BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine COMPARE-Studie an der Charité untersucht bei therapierefraktärer, seropositiver rheumatoider Arthritis eine CAR-T-Zelltherapie gegen CD19. In der kleinen Kohorte sanken die Autoantikörperspiegel bei einem Teil der Patientinnen und Patienten um mehr als 90 Prozent. Gleichzeitig verbessern sich Kennwerte wie DAS28-CRP bis Woche 24 deutlich, während vereinzelt ein leichtes bis mittelschweres Zytokin-Freisetzungssyndrom auftritt. Für die Praxis bleibt dennoch entscheidend, wie gut sich die Ergebnisse in größeren kontrollierten Studien bestätigen lassen.

Die Behandlung chronischer Entzündungs- und Schmerzkrankheiten bleibt trotz vieler Forschungsprogramme ein Feld mit hoher Unsicherheit: Es gibt zwar neue Kandidaten, aber die Evidenzbasis ist häufig noch dünn. Gerade bei der rheumatoiden Arthritis zeigt eine aktuelle COMPARE-Studie an der Charité Berlin, wie weit die Entwicklung bereits in Richtung personalisierter Immuntherapie reicht. Im Zentrum steht eine CAR-T-Zelltherapie namens Miv-cel, die gegen CD19 gerichtet ist. Besonders auffällig ist dabei die Größenordnung der biologischen Effekte: Bei drei der sechs behandelten Patientinnen und Patienten hielt sich eine Remission bis zu zwölf Monate an, ohne dass danach weitere Medikamente nötig waren; parallel sanken die Autoantikörperspiegel um mehr als 90 Prozent.
Technisch betrachtet ist die Aussagekraft solcher Resultate vor allem dann hoch, wenn Krankheitsaktivität und Gewebemarker zusammenpassen. Genau darauf zielt die Studienauswertung: Der DAS28-CRP-Wert, ein zentraler Index zur Beurteilung der Aktivität bei rheumatoider Arthritis, fiel bis Woche 24 um 49 Prozent und blieb bis zur letzten Nachbeobachtung um 34 Prozent reduziert. Vier Patientinnen und Patienten erreichten zudem eine DAS28-CRP-Remission; drei davon erfüllten die strengen ACR70-Kriterien. Ergänzend bildet die synoviale Hypervaskularisierung, also ein bildgebender Marker für entzündlich aktives Gelenkgewebe, sich im Median vollständig zurück. Damit ist nicht nur die Messzahl verbessert, sondern auch die entzündliche Signatur im betroffenen Gewebe.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass CAR-T-Therapien auch bei entzündlichen Autoimmunerkrankungen ein Nebenwirkungsmanagement erfordern. Als Nebenwirkung trat bei den Teilnehmenden ein leichtes bis mittelschweres Zytokin-Freisetzungssyndrom auf. Das ist insofern relevant, weil das Risiko solcher systemischen Entzündungsreaktionen typischerweise mit dem Mechanismus der Zelltherapie zusammenhängt und in der klinischen Umsetzung eng überwacht werden muss. Zudem ist der regulatorische Status klar: Miv-cel ist bislang nicht zugelassen. Für Entscheider in Kliniken bedeutet das, dass die Ergebnisse zwar vielversprechend sind, aber eher den Charakter einer „Proof-of-Potential“-Phase besitzen – bis kontrollierte Studien mit größeren Kollektiven belegen, wie robust sich Remissionen und Krankheitsrückgänge reproduzieren lassen.
