LONDON (IT BOLTWISE) – Der DAX startet mit einem Plus von 0,37 Prozent in den XETRA-Haupthandel und bleibt im positiven Bereich. Vor dem Wochenende sorgt der Ölpreis weiter für Unsicherheit, weil sich die Einigung zwischen den USA und dem Iran über die Wiederöffnung der Straße von Hormus verzögert. Parallel hellen Konjunktursignale auf: China meldet Exportwachstum von fast 24 Prozent zum Vorjahr. Am Nachmittag richtet sich der Fokus auf den US-Arbeitsmarktbericht, der als Grundlage für Entscheidungen der Fed gilt.

DAX am Freitag freundlich: Ölpreis bremst, Fed-Jobdaten treiben Anleger
DAX am Freitag freundlich: Ölpreis bremst, Fed-Jobdaten treiben Anleger (Foto: IT BOLTWISE)
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Der DAX ist am Freitag zunächst freundlich in den Handel gestartet und hat sich mit 26.235,80 Punkten rund 0,37 Prozent fester präsentiert. Auch im weiteren Verlauf bleibt der Index auf positivem Niveau, allerdings ohne echten Durchbruch: Der Markt handelt derzeit eher mit vorsichtiger Risikobereitschaft als mit Begeisterung. Das liegt vor allem am Rohöl, das im Vorfeld des Wochenendes erneut leicht zulegt und damit einen bekannten Belastungsfaktor in den Vordergrund schiebt. Solange unklar bleibt, ob sich die Konfliktparteien zu einer dauerhaften Verständigung über die Wiederöffnung der Straße von Hormus durchringen, bleiben Energiepreise ein Hebel, der auf die Erwartungen zu Inflation und Wirtschaftsentwicklung wirkt.

Zu den konkreten Argumenten der Marktteilnehmer gehört, dass sich der Ölpreis zuletzt eher auf einem erhöhten als auf einem beruhigten Niveau einpendelte. Donald Trump geht zwar nach eigenen Angaben weiter davon aus, dass der Iran-Krieg „ziemlich bald“ enden und eine Einigung zur Öffnung der Meerenge bevorstehen könnte. Gleichzeitig gibt es laut Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank den Hinweis auf einen möglichen dämpfenden Effekt: „Der Ölpreis liegt bei 80 und nicht mehr bei 100 Dollar, was die Inflationsrisiken etwas lindern dürfte“. Trotzdem bleibt Energie volatil: Wenn Gespräche im Persischen Golf zwar wieder aufgenommen, dann aber ohne belastbares Ergebnis versanden, entsteht im Markt kein stabiler Trend, sondern nur kurzfristige Hoffnung mit entsprechenden Risikoaufschlägen.

Für den deutschen Markt kommt zusätzlich die Struktur der Kalenderwoche hinzu. In der Bilanzsaison geht es am Freitag etwas ruhiger zu als an den Tagen davor: Aus dem DAX stehen mit der Allianz und der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft zwei Versicherer sowie der Lastwagenbauer Daimler Truck auf der Agenda. Weniger operative Ereignisse an einem einzelnen Handelstag bedeuten häufig auch, dass Makrodaten und Stimmungsfaktoren stärker gewichten. Genau das sieht man, wenn Konjunkturimpulse aus dem Ausland in die Erwartung für die Nachfrage hineinwirken: In China sind die Exporte im Juli um fast 24 Prozent zum Vorjahr gestiegen, was auf eine Belebung der internationalen Nachfrage hindeutet. Auch europäische Konjunkturdaten waren zuvor nach oben revidiert worden, und selbst in Deutschland fällt der Vergleich zwischen Datenlage und öffentlicher Debatte tendenziell günstiger aus.

Die DAX-Stimmung erhält damit eine zweite tragende Säule: solide Wachstumsdaten für die Industrie und die Exportseite. Die Industrieproduktion legte im Juni um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat zu, die Exporte kletterten um 0,9 Prozent zum Mai. Chef-Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank kommentierte dazu, das zweite Quartal sei für die deutsche Industrie ein gutes gewesen. In dieser Gemengelage wird im Handel auch die These bemüht, der DAX könne wieder als „unterbewertetes Konjunktur-Play entdeckt“ werden. Entscheidend ist dabei, dass solche Einstufungen häufig auf dem Zusammenspiel aus Unternehmensüberblick (Bilanzsaison, Branchenrotation) und makroökonomischer Erwartung beruhen. Wenn die Fundamentaldaten die Konjunkturerzählung stützen, reicht schon ein moderat positives Marktumfeld, um Rekorde zu verteidigen oder neu anzutreiben.

Damit rückt auch die zeitliche Klammer Richtung US-Dollar und Zinsnarrativ in den Fokus. Am Nachmittag steht der monatliche US-Arbeitsmarktbericht an, der Marktteilnehmern zufolge als Grundlage für künftige Entscheidungen der US-Notenbank dient. Erwartet werden rund 83.000 neue Stellen; ein schwächerer Bericht könnte als Begründung genutzt werden, den Inflationsanstieg weiter nicht mit einer Zinserhöhung bekämpfen zu wollen. Für die Kurswirkung ist jedoch weniger die Zahl allein relevant als die Interpretation: Marktteilnehmer verweisen auf die veränderte Kommunikation der Fed. Felipe Villarroel von TwentyFour Asset Management bringt es inhaltlich auf den Punkt, wenn er sagt: „Es geht weniger um das aktuelle Zinsniveau als um Vertrauen in die nächsten Schritte. Wenn die Notenbank ihre Sicht auf Konjunktur und Inflation nicht klar genug einordnet, entsteht ein Vakuum. Und dieses Vakuum füllen Märkte mit eigenen Annahmen. Glaubwürdigkeit ist dabei die zentrale Währung: Sie wird über Jahre aufgebaut, kann aber durch wenige unglückliche Auftritte schnell beschädigt werden“. In der Praxis übersetzen sich solche Aussagen in Renditeerwartungen und damit unmittelbar in Bewertungsniveaus.

Auch historisch betrachtet hängt die kurzfristige Richtung an solchen Tagen oft an der Frage, ob der Markt das Zins- und Inflationspfadrisiko eher neu bepreist oder im Rahmen bereits eingepreister Annahmen bleibt. Die jüngsten DAX-Bewegungen zeigen, dass Käufer trotz Ölvolatilität aktiv sind: Am Dienstag ging der DAX mit einem Schlussstandrekord von 26.202,35 Zählern aus der Sitzung, das letzte Intra-Day-Allzeithoch liegt vom Mittwoch bei 26.403,81 Punkten. Für Unternehmen und Anleger bedeutet das: Wer Positionen offen hält, muss in den kommenden Stunden vor allem die Wechselwirkung aus Energiepreisen, Konjunkturdaten und US-Zinsnarrativ beobachten. Der Ölpreis kann derweil Inflationssensitivität in den Vordergrund rücken, während der Arbeitsmarktbericht der Fed die Richtung vorgibt, ob die nächste Zinserwartung eher „entspannt“ oder eher „verhärtet“ ausfällt.


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