LONDON (IT BOLTWISE) – Der neue Bose Quiet Comfort Kopfhörer 2 liefert im Test eine sehr starke Active-Noise-Cancelling-Performance und zeigt beim Transparenzmodus mit Active Sense einen bemerkenswerten Ansatz. Während ANC draußen vor allem bei Wind spürbar gut arbeitet, treten bei stärkeren Böen weiterhin Pfeifgeräusche auf. Besonders kritisiert werden die Bluetooth- und App-Probleme sowie das Fehlen mehrerer Komfortfunktionen, die bei der Konkurrenz inzwischen Standard sind. Am Ende entscheidet sich die Kaufabwägung stark zwischen maximaler Unterdrückung und einem in der Praxis deutlich schlechteren Transparenzmodus draußen.

Boses Quiet Comfort Kopfhörer 2 startet im Alltag mit genau dem, was viele Käufer erwarten: hohe Alltagstauglichkeit, spürbarer Komfort und ein ANC, das sich im direkten Vergleich deutlich behauptet. Im Testkontext wird der Kopfhörer vor allem gegen Sonys WH-1000XM6 gestellt, der als Referenz für effektive Geräuschunterdrückung gilt. Bose gelingt es dabei, Außengeräusche sehr effektiv zu reduzieren; auffällig ist auch, dass selbst störende Stimmanteile soweit abgeschwächt werden, dass sich der Hörer im Zweifel auf Konzentrationsphasen oder bewusst stille Umgebungen einstellen kann. Dazu kommt eine Sprachqualität in Telefonaten, die laut Testbeschreibung auch in lauten Umgebungen noch brauchbar bleibt.
Technisch interessant wird es beim Zusammenspiel aus Transparenzmodus und der Zusatzfunktion Active Sense. Während viele Kopfhörer Transparenz „nur“ als durchgereichte Außenwelt umsetzen, reduziert Bose im Transparenzmodus laute Signalspitzen, zum Beispiel bei einer Feuerwehrsirene oder an einer Baustelle. Die Wirkung wird im Test als konkret spürbar beschrieben: laute Spitzen sinken, ohne dass der Hörer die Umgebung komplett verliert. Genau hier liegt aber auch der spätere Kritikpunkt: Im Innenbereich überzeugt Active Sense, draußen wird der Transparenzmodus dagegen als nahezu unbenutzbar bewertet, weil schon leichter Windhauch sofort Pfeifgeräusche auslöst.
Beim ANC selbst spielt Wind weiterhin eine zentrale Rolle. Für den Quiet Comfort Kopfhörer 2 wird zwar eine Verbesserung bei Windgeräuschen genannt, gleichzeitig aber bleibt das Pfeifen bei etwas stärkerem Wetter vorhanden. Wer die „Windreduzierung“ über einen eigenen ANC-Modus zuschaltet, erreicht laut Test zwar eine Unterdrückung, die sogar über die Windunterdrückung des WH-1000XM6 hinausgehen soll, allerdings zu Lasten der ANC-Leistung insgesamt. Im Ergebnis wirkt es wie ein klassischer Zielkonflikt: maximale Geräuschunterdrückung bedeutet mehr Pfeifgeräusche, während weniger Pfeifen auf deutlich reduzierte ANC-Wirkung hinausläuft. Dazu kommt ein Bedienungsdesign, das im Test als weniger flexibel beschrieben wird: Wenn neben zwei ANC-Modi auch der Transparenzmodus auf dieselbe Taste gelegt wird, fehlt ein direkter ANC-Transparenz-Wechsel, wie er bei der Sony-Konkurrenz möglich sei.
Auch außerhalb des „Lautstärke-Kampfes“ setzt sich der Eindruck fort, dass Bose im Funktionsumfang hinter die Oberklasse-Standards zurückfällt. Beim Thema Klangqualität liefert Bose allerdings weiterhin starke Argumente: Die Abstimmung von Höhen, Mitten und Bass wird als stimmig beschrieben, die Räumlichkeit als gut, und der Spatial-Audio-Ansatz („immersives Audio“) macht Musik und Filme nach Testangaben voluminöser, ohne Gespräche in lauten Filmszenen vollständig zu verdrängen. Gleichzeitig werden aber Einschränkungen sichtbar: In der Bose-App gibt es nur vier Equalizer-Voreinstellungen sowie einen Drei-Band-Equalizer, ohne speicherbare Equalizer-Konfigurationen und ohne anpassbare Modi. Außerdem bemängelt der Test, dass Kopfbewegungen trotz Abschaltung im Spatial-Audio-Konzept nicht so zuverlässig ignoriert werden, wie es sich im Setup erwarten ließe.