Dass die Forschung derzeit so viele unterschiedliche Krankheitsfelder gleichzeitig adressiert, ist kein Zufall: Das Spektrum reicht von pulmonaler Hypertonie bis zu chronischen Nervenschmerzen. In einer Fallserie aus den Jahren 2024 und 2025 wurde beispielsweise inhaliertes Treprostinil bei sechs Patientinnen und Patienten mit pulmonaler Hypertonie im Rahmen interstitieller Lungenerkrankungen (PH-ILD) eingesetzt, jeweils als „Brücke“ vor einer geplanten Lungentransplantation. Der mMRC-Dyspnoe-Score verbesserte sich im Mittel von Grad 4 auf Grad 3, zwei Patientinnen und Patienten verbesserten sich sogar um jeweils eine Stufe. Vier Personen mit mindestens 8 bps schafften es, von der ECMO entwöhnt zu werden, und alle sechs wurden schließlich erfolgreich aus der Klinik entlassen. Die Fallzahl bleibt klein, doch für die klinische Planung vor einer Transplantation kann eine solche Überbrückung schon in der Gegenwart eine große Rolle spielen.
Auch bei COPD und chronischen Beschwerden sucht man nach besseren Kriterien, während Therapieeffekte differenziert ausfallen. Ein Fachbeitrag zur Diagnostik der pulmonalen Hypertonie verweist darauf, dass das Verhältnis von FEV1 zu DLCO helfen kann, schwere Verlaufsformen der PH bei COPD frühzeitig zu erkennen. Gleichzeitig liefert eine Einordnung zur Rolle von Magnesium bei COPD-Exazerbationen ein gemischtes Bild: Intravenöses Magnesiumsulfat kann bei akuten Exazerbationen die Lungenfunktion (FEV1) verbessern, die Evidenzlage gilt jedoch als uneinheitlich; orale Supplementierung in der stabilen Phase brachte dagegen keine signifikante Verbesserung. Das Muster „im Akutfall plausibel, im Stabilen ohne klaren Effekt“ ist für die Therapieplanung wichtig, weil es die Frage stellt, ob Magnesium als Ergänzung sinnvoll ist oder ob es nur in sehr spezifischen Situationen Nutzen zeigt.
Abseits der Immunologie zeigt sich bei chronischen Schmerzen ebenfalls, wie sehr biologische Erklärungen und klinische Wirksamkeit auseinanderlaufen können. Eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderte Studie mit Beteiligung der Universität Bern verglich 30 Personen mit chronischen primären Schmerzen und 30 gesunden Kontrollen mittels MRT. Dabei zeigten sich strukturelle Unterschiede in der Großhirnrinde, unter anderem eine stärkere Faltung auf der linken und eine geringere Furchtiefe auf der rechten Seite; die Betroffenen litten im Durchschnitt seit über 13 Jahren. Zusätzlich kommt eine Cochrane-Übersichtsarbeit vom August 2026 zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von THC bei chronischen Nervenschmerzen nur einen begrenzten Zusatznutzen liefert: 39 von 100 Behandelten mit cannabisbasierten Arzneimitteln erreichten eine Schmerzlinderung von mindestens 30 Prozent gegenüber 33 von 100 in der Placebogruppe, was einem Zusatznutzen von lediglich sechs Prozentpunkten entspricht. Für die Entscheidungslogik heißt das: Nicht jeder neue Ansatz hält dem Wirksamkeitsvergleich stand.
Für die Einordnung der CAR-T-Ergebnisse bei rheumatoider Arthritis folgt daraus vor allem ein pragmatischer Schluss. Die bisherigen Daten liefern ein heterogenes Bild über mehrere Krankheitsbereiche hinweg: CAR-T bei RA und inhalatives Treprostinil bei PH-ILD zeigen in kleinen Kohorten vielversprechende Signale, während bei Cannabis-Präparaten die Nutzen-Risiko-Abwägung im Vergleich zur Placebo-Wirkung deutlich nüchterner ausfällt. Größere, kontrollierte Studien sind in den meisten Bereichen erforderlich, um die bislang kleinen Patientenkollektive statistisch belastbar zu bestätigen und daraus Therapieempfehlungen abzuleiten. Erst dann wird aus „klinischem Potenzial“ eine klare Strategie für Kliniken und Behandler.
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