LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Auswertung von 3.000 Organisationen zeigt: Sicherheitsprobleme in AWS, Azure und Google Cloud folgen kaum gemeinsamen Mustern. Intruder findet zwar bei IAM-Defiziten und fehlendem Logging nahezu überall Lücken, doch die Top-Risiken unterscheiden sich deutlich pro Plattform. Besonders „Exposed Services“ sind bei AWS massiv verbreitet, während es bei Google Cloud deutlich seltener ist. Für Security-Teams heißt das: Ein einheitlicher Check reicht nicht; Prioritäten müssen an den Anbieter gekoppelt sein.

Die Vorstellung, Cloud-Sicherheit ließe sich mit einer einzigen Checkliste über mehrere Anbieter hinweg „abprüfen und abhaken“, ist in der Praxis ein Trugschluss. Genau daran setzt die Auswertung zum 2026 Cloud Security Index an: Intruder hat dafür Misconfiguration-Daten aus 3.000 Organisationen analysiert – verteilt auf AWS, Azure und Google Cloud. Das Ergebnis ist unbequem für jedes Team, das seine Prioritäten möglichst standardisieren möchte: Die Risikoprofile ähneln sich zwischen den Clouds kaum, obwohl es auf den ersten Blick dieselben Kategorien von Fehlkonfigurationen sein können.
Technisch betrachtet ordnet Intruder jede erkannte Fehlkonfiguration in sechs Bereiche ein: schwaches Identity-and-Access-Management (IAM), fehlendes Logging, falsch konfigurierte Services, permissive Firewalls, exponierte Services sowie schwache Verschlüsselung. Entscheidend ist nicht nur, wie häufig diese Kategorien insgesamt vorkommen, sondern wie sie sich über die drei Plattformen hinweg „verteilen“. In zwei Kategorien sind die Muster nahezu deckungsgleich: Schwache IAM-Kontrollen und fehlendes Logging tauchen bei 80% bis 98% der Konten auf – egal ob AWS, Azure oder Google Cloud. Die Differenz beginnt bei den übrigen vier Kategorien: „Exposed Services“ liegen bei AWS bei 76%, bei Azure bei 64%, bei Google Cloud hingegen nur bei 8%. Permissive Firewalls treffen AWS mit 83% besonders stark, Azure mit 45% deutlich weniger und Google Cloud mit 34% dazwischen. Schwache Verschlüsselung folgt einem ähnlichen Gefälle: 49% bei AWS, 35% bei Azure und 8% bei Google Cloud. Auch „misconfigured services“ weicht ab: Hier führt nicht AWS, sondern Azure mit 80%, während Google Cloud bei 37% liegt.
Ein Teil der Erklärung ist naheliegend: AWS gilt als der größte Anbieter nach Umfang des Dienstspektrums. Mehr Services bedeuten mehr Konfigurationsmöglichkeiten, damit steigt statistisch die Zahl der Stellen, an denen sich Fehlannahmen einschleichen können. Umgekehrt steht Google Cloud mit dem niedrigeren Prevalence-Niveau in fünf der sechs Kategorien auch für weniger Optionen pro Konto – zumindest aus Sicht der Konfigurationsbreite. Zusätzlich verweist Intruder auf den Shared-Fate-Ansatz, bei dem Sicherheitsvorgaben stärker als „Out of the box“ in die Plattform eingezogen werden. Besonders bei Netzwerkexponierung und Verschlüsselung könnte das erklären, warum dort die Werte bei Google Cloud deutlich niedriger sind. Dass „misconfigured services“ dennoch nicht dem selben Muster folgt, ist ein Hinweis darauf, dass Verantwortlichkeiten und Standardkonfigurationen allein nicht reichen: Teams müssen verstehen, welche Service-Setups in ihrem Betrieb besonders fehleranfällig sind – und das hängt vom Anbieter, aber auch von der konkreten Nutzung ab.
Damit wird auch der Blick auf die typischen Einzelfehler greifbar. Bei AWS fallen in der Auswertung vor allem Probleme rund um Firewalls und Verschlüsselung auf. Genannt werden etwa S3-Konfigurationen, die HTTPS nicht erzwingen (87%). Außerdem finden sich permissive Eingänge auf sensible Ports über ACLs (84%) und übermäßig großzügige Network ACLs (83%). Auch IAM spielt eine große Rolle: Eine Policy, die Privilege Escalation ermöglicht, betrifft 83% der Konten. Ergänzend taucht als technisches Setup-Problem auf, dass ein VPC Endpoint für EC2 nicht aktiviert ist (82%). Bei Azure verschiebt sich das Zentrum auf Storage und Identität. Häufige Punkte sind: Storage-Account-Key-Rotation ist nicht aktiviert (67%), Zugriffsschlüssel sind aktiv (66%) und öffentlicher Network Access ist eingeschaltet (61%). In der Identity-Schicht werden Entra-User ohne MFA mit 55% genannt, daneben bleibt „Trusted Launch“ mit 45% ein häufiger Nachzügler. Dass die ersten drei Azure-Themen Storage-Accounts betreffen, ist besonders relevant, weil dort oft hochsensible Daten liegen – und laut Auswertung mehrere Härte-Controls gleichzeitig fehlen können, wenn der Einstieg einmal zu defensiv ausfällt.
