FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Der DAX gibt zur Mittagszeit um 0,3 Prozent nach und rutscht erneut unter die 21-Tage-Linie. Auslöser sind Zinssorgen nach einem überraschend starken Inflationsanstieg in den USA sowie die Frage, wie KI-Unternehmen ihre Finanzierung künftig stemmen. Selbst der Rekordgewinn von TSMC ändert vorerst wenig an der Zurückhaltung. Am Nachmittag könnten weitere US-Konjunkturdaten die Kursrichtung erneut bestimmen.

DAX rutscht leicht ab: Zinssorgen treffen Tech und KI-Finanzierung
DAX rutscht leicht ab: Zinssorgen treffen Tech und KI-Finanzierung (Foto: IT BOLTWISE)
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Am deutschen Aktienmarkt blieb die Erleichterung aus, obwohl die Technologiebranche an einem Teil der internationalen Märkte zwar wieder Boden suchte. In Frankfurt dominierte vielmehr ein bekanntes Muster: Wenn in den USA der Inflationsdruck stärker ausfällt als erwartet, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank die Zügel länger straffer hält. Genau diese Erwartung prägte laut der Berichterstattung den Handel am Donnerstag und drückte die Risikobereitschaft auch in Europa, obwohl die Kursverluste in den US- und asiatischen Technologiewerten nicht 1:1 auf den DAX übertragen wurden.

Der DAX verlor zur Mittagszeit 0,3 Prozent und notierte bei 25.218 Punkten. Auffällig war dabei die charttechnische Komponente: Der Index fiel erneut unter die 21-Tage-Linie, die häufig als kurzfristiger Trendfilter genutzt wird. Beim MDAX der mittelgroßen Unternehmen zeigte sich der Gegenwind etwas stärker: Er gab um 0,4 Prozent auf 29.934 Zähler nach. Im Hintergrund stand nicht nur die allgemeine Zinslogik, sondern eine spezifische Belastung für wachstumsgetriebene Segmente – denn steigende Finanzierungskosten wirken bei Technologie- und KI-nahem Wachstum doppelt, weil sowohl die Kapitalkosten als auch die Bewertungsprämissen unter Druck geraten.

Auch konkrete Unternehmens- und Branchenimpulse konnten die Stimmung zunächst nur begrenzt stützen. Der taiwanesische Chipriesen TSMC hatte zwar für das abgelaufene Quartal einen besser als erwarteten Rekordgewinn gemeldet, doch die Erzählung am Markt drehte sich erneut um die „zweite Welle der KI-Sorgen“. Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners ordnete dies als echte Risiko-Neubewertung ein – nicht als klassische Gewinnmitnahmen. Für den DAX war die Wirkung laut Text zudem abgeschwächt, weil der Index nur eine vergleichsweise kleine Anzahl an Technologie- und KI-nahem Unternehmen abbildet. Im Umkehrschluss heißt das: Je stärker ein Marktsegment von wachstumsabhängigen Storys dominiert wird, desto schneller schlagen Zins- und Liquiditätsängste in den Kursen durch.

Deutlich sichtbar wurde die Nervosität in einzelnen Titeln. Besonders stark gab Infineon nach – laut Bericht um 7,4 Prozent. Siemens Energy verlor 6,3 Prozent, und im MDAX rangierten mehrere Tech- und Halbleiterwerte mit Abschlägen zwischen 4,3 und 8,1 Prozent: Dazu zählten Jenoptik, Elmos, Siltronic, Suss Microtec und Aixtron. Umgekehrt gab es auch einzelne Ausnahmen, die zeigen, wie stark Anleger zwischen „Zinsschmerz“ und unternehmensspezifischen Treibern trennen: flatexDEGIRO stieg um 6,5 Prozent an der MDAX-Spitze, nachdem das Unternehmen Aktienrückkäufe angekündigt hatte. Der geplante Umfang soll laut Onlinebroker bis zu 100 Millionen Euro betragen und damit doppelt so hoch sein wie das Aktienrückkaufprogramm, das im Mai 2025 abgeschlossen wurde.

Im SDAX spiegelte sich die Gemengelage aus Ergebnisqualität und Erwartungen. Die Vorzugsaktie von Drägerwerk fiel um 16 Prozent und rutschte auf ein Tief seit Ende Juli, obwohl die Jahresziele bestätigt wurden. Ein Händler begründete den Abverkauf damit, dass im bereinigten operativen Quartalsergebnis ein positiver Einmaleffekt von mehr als 16 Millionen Euro enthalten gewesen sei – aus der Rückerstattung von Zöllen. Wenn dieser Effekt herausgerechnet werde, läge das bereinigte EBIT deutlich unter den Erwartungen, so die Erklärung für den Kursverlust. Das zeigt, dass sich im aktuellen Makro-Umfeld ein zusätzliches Bewertungsrisiko aufbaut: Nicht nur die Zinsen bewegen die Kurse, sondern auch die Frage, wie viel „Qualität“ hinter den Kennzahlen steckt – vor allem, wenn Investoren ohnehin härter auf Guidance und Margen schauen.

Für den weiteren Verlauf bleibt die Nachrichtenlage eindeutig an den US-Daten aufgehängt. Am Nachmittag stehen laut Bericht wöchentliche Arbeitsmarktzahlen, Erzeugerpreise und Einzelhandelsumsätze auf der Agenda. Marktexperte Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets erklärte, dass die Anleger nach dem Inflationsschock besonders darauf achten werden, ob sich der Preisdruck verfestigt und die US-Notenbank zu einer noch restriktiveren Geldpolitik zwingen könnte. Für Tech- und KI-nahe Geschäftsmodelle bedeutet das in der Praxis: Selbst positive operative Signale geraten schnell in den Hintergrund, sobald Marktteilnehmer Liquidität und Diskontierung wieder neu bewerten. Gleichzeitig erhöht sich der Spielraum für Stimmungswechsel – positive Daten könnten Entspannung bringen, während enttäuschende Indikatoren die bereits eingepreisten Risiken weiter erhöhen.


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