LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie prüft, ob sehr niedrige LSD-Dosen die gleiche Art von visuellen Effekten auslösen wie Psilocybin. Die Probanden berichten nach 10 und 20 Mikrogramm von mehr Sättigung, mehr Dynamik und teilweise unschärferer Sicht. Objektive Tests mit einer Kontrast-Illusion zeigen jedoch keine messbare Verstärkung der Wahrnehmung durch LSD. Damit deutet die Arbeit darauf hin, dass subjektive Veränderungen nicht zwingend über frühe, automatisch arbeitende Filter im Sehsystem laufen.

Die Forschung zur Wirkung von Psychedelika verschiebt sich zunehmend von dem „ob“ hin zum „wie genau“ im Gehirn. Besonders spannend ist dabei der Unterschied zwischen subjektiven Eindrücken und dem, was sich in kontrollierten Aufgaben tatsächlich messen lässt. Denn während viele Berichte über veränderte Wahrnehmung meist auf Konsumenten-Selbstauskünften beruhen, versuchen neue Studiendesigns, die Mechanismen mit psychophysikalischen Paradigmen zu „greifen“. Genau diese Lücke adressiert die nun veröffentlichte Untersuchung zu LSD-Mikrodosen: Sie verknüpft eine klassische visuelle Illusion mit einem doppelblinden Studiendesign, um zu prüfen, ob frühe Sehprozesse genauso beeinflusst werden wie bei Psilocybin.
Technisch betrachtet hängt die Illusion, die im Zentrum der Arbeit steht, an einem bekannten Mechanismus der visuellen Verarbeitung: der Kontrast-Umfeld-Unterdrückung („contrast surround suppression“). Die Idee dahinter ist relativ anschaulich: Ein gestreiftes Muster wirkt in der Wahrnehmung schwächer oder kontrastärmer, wenn es von einem besonders kontrastreichen Muster umgeben ist. Neurowissenschaftlich wird das häufig damit erklärt, dass Aktivität in Nervenzellen, die das Umfeld („surround“) codieren, die Antwort von Zellen dämpft, die den zentralen Bereich („center“) verarbeiten. Für Anwendungen und Grundlagenforschung ist das relevant, weil solche Kontexteffekte nicht erst „später“ durch Interpretation entstehen, sondern bereits auf frühen Verarbeitungsebenen die Signalverarbeitung modulieren.
Vergleicht man das mit dem, was bisher zu Psilocybin berichtet wurde, entsteht ein konsistentes Bild: Klassische Psychedelika wirken vor allem über serotoninvermittelte Rezeptormechanismen. In früheren Arbeiten wurde zudem beschrieben, dass sich die veränderte Sinneswahrnehmung bei Psilocybin mit Hirnregionen verknüpfen lässt, in denen besonders viele Serotoninrezeptoren vorkommen. Zusätzlich deuten Tier-Experimente darauf hin, dass Psychedelika die Umfeld-Unterdrückung in der visuellen Kortexverarbeitung reduzieren können. In Menschen wiederum gibt es Hinweise, dass Psilocybin die Stärke bestimmter Kontexteffekte verstärken kann; so fand eine Pilotstudie mit sechs Teilnehmenden, dass eine höhere Psilocybin-Dosis eine Kontrastillusion stärker erscheinen ließ und dass Personen mit intensiveren visuellen Effekten größere Veränderungen zeigten. Eine weitere Untersuchung koppelte niedrig bis moderat dosiertes Psilocybin an eine erhöhte Anfälligkeit für die Ebbinghaus-Illusion, bei der die scheinbare Größe eines Kreises von den umliegenden Kreisen abhängt.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob LSD in „Mikrodosen“ ähnliche Wege nimmt. Die vorliegende Studie, geleitet von Lucca Jaeckel, testete genau das mit 10 und 20 Mikrogramm LSD in einem randomisierten, doppelblinden, placebo-kontrollierten Crossover-Design. 31 gesunde Erwachsene absolvierten mindestens zwei Sessions, wobei jeweils drei Tests anstanden, die mindestens eine Woche auseinanderlagen. Vier Stunden nach Einnahme bearbeiteten die Teilnehmenden am Computer eine Kontrastdiskriminationsaufgabe mit 100 Trials: Zwei kreisförmige Felder mit bewegten hell-dunkel gestreiften