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LONDON (IT BOLTWISE) – Microsoft, BASF und GE Vernova haben ihre jüngsten Quartalszahlen präsentiert und dabei teils die Erwartungen übertroffen sowie Jahresziele angehoben. Für 2027 entscheidet jedoch nicht nur die Trendlinie der Gewinne, sondern jeweils ein anderer Bewertungshebel: beim Softwarekonzern der dauerhafte Multiplikator, beim Chemieunternehmen der Zeitpunkt der Gewinnerholung und beim Energietechnikkonzern die Umsetzung des Auftragsbestands. Während Microsoft planbarere Erlöse über Cloud-Verträge betont, verhandelt BASF das Tempo seiner Sparwirkung – und GE Vernova muss aus Reservierungen konkrete Bestellungen und Projektgewinne machen.

Dauerläufer, Sanierer, Ausrüster: Was 2027 bei Microsoft, BASF und GE Vernova zählt
Dauerläufer, Sanierer, Ausrüster: Was 2027 bei Microsoft, BASF und GE Vernova zählt (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Meldung wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Unternehmens-Quartalsmix: Alle drei Konzerne – Microsoft, BASF und GE Vernova – haben zum Ende Oktober ihre Ergebnisse vorgelegt und dabei die Erwartungen der Märkte entweder übertroffen oder ihre Jahresziele bestätigt. Genau an dieser Stelle trennt sich allerdings die Logik der Bewertung für 2027 in drei sehr unterschiedliche Fragen. Beim Softwarekonzern hängt sie vor allem daran, ob der Markt für hohe Investitionen in Cloud und KI weiterhin einen passenden Multiplikator bereitstellt. Bei BASF entscheidet der Zeitpunkt, wann die Einsparprogramme wirklich in den operativen Zahlen sichtbar werden. GE Vernova schließlich steht und fällt damit, wie gut der Auftragsbestand in der Zukunft in fertige Projekte, Lieferungen und schließlich Gewinne übersetzt wird.

Microsoft liefert dafür ein recht konkretes Bild, weil Umsatzwachstum und Vertragsbestand zusammen eine Art „Planungsgerüst“ ergeben. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 1. Juli 2026 begann, stieg der Umsatz um 19 Prozent auf 92,3 Milliarden US-Dollar. Besonders relevant ist die Struktur: Die Microsoft Cloud wuchs um 30 Prozent auf 63,9 Milliarden US-Dollar, wobei Azure um 48 Prozent zulegte. Dass daraus nicht nur kurzfristige Schaufensterzahlen werden, zeigen die zugesagten, aber noch nicht verbuchten Erlöse mit Geschäftskunden: Sie kletterten binnen eines Jahres um 73 Prozent auf 677 Milliarden US-Dollar. Solche Bindungen – etwa durch Microsoft 365 oder mehrjährige Azure-Verträge – senken typischerweise die Schwankungsbreite der künftigen Erlöse. Gleichzeitig schrumpfte das Windows-Geschäft für Computerhersteller und mit eigenen Geräten um 22 Prozent; die Bewertung muss also trotz stabiler Cloud-Mechanik auch die Segmentrealität einpreisen.

Für die Aktienbewertung ist bei Microsoft zudem wichtig, wie sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) historisch verhalten hat. Von 2020 bis 2025 pendelte das KGV je nach Jahresendkurs zwischen knapp 27 und knapp 38. Im Geschäftsjahr 2026 brach dieses Muster: Der Gewinn je Aktie stieg um gut 31 Prozent auf 17,95 US-Dollar, während das KGV auf knapp 21 sank – damit auf den tiefsten Stand der genannten Reihe. Für Anleger heißt das übersetzt: Die aktuelle Bewertung lässt sich nicht isoliert auf einen einzelnen Quartalsbericht reduzieren. Stattdessen sollte man vergleichen, ob die erwartete Rendite aus Cloud- und KI-Investitionen tatsächlich in der Gewinnentwicklung ankommt. In der Quartalsmitteilung benennt Microsoft den zentralen Unsicherheitsfaktor selbst: Die Investitionen hängen von Nachfrage, Technik und Wettbewerb ab und könnten im Extremfall eine nicht erwartete Rendite liefern. Genau diese Differenz zwischen Investmenttempo und späterer Ergebnisumsetzung bestimmt bei Microsoft letztlich den „dauerhaften Multiplikator“.

BASF betrachtet das Jahr 2027 dagegen weniger als Frage eines Multiplikators, sondern als Timing-Problem einer Sanierung. Operativ zeigt sich im dritten Quartal 2026 zwar Bewegung: Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro, das EBITDA vor Sondereinflüssen nahm um 15 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich kommt jedoch die Kehrseite des Umbaus: Sondereinflüsse von 780 Millionen Euro – darunter Restrukturierungskosten in Ludwigshafen und ein Rechtsvergleich – drückten das EBIT auf minus 98 Millionen Euro nach plus 232 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 7,4 bis 7,8 Milliarden Euro nach zuvor 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro. Die entscheidende Frage für 2027 ist dann, wann die Einsparungen nicht mehr nur „laufen“, sondern voll durchschlagen.

