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LONDON (IT BOLTWISE) – OpenAI führt in ChatGPT „Locked Chats“ ein, mit denen Nutzer einzelne Konversationen mit einem vierstelligen PIN sowie optional Face ID oder Touch ID absichern. Gesperrte Chats landen in einem eigenen Bereich und bleiben vom normalen Verlauf getrennt. Wichtig: Die Funktion erzeugt keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und ändert nicht die Speicherdauer. Außerdem wird Memory im Locked-Bereich getrennt geführt, sodass neue Infos aus gesperrten Chats nicht in reguläre Gespräche überlaufen.

ChatGPT: Mit „Locked Chats“ lassen sich Unterhaltung per PIN sperren
ChatGPT: Mit „Locked Chats“ lassen sich Unterhaltung per PIN sperren (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit „Locked Chats“ bekommt ChatGPT eine Funktion, die vor allem für den Alltag gedacht ist: Wenn ein Nutzer sein Gerät kurz aus der Hand gibt oder jemand in der Nähe Bildschirminhalte mitlesen könnte, soll sich der Zugriff auf ausgewählte Unterhaltungen wirksam begrenzen lassen. OpenAI beschreibt die Zielgruppen-Szenarien sehr konkret – vom privaten Gespräch bis zur Planung einer Überraschung –, also genau dann, wenn der Inhalt nicht dauerhaft im sichtbaren Chatverlauf stehen soll. Technisch wird die Privatsphäre dabei nicht über kryptografische Versprechen gelöst, sondern über eine zusätzliche Zugriffsschicht in der App.

Gesperrte Chats werden nach der Aktivierung in eine eigene „Locked Chats“-Sektion verschoben. Dort sollen sie getrennt von regulären Chatverläufen, angepinnten Konversationen und auch von Suchtreffern auffindbar sein. Zum Absichern bietet OpenAI drei Wege an: einen vierstelligen PIN sowie auf unterstützten Geräten Face ID oder Touch ID. Diese Kombination adressiert unterschiedliche Nutzergruppen – PINs funktionieren geräteunabhängig, biometrische Methoden reduzieren die Bedienlast. Gleichzeitig setzt OpenAI aber klare Grenzen: „Locked Chats“ ist nicht gleichbedeutend mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, schafft keinen separaten verschlüsselten Tresor und verändert weder die Aufbewahrungsdauer noch wie die App gespeicherte Inhalte verarbeitet.

Besonders interessant ist, wie sich „Locked Chats“ mit dem Feature „Memory“ verzahnt. Laut OpenAI besitzt der Locked-Bereich ein eigenes Memory, das innerhalb der Sektion geteilt wird. Neue Nachrichten, die nach dem Sperren gesendet werden, können dieses separate Memory aktualisieren – aber reguläres Memory bleibt davon unberührt. Damit beschreibt OpenAI eine konkrete Trennlinie: Informationen aus gesperrten Chats sollen nicht in späteren, normalen Gesprächen „mitwandern“. Das ist für den Produktalltag wichtig, weil Memory typischerweise genau das Ziel verfolgt, Kontext zu behalten; ohne klare Trennung könnte eine Sperr-Funktion sonst leicht zu einer Symbolgeste werden.

OpenAI macht außerdem deutlich, wie stark der Funktionsumfang an die Grenzen der App gekoppelt bleibt. So ersetzt das Sperren keine dauerhafte Geheimhaltung der Datenhaltung, sondern reduziert den sichtbaren Zugriff. Auch das Zurücksetzen eines PINs ist als Sicherheitsanker gedacht: Wer einen PIN zurücksetzt, soll damit alle zuvor gesperrten Chats, Dateien und Inhalte löschen, die mit dem vorherigen PIN geschützt waren. Gleichzeitig nennt OpenAI mehrere Einschränkungen, die den Einsatzbereich begrenzen: „Locked Chats“ ist nicht für Temporary Chats verfügbar, ebenso nicht für archivierte Chats, Gruppenchats, Chats, die über einen geteilten Link entstehen, Konversationen mit geplanten Aufgaben sowie Chats mit Meeting-Aufnahmen. Damit bleibt die Funktion auf Einzelsitzungen zugeschnitten, die Nutzer bewusst im Blick behalten wollen.

Marktseitig ordnet sich die Neuerung in eine breitere Entwicklung ein: Chat- und Assistenz-Apps wandeln sich von reinen Experimentierumgebungen hin zu Werkzeugen, die Nutzer zunehmend für private und berufliche Themen parallel verwenden. Genau dort entstehen neue Risiken, wenn ein Bildschirm kurzfristig von Dritten gesehen wird oder wenn Inhalte in Suchfunktionen und Verlaufshistorien auffindbar sind. Eine Sperrfunktion wie „Locked Chats“ adressiert dabei vor allem die „Shoulder-Surfing“-Problematik, also das versehentliche Mitlesen in direkter Umgebung. Allerdings beantwortet sie nicht die Frage, wie sensible Informationen über den gesamten Lebenszyklus – von Speicherung bis Verarbeitung im Hintergrund – geschützt sind. OpenAI stellt deshalb auch explizit klar, dass sich durch „Locked Chats“ weder die Speicherung noch die zugrunde liegenden Sicherheitsversprechen so verändern, wie es eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung täte.

Für die Verfügbarkeit nennt OpenAI mehrere Pläne: Die Funktion soll Nutzern von ChatGPT Free, Go, Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu zugänglich sein. Gleichzeitig bleibt ChatGPT für Healthcare laut Angaben ausgenommen. Da das Rollout bereits gestartet ist, könnte die Funktion je nach Nutzerkonto zunächst noch fehlen; in der Praxis heißt das für Admins und Teams, dass sich Verhalten und UI-Anzeige anfangs unterscheiden können. Für Unternehmen ist das vor allem dann relevant, wenn Mitarbeitende ChatGPT in gemischten Kontexten nutzen und dabei zwischen „privaten“ und „arbeitsrelevanten“ Konversationen trennen möchten.

Insgesamt wirkt „Locked Chats“ wie eine gezielte Ergänzung: Es schafft eine klare UI- und Zugriffstrennung, trennt das Memory-Kontinuum innerhalb der gesperrten Sektion vom normalen Verlauf und bietet mit PIN sowie Face ID/Touch ID pragmatische Bedienwege. Wer dagegen auf höchste Schutzanforderungen für vertrauliche Daten angewiesen ist, bekommt aus der Ankündigung eher eine Warnung als ein Sicherheitsversprechen: Die Funktion ist kein Ersatz für End-to-End-Verschlüsselung oder ein verschlüsseltes Vault-Konzept. Für die meisten Alltagsfälle dürfte die neue Sperrsektion dennoch einen spürbaren Komfortgewinn bringen – vor allem dort, wo Nutzer Inhalte kurzfristig zeigen oder Gerätzugriff kurzzeitig teilen müssen.


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