LONDON (IT BOLTWISE) – Das Startup Blookery wollte bei „Die Höhle der Löwen“ einen Investor-Deal anbahnen, doch nach der Sendung platzte die Einigung mit Johannes Kliesch. Im Pitch überzeugten die Gründer mit einer Million Euro Umsatz und 160.000 Euro Gewinn. Gleichzeitig sorgten die Kapitalanforderung, die Bewertung und Klieschs Gegenkonditionen für Widerstände anderer Investoren. Für die spätere Entscheidung spielte laut den Gründern vor allem die Auswertung der eigenen Finanzlage eine Rolle.

Im Pitch von Blookery wirkte das Geschäftsmodell auf den ersten Blick wie ein Marketing-Statement mit Mechanik: Kundinnen und Kunden buchen eine Überraschungsreise, aber der genaue Zielort bleibt bis zur Buchung geheim. Blookery setzt dabei auf „Blind Booking“ für Städtetrips in Europa. Praktisch heißt das: Die Reisenden geben Eckdaten wie Personenanzahl, Budget und in Frage kommende Städte vor, die Plattform übernimmt den Rest – und die Enthüllung erfolgt erst kurz vor Abflug über Countdown in der App oder über ein Rubbellos im Umschlag. Genau diese Kombination aus kontrollierter Anreise-Planung und emotionaler Auflösung machte in der Sendung auch den Unterschied zwischen einem „funktioniert irgendwie“-Demo und einer klaren, skalierbaren Conversion-Story.
Technisch betrachtet steckt hinter dem Produkt weniger Magie als ein sauber gekoppelter Buchungs- und Datenfluss. Nachdem eine Anfrage mit den Eckdaten eingeht, muss die Plattform die passende Route bzw. das Reiseangebot so auswählen, dass Kapazitäten, Verfügbarkeiten und Preislogik zusammenpassen. Die „Überraschungs“-Komponente verschiebt den Timing-Punkt: Zielinformationen dürfen nicht vorzeitig preisgegeben werden, sondern werden erst nach der Buchung freigeschaltet. Für das Investoreninteresse ist das relevant, weil solche Modelle in der Regel stark an messbare Kennzahlen gekoppelt sind – vom Traffic über die Buchungsrate bis zum Anteil wiederkehrender Kunden. In der DHDL-Diskussion wurde folglich auch nicht nur über den Erlebniswert gesprochen, sondern über die Zahlen: Blookery habe im vergangenen Jahr eine Million Euro Umsatz erzielt und davon 160.000 Euro Gewinn gemacht.
Mit genau dieser Kennzahlen-Kombination gerieten vor allem die Investoren-Kommentare in eine zweite, härtere Bewertungsphase. Frank Thelen brachte den Kern der Skepsis auf den Punkt: „Hätte ich euch auf einer Konferenz oder so kennengelernt, hätte ich gesagt, das ist ein kompletter Fail. Das ist ein Rohrkrepierer“, sagte er sinngemäß nach dem Pitch. Seine Nachfrage zielte dann auf die Herleitung der Performance ab: „Wie habt ihr eine Million Umsatz damit gemacht?“. Die Gründer nannten daraufhin 30 Prozent Umsatzanteile über Empfehlungen, ergänzt durch Paid Ads sowie Social Media. Auch der Fokus auf Kundenzufriedenheit wurde als Hebel dargestellt. Für Judith Williams wurde das in einen Bewertungsstreit übersetzt: Während Jannis Jäger und Kevin Kiesewetter bei 500.000 Euro für zwölf Prozent Firmenanteile blieben und die eigene Bewertung auf rund 4,2 Millionen Euro festnagelten, äußerte Williams klaren Widerspruch. Sie verwies auf das erwartete Renditeprofil und sagte: „Du willst ja nicht nur dein Geld zurückhaben, sondern zu einem hohen Multiple. Da hört so der Spaß auf, weil dann kann ich mein Geld auch auf der Bank liegen lassen.“