Besonders hart wirkt die Kritik bei Konnektivität, App-Stabilität und Komfortfunktionen. Der Quiet Comfort Kopfhörer 2 arbeitet mit Bluetooth 5.3 und unterstützt nur SBC und AAC; ein HD-Codec sowie Auracast fehlen. In der Praxis wird das unter anderem mit Blick auf die Konkurrenz eingeordnet, die bei ähnlicher Gerätekategorie bereits länger auf hochwertige oder breitere Funk-Ökosysteme setzt. Im Test gelingt zudem die Verbindung mit mindestens einem Smartphone nicht zuverlässig: Die Kopplung bricht ab und baut sich wieder neu auf. Als weiteres Beispiel wird genannt, dass sich der Kopfhörer mit einem Bluetooth-fähigen Gigaset-Schnurlostelefon nicht nutzen ließ, weil eine PIN-Abfrage fehlschlug. Neben Multipoint, das diesmal wie erwartet funktionieren soll, bleibt damit ein entscheidender Teil des „Set-and-forget“-Versprechens auf der Strecke.
Bei der App zeigt sich zudem ein Muster aus den letzten Jahren: Die Anwendung hat sich zwar leicht verbessert, bleibt aber aus Sicht der Tester nicht zuverlässig. Nach App-Updates werden gekoppelte Kopfhörer teils vergessen, Einstellungen lassen sich zeitweise nicht ändern, und in manchen Fällen startet die App schlicht nicht. Dazu kommt, dass laut Test in den App-Stores über viele Zeiträume Beschwerden auftauchen, während Antworten des Herstellers in den Bewertungen zuletzt kaum sichtbar seien. Für die Nutzer im Alltag ist das mehr als ein Komfortproblem: Eine App, die Wiederverbindung, Feinjustierung und Funktionsumschaltung steuert, wird damit selbst bei sonst starkem Hardware-Setup zur Eintrittsbarriere.
Beim Bedien- und Tragekonzept kann Bose zwar mit Details punkten, verliert aber im Gesamtpaket gegen die Konkurrenz. Der Kopfhörer sitzt angenehm, ist über Stunden auch mit Brille tragbar, und die Bügel lassen sich geräuschlos stufenlos anpassen. Gleichzeitig fehlen zentrale Features wie Trageerkennung, automatische Anrufannahme sowie „Speak-to-Chat“; auch eine Mikrofonsteuerung für Telefonate wurde laut Test beim neuen Modell gestrichen, wobei eine Taste-Umbelegung nicht vorgesehen ist. Zudem wird erwähnt, dass Bose für das Modell keine IP-Schutzklasse angibt; im Zweifel raten die Tester daher von Regen-Einsatz ab. Unterm Strich bleibt der Quiet Comfort Kopfhörer 2 damit ein Gerät, das in einzelnen Disziplinen sehr weit vorne liegt – vor allem bei ANC, Tragekomfort, Akkulaufzeit und Sprachqualität – aber bei Wind im Transparenzmodus, bei Bluetooth-/App-Qualität und bei Komfortfunktionen das Kaufargument deutlich schwächt.
Für die Preis- und Kaufentscheidung ist das Zusammenspiel entscheidend. Bose verlangt für den Quiet Comfort Kopfhörer 2 350 Euro, im Handel liegt der Einstieg laut Test ab 330 Euro. Der als Referenz genannte WH-1000XM6 startet im Testkontext ebenfalls ab 330 Euro, wird aber mit höheren Komfortfunktionen und einem durchgängigen Wechsel zwischen Modi beschrieben. Wenn Käufer bereit sind, bei der Außen-Wahrnehmung Abstriche zu machen und die bekannten App- und Funkprobleme im Alltag im Blick zu behalten, kann Bose dennoch überzeugen. Wer dagegen maximale Flexibilität im Transparenzbetrieb, reibungslose App-Erfahrungen und den aktuellen Oberklasse-Feature-Umfang erwartet, dürfte im direkten Vergleich häufiger zur Konkurrenz greifen.
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