LONDON (IT BOLTWISE) – Der israelische Startup Bond bringt ein verteiltes Sensorsystem auf den Weg, das Funkumgebungen in Echtzeit sichtbar machen soll. Im Fokus stehen zunächst GNSS- und GPS-Störungen, etwa Jammer- und Spoofing-Effekte, die in der Praxis zu verlorenen Drohnenmissionen führen. Die Gründer setzen dabei nicht auf einzelne teure Messgeräte, sondern auf ein Netzwerk aus kostengünstigen Sensoren. Ziel ist, Interferenzen nicht erst nach einem Ausfall zu erkennen, sondern während sie gerade passieren.

Bond baut ein Echtzeit-Spektrumnetz für GPS- und Funk-Resilienz
Bond baut ein Echtzeit-Spektrumnetz für GPS- und Funk-Resilienz (Foto: IT BOLTWISE)
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Wenn Funk- und Navigationssignale in der Realität anders ausfallen als in der Planung, kippt das Risiko schlagartig: Kommunikation bricht weg, Positionierungsdaten werden unbrauchbar oder autonome Systeme reagieren unerwartet. Genau an diesem Punkt setzt Bond an, ein Startup aus Israel, das eine KI-gestützte „Intelligence Layer“ für den Funkbereich aufbauen will. Statt Spektrum-Probleme erst bei einem Zwischenfall zu analysieren, soll ein verteiltes Sensor- und Datenmodell die Umgebung laufend kartieren und so ein kontinuierliches Lagebild für Betreiber liefern.

Technisch beschreibt Bond einen Ansatz aus zwei Teilen: Software und Hardware. Die heute genutzte Software liefert laut Anbieter vor allem eine Echtzeitkarte für GPS, also wo das Signal zuverlässig ist und wo es durch Jamming oder Spoofing gestört wird. Ergänzend entwickelt das Unternehmen eigene Low-Cost-Spektrum-Sensoren, von denen bereits ein kleiner Teil im Feld eingesetzt ist und Daten ins Netzwerk einspeist. Die Richtung ist dabei klar: vom GNSS-Monitoring hin zu einem breiteren RF-Intelligence-Netzwerk, das den relevanten Frequenzbereich für verschiedene drahtlose Systeme überwacht. Entscheidend ist außerdem, dass die Sensor- und Messdaten zu einer live nutzbaren Operational Map sowie zu einer API verdichtet werden sollen, sodass Betreiber nicht nur „wissen“, sondern die Information in Prozesse und Entscheidungen zurückfließen lassen können.

Marktseitig trifft Bond ein wiederkehrendes Muster: Spektrumprobleme werden häufig reaktiv behandelt. Erst wenn ein Kommunikationssystem ausfällt oder eine Drohne ihre Position verliert, startet die Ursachenanalyse – und dann fehlen oft belastbare Echtzeitmessungen oder historische Vergleichswerte. Bond versucht, diesen Zeitverzug zu verkürzen und die Untersuchung in Richtung Prävention zu verschieben. In der Darstellung des Unternehmens klingt das Ziel wie ein Wechsel vom „Wetter nach dem Gewitter“ zur Vorhersage: Vor einer Mission soll ein Operator auf einer Karte sehen können, wo GPS funktioniert, welche Frequenzen überlastet oder verfügbar sind und wie sich Bedingungen in den letzten Minuten verändert haben. Für Betreiber, die mit wiederkehrenden Einsätzen arbeiten, ist das zugleich ein Weg, um frühzeitig zu bewerten, welche Risiken an einem konkreten Ort realistisch sind.

Die Wettbewerbslandschaft beschreibt Bond bewusst als Fragmentierung: Etablierte Firmen lösen zwar Teilprobleme, aber nicht die komplette Vision einer dichten, echtzeitfähigen Spektruminfrastruktur mit durchgängiger Sicht ohne „Blind Spots“. Eine zweite Kategorie seien Anbieter, die sehr leistungsfähige Spektrum-Monitoring-Sensoren verkaufen, die je nach Setup grob im Bereich von 10.000 bis 400.000 US-Dollar pro Gerät liegen können. Solche Systeme sind zwar technisch anspruchsvoll, aber wegen der Kosten decken sie oft nur punktuell Regionen ab. Bond argumentiert dagegen mit der Skalierung über Verteilmessung: Ein teures Einzelgerät zeigt zwar, was in seiner unmittelbaren Umgebung passiert, während ein dichtes Netz sichtbar machen kann, wo Interferenz beginnt, wo sie endet und wie sie sich räumlich ausbreitet. Dabei positioniert sich Bond auch relativ klar: GPS-Map-Ansätze richten sich teils auf die Luftfahrt und berücksichtigen Auflösung und Höhenlagen von Flugzeugen; Bond zielt eher auf Systeme, die nahe am Boden operieren, wo sich spektrale Bedingungen auf kurzen Distanzen deutlich ändern können.