Auch Carsten Maschmeyer und weitere Investoren schoben das Investment nicht allein wegen der Idee an, sondern wegen der Markt- und Strukturlogik dahinter. Carsten Maschmeyer reichte die angegebene Marktgröße offenbar nicht aus, zudem passte das Angebot nicht in sein bestehendes Portfolio. Thelen wiederum hielt die Plattform für „zu leicht nachzubauen“, trotz eines Eindrucks von solider Umsatzleistung. Der Bereich, in dem Johannes Kliesch dagegen konkreter wurde, war die Kombination aus Reifegrad und Wachstumshebel: Er lobte, dass „Ihr habt ein Produkt geschaffen, wo ich selber nicht dachte, dass das funktioniert. Ihr habt eine Million Umsatz geschaffen mit einer App, das ist echt Wahnsinn“, und hob ebenso den „Fokus auf Kundenzufriedenheit“ hervor. Am Ende wollte Kliesch statt der angebotenen zwölf Prozent sogar 40 Prozent und setzte damit eine klare Verhandlungsspur. Die Gründer hielten dagegen und lehnten ein weitergehendes Nachgeben ab – Kliesch erhielt Zustimmung, nicht nur Bewunderung.
Der zentrale Bruch kam jedoch nach dem Kamerateil. Obwohl Kliesch investieren wollte, kam der Deal laut Bericht nach der Sendung nicht zustande. In der Darstellung der Gründer heißt es, ein solch großes Investment sei zunächst nicht nötig gewesen; ein genauerer Blick auf die Zahlen habe das verdeutlicht. Damit wird sichtbar, wie schnell sich in frühen Wachstumsphasen die Entscheidungsgrundlage ändern kann: Im Studio zählt der Pitch; im Nachgang entscheidet oft eine nüchterne Modellrechnung zu Zahlungsdienstleistern, Kreditkartengebühren, Marketing-Unit-Economics und Cash-Runway. Genau hier setzt auch die Erklärung an, wie die „Partnerschaft“ statt Kapitalzufuhr organisiert wurde: Kiesewetter sagt, sie hätten sich anders geeinigt, sodass es eine Zusammenarbeit zwischen Kliesch und Blookery gebe. Laut den Angaben soll Kliesch unter anderem dabei geholfen haben, Kosten bei Zahlungsdienstleistern und Kreditkartenanbietern zu senken und Optimierungen im Marketing anzustoßen – inklusive Performance-Ads sowie E-Mail- und Influencer-Marketing. Für Blookery verschiebt sich damit der Fokus weg vom schnellen Deckel-Investor hin zu konkreter Hebelarbeit am Geschäftsmodell.
Ein weiterer Punkt, der die Story technologisch und kaufmännisch abrundet, ist die Ursprungserzählung zur Umsatzprognose. Williams und andere hatten in der Bewertung eine „Red Flag“-Logik angelegt, aber die späteren Rückblicke zeigen, wie stark Prognosen von Annahmen abhängen. Kiesewetter ordnete rückblickend die Fünf-Millionen-Euro-Prognose als Vergleich mit der Blind-Booking-Sparte von Eurowings ein: „Wir sind mit der Annahme reingegangen: Wenn wir so groß werden wie die Blind-Booking-Sparte bei Eurowings, dann ist das noch fünfmal so viel, aber wir sind da auf jeden Fall auf die Nase geflogen.“ Wichtig ist dabei der zweite Teil der Selbstkorrektur: Die Herleitung sei zwar vorhanden gewesen, in der Sendung aber nicht ausführlich erklärt worden. Damit wird aus der Show-Story auch eine Learnings-Story für Startups, die bei KI- und Tech-ähnlichen Märkten oft unter Zeitdruck prognostizieren müssen: Entscheidend ist nicht nur, welche Zahl man nennt, sondern ob die Annahmen im Detail belastbar sind und sich im Nachgang mit den eigenen Daten konsistent halten.
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