlang der Monatsschlüsse. Das niedrigste Monatsende fiel auf den 30. Juni; dort schloss Bitcoin 48,85 % unter dem vorherigen Referenzniveau. Danach folgten monatliche Abschlüsse, die jeweils weniger tief ausfielen: Juli bei 45,13 % unter dem jeweiligen Vergleichsniveau, August bei 31,21 % darunter und September bei 27,05 % darunter. Besonders auffällig ist, dass der Septemberabschluss der höchste Monatsschluss seit Dezember war. Gleichzeitig bleibt die Distanz zu einem größeren Referenzpunkt: Bitcoin liegt laut Bericht weiterhin über 25 % unter dem Stand vom 1. Oktober 2025. Damit entsteht eine Lage, in der der Markt zwar Richtung „stabiler“ tendiert, aber nicht schon vollständig in einen neuen Höhenflugmodus übergegangen ist.
Technisch und makroökonomisch interessant ist dabei, wie Cowen seine frühere Erwartung korrigiert. Er sagt, dass er angenommen hatte, eine Kette von Ereignissen würde Bitcoin tiefer drücken: steigende Energiekosten könnten die Renditen erhöhen, was wiederum die Federal Reserve zu weiteren Zinsschritten veranlassen könnte und der US-Dollar stärker würde. Genau in diesem Punkt beschreibt Cowen den Dreh, der ihm offenbar nicht ins Kalkül passte: Bitcoin habe sich „trotz“ stärkerem Dollar und „trotz“ stärkerer Renditen erholt. In der Rückschau macht das auch klar, warum Zyklen-Argumente nicht automatisch gegen Makro-Faktoren arbeiten müssen: Entscheidend ist, wann sich die Marktmechanik von „Finanzierungsstress“ auf „Risikoappetit“ umschaltet – und ob der Markt diese Umstellung über mehrere Wochen hinweg bestätigt.
Neben dem Chart-Argument geht Cowen auch auf seinen eigenen Entscheidungszeitpunkt ein – und damit indirekt auf das Risiko, das viele Anleger bei Timing-Fehlern unterschätzen. Er nennt als größte Verknüpfung seine späte Einstiegsentscheidung: Er habe Bitcoin nur für etwa fünf Tage gekauft, bevor er mit dem eigentlichen Aufbau beginnen wollte. Geplant war der Start ab dem 1. Juli, aber erst nachdem ein bestimmtes Risikometrik-Niveau unter 0,3 gefallen war, was nur kurzzeitig für wenige Tage erreicht worden sei. Solche Details sind weniger „Story“, sondern liefern einen praktischen Hinweis: Selbst wenn die Richtung im Nachhinein stimmt, bestimmt der genaue Einstieg die realen Verlust- und Erholungsstrecken eines Portfolios. Gerade deshalb ist die Kombination aus monatlich steigenden Abschlüssen und der Selbstkorrektur eines Cycle-Analysten für viele Entscheider relevant.
Trotz der konstruktiven Grundstimmung schließt Cowen eine Zwischenkorrektur nicht aus. Er betont, dass eine Börsenkorrektur Bitcoin weiterhin nach unten ziehen könnte, auch wenn er dann nicht „automatisch“ einen neuen Tiefpunkt für wahrscheinlich hält. Interessant ist hier sein historischer Bezug: In mehreren früheren „Midterm“-Jahren hätten sich Korrekturen im Aktienmarkt relativ spät, oft um Ende September, bemerkbar gemacht. Gleichzeitig skizziert Cowen ein Szenario, in dem Bitcoin fallen kann, ohne zwingend ein neues Tief auszubilden. Für den Markt heißt das: Die Messlatte verschiebt sich von „Preis muss steigen“ hin zu „Preis darf fallen, ohne das Tief zu brechen“ – eine Dynamik, die in Bärenmarkt-Endphasen häufig zu beobachten ist. Auch der kurzfristige Sentiment-Datenpunkt passt in dieses Bild: Auf Stocktwits stieg die Retail-Stimmung um Bitcoin von einer zuvor eher bärischen Lage in Richtung „neutral“, während der Gesprächs-Impuls am letzten Tag von „normal“ auf „niedrig“ zurückging.
Unterm Strich liefert die aktuelle Entwicklung eine Mischung aus Bestätigung und Vorsicht. Der rote Faden ist die Serie monatlich höherer Abschlüsse seit Juni, die Cowen mit dem Ende früherer Bärenmärkte in Beziehung setzt, und die er durch die Idee ergänzt, dass die Bären nun liefern müssen. Gleichzeitig bleibt die Distanz zum Niveau vom 1. Oktober 2025 groß genug, um Rücksetzer realistisch zu halten – vor allem, wenn Aktienmärkte zu einer Risikoabkühlung ansetzen. Für Unternehmen und institutionelle Entscheider in Krypto-nahen Portfolios ist das vor allem eine Frage der Risikosteuerung: Nicht nur Trendrichtung zählt, sondern auch, wie flexibel man auf Ereignisse reagiert, die kurzfristig Liquidität aus dem Markt ziehen. Genau in solchen Phasen kann sich zeigen, ob ein Zyklus-Setup als „reiner Chart-Mythos“ entlarvt wird – oder ob es sich, wie Cowen argumentiert, durch das bisherige Muster tatsächlich trägt.
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