Die personelle Grundlage der Gründung ist dabei integraler Bestandteil der Produktlogik. Jonathan Gurvits und Tomer Cohen sind beide 23 Jahre alt und wuchsen in Rehovot auf; sie sind seit der Schulzeit befreundet und seit dem Jugendalter unternehmerisch aktiv. Laut eigener Darstellung holten sie ihr Problemverständnis aus unterschiedlichen Seiten derselben Kette: Gurvits kam aus dem Umfeld Spectrum Control und elektronischer Kampfführung, Cohen aus dem Drohnenbetrieb und dem operativen Alltag, wenn Funk- und Navigationssignale im Feld tatsächlich gestört werden. Die „Doppelsicht“ reicht damit von der Analyse, warum die Frequenzverwaltung in der Praxis nicht ausreichend fein ist, bis zur Konsequenz auf Missionsniveau, wenn ein System in der Störumgebung weiter funktionieren oder eben ausfallen muss. Aus dieser Erfahrung heraus entstand auch die Entscheidung, nicht nur ein neues Sensorprodukt zu bauen, sondern eine Netzwerklogik zu entwickeln, in der Messungen kontinuierlich zusammenlaufen und als Karte sowie API für Entscheidungen nutzbar werden.

Für die Realisierung nennt Bond konkrete Schritte. Das Unternehmen schätzt den adressierbaren Markt rund um Spektrum-Technologie auf etwa 30 Milliarden US-Dollar und adressiert entsprechend mehrere Kundengruppen: Verteidigung und Militär, Drohnenbetreiber, Luftfahrt- und Luftraumorganisationen, Telekommunikation, Smart Cities, autonome Systeme sowie Betreiber kritischer Infrastrukturen. In der aktuellen Phase nennt Bond bereits mehr als 10 zahlende Kunden, darunter Israel Aerospace Industries und weitere Namen aus dem Drohnen- und Verteidigungsumfeld. Operativ will Bond in Israel eine Dichte von etwa einem Sensor pro drei Kilometer aufbauen, international mindestens zwei große Städte außerhalb Israels kartieren und zusätzlich bedeutende Verteidigungsverträge im Ausland gewinnen. Dafür plant das Startup die Skalierung von Technologie und Deployment: Ein wesentlicher Teil der nächsten Finanzierungsrunde fließt in R&D – unter anderem Sensoren, Firmware, Signalverarbeitung, Software und die Infrastruktur, um tausende verteilte Messungen in eine Echtzeitkarte zu überführen. Gleichzeitig soll das Engineering-Team deutlich wachsen, inklusive der Rekrutierung eines VP R&D.

Für Unternehmen in der Praxis bedeutet das vor allem eine Verschiebung in der Systemarchitektur. Wenn Spektruminformation als laufende Karte und als Schnittstelle bereitsteht, können Planungs- und Einsatzsoftware nicht mehr nur mit statischen Annahmen arbeiten, sondern Interferenzwahrscheinlichkeiten und -verläufe in die Betriebslogik einfließen lassen. Langfristig will Bond sogar, dass drahtlose Systeme selbst auf diese Daten reagieren und ihre Parameter anpassen, sobald sich die Funkumgebung ändert. Ob sich der Ansatz in der Breite durchsetzt, hängt allerdings an drei Faktoren: der Abdeckung über Regionen hinweg, der Mess- und Datenqualität bei wechselnden Umgebungsbedingungen sowie daran, wie gut die API in bestehende Workflows von Betreibern eingebunden werden kann. Bond versucht genau dort anzusetzen – mit einer Vision, die Funkresilienz von einer nachgelagerten Forensik hin zu einer Echtzeit-Fähigkeit drehen soll.


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