Das lässt sich an den genannten Sparfortschritten recht gut festmachen: Bis Ende 2025 hatte BASF eine jährliche Kostensenkung von rund 1,7 Milliarden Euro erreicht, bis Ende 2026 sollen es 2,3 Milliarden Euro sein statt ursprünglich 2,1 Milliarden Euro. Da das Ziel als jährliche Rate zum Jahresende definiert ist, wäre 2027 das erste Geschäftsjahr, in dem die volle Entlastung über zwölf Monate wirkt. Erste Signale sieht BASF bereits in den Fixkosten: In den ersten neun Monaten 2026 sanken die zahlungswirksamen Fixkosten um knapp 300 Millionen auf 11,8 Milliarden Euro. Parallel hat der Konzern seit Januar 2024 die Belegschaft um rund 8.600 Beschäftigte verkleinert – Verkäufe von Geschäften sowie der Aufbau am neuen Standort Zhanjiang sind dabei nicht eingerechnet. Interessant ist zudem, dass klassische Kennzahlen wie das KGV bei BASF wenig Aussagekraft haben: In den Jahren 2020 und 2022 lag das EPS im Negativen, 2023 führte ein Gewinn von nur 0,25 Euro je Aktie dazu, dass das KGV zum Jahresende über 190 stieg. Deshalb wird die Aktie eher über die Ausschüttung „geerdet“: BASF hat für 2025 bis 2028 eine Dividende von mindestens 2,25 Euro je Aktie zugesagt (nach 3,40 Euro für 2021 bis 2023). Zum Jahresende 2025 entsprach das einer Dividendenrendite von gut fünf Prozent; insgesamt peilt der Konzern bis Ende 2028 mindestens zwölf Milliarden Euro aus Dividenden und Aktienrückkäufen an. Gerade weil der Gewinn in der Logik der Sanierung erst nachzieht, wird in 2027 der Grad der echten Ergebnisverbesserung zum Prüfstein.

GE Vernova schiebt den Bewertungsfokus wiederum von „wann Gewinne kommen“ auf „was im Bestand wirklich gesichert ist“. Bei diesem Unternehmen lässt sich die Geschäftssicherheit besonders gut an Verträgen ablesen: Der Auftragsbestand stieg im dritten Quartal 2026 um 20 Milliarden auf 197 Milliarden US-Dollar, bis Jahresende sollen es mehr als 200 Milliarden US-Dollar sein. Verglichen wird das häufig mit dem anvisierten Umsatz für 2026 von 46,5 bis 47,5 Milliarden US-Dollar. Als Kunden nennt der Konzern Versorger und Betreiber von Rechenzentren, weil deren wachsende Nachfrage neue Lösungen für Netz und Energieausbau antreibt. Auffällig ist die Dynamik im Netzgeschäft: Aus dem Rechenzentrumsgeschäft gingen dort bis Ende Juni 2026 Aufträge über mehr als fünf Milliarden US-Dollar ein, mehr als doppelt so viel wie im gesamten Jahr 2025. Bei Gasturbinen summieren sich feste Aufträge und reservierte Lieferplätze auf 122 Gigawatt, nach 116 Gigawatt drei Monate zuvor; bis Ende 2026 peilt GE Vernova mindestens 130 Gigawatt an. Noch wichtiger als die Zahl ist die Produktionsabdeckung: Laut den Plänen soll die Fertigung im dritten Quartal 2026 eine Jahresleistung von 20 Gigawatt erreichen und bis 2028 auf 24 Gigawatt wachsen. Damit ist ein erheblicher Teil der Produktion für 2027 und 2028 bereits verplant.

Die andere Seite kommt mit der Bewertung und der Frage nach der Umsetzung. Berechnet mit dem Jahresendkurs lag das KGV bei GE Vernova 2024 bei knapp 59 und 2025 bei knapp 37, nachdem der Gewinn je Aktie von 5,58 auf 17,69 US-Dollar gestiegen war. Gleichzeitig ist nicht der gesamte Auftragsbestand „hart“: Von 122 Gigawatt sind 58 Gigawatt Reservierungen, die erst noch in Bestellungen umgewandelt werden müssen. Dazu kommt, dass das Windgeschäft 2026 einen operativen Verlust von 400 bis 500 Millionen US-Dollar ausweisen soll. Zudem plant GE Vernova die Übernahme der Trench Group für neun Milliarden US-Dollar, mit einem erwarteten Abschluss Ende 2027. Das macht den Bewertungshebel klar: Der hohe Auftragsbestand allein reicht nicht, entscheidend sind Fertigung, Lieferketten und die Abwicklung der Großprojekte. Im Zusammenspiel zeigt sich so eine elegante, aber anspruchsvolle Dreiteilung: Bei Microsoft geht es primär um Bewertung und die Frage, ob die Cloud- und KI-Investitionen dauerhaft in Gewinne übersetzen. Bei BASF zählt der Zeitpunkt, wann Einsparungen wirklich im Ergebnis ankommen und wie nachhaltig die Auszahlungspolitik mit der künftigen Ertragskraft korrespondiert. Bei GE Vernova schließlich entscheidet die Ausführung – ob aus Bestand und Reservierungen die erwarteten Erträge werden, ohne dass operative Risiken den Zeitplan oder die Marge drücken.

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