Google Cloud zeigt im Vergleich ein deutlich anderes Schwergewicht: Hier dominieren Identity-and-Access-Themen. Auf den oberen Rängen stehen OS Login ohne MFA (77%) und OS Login nicht aktiviert (76%), dazu ein ungenutzter Service Account (75%) sowie ein zu permissiv konfigurierter Service Account (53%). Netzwerkseitig wird dennoch auch „Permissive Ingress to Sensitive Ports“ erwähnt, allerdings mit 34% deutlich seltener als bei AWS. Der Kern ist damit weniger ein Netzwerk-Feueralarm als ein Zugangskonzept: OS Login bietet eine sicherere Alternative zu klassischem SSH, und wenn diese Absicherung fehlt, vergrößert sich die Angriffsfläche. Intruder nennt zudem ein konkretes Incident-Muster: Ein Angreifer habe in weniger als 10 Minuten von exponierten Credentials zu administrativen Rechten wechseln können und dabei 19 AWS-Principals kompromittiert. Für Security-Teams ist das vor allem als Risikologie relevant: Wenn Identitäten zu weit greifen, überbrücken sie harte Netzwerk- und Logging-Vorkehrungen, selbst wenn diese an anderer Stelle bereits verbessert wurden.
Noch stärker wird die Handlungslogik, wenn die Organisationsgröße ins Spiel kommt. In den meisten Kategorien sinkt die Prävalenz mit zunehmender Unternehmensgröße: Große Unternehmen sind weniger häufig von permissiven Firewalls, exponierten Services oder schwacher Verschlüsselung betroffen. Die Ausnahme bildet IAM: Schwache IAM-Kontrollen erreichen 87% bei SMEs (unter 250 Mitarbeitenden), 95% im Midmarket (251 bis 10.000) und 98% bei großen Unternehmen (10.000 bis 100.000+). Das ist ein starkes Indiz dafür, dass IAM eher „prozess- und rollengetrieben“ ist als „einmal-konfigurationsgetrieben“: Ein einziger überprivilegierter Zugriff kann ausreichen, um andere Schutzschichten zu unterlaufen, die inzwischen technisch ausgebaut wurden. Dazu passt auch die Remediation-Zeit: Midmarket-Organisationen brauchen im Schnitt 35 Tage, um Cloud-Probleme zu beheben, verglichen mit 8 bis 16 Tagen bei kleineren Unternehmen und 10 Tagen bei großen. Das wirkt wie ein Kapazitätsproblem: Teams verwalten enterpriseähnliche Komplexität, haben aber nicht immer die dedizierten Ressourcen, um priorisiert und konsequent nachzubessern.
Für Security-Teams mit Multi-Cloud-Realität ist der praktische Nutzen dieser Daten groß, aber er zwingt zu einer anderen Arbeitsweise. Die „harte“ Frage lautet nicht mehr, ob eine Checkliste vollständig abgearbeitet wurde, sondern welche Risiken im Gesamtportfolio die größte Wirkung entfalten. Das erfordert zwei Fähigkeiten, die nicht automatisch zusammenpassen: Einerseits brauchen Teams eine konsistente Methode, um Posture über Anbieter hinweg vergleichbar zu bewerten. Andererseits müssen sie die plattformspezifischen Details liefern, die für die konkrete Behebung nötig sind – etwa welche S3- oder VPC-Parameter in AWS, welche Storage- und Entra-Härte in Azure oder welche OS-Login-Settings in Google Cloud im Betrieb wirklich zählen. Der 2026 Cloud Security Index stellt dafür laut Beschreibung das vollständige Bild bereit, inklusive der Top-10-Misconfigurations je Plattform und der Posture nach Organisationsgröße. Wer aus diesen Ergebnissen eine operative Strategie ableiten will, sollte im nächsten Schritt gezielt prüfen, ob die bisherigen „One-size-fits-all“-Prioritäten ihre Wirkung nur scheinbar erzielen – und ob stattdessen eine anbieter- und gruppenspezifische Risikomatrix die schnelleren, messbaren Verbesserungen bringt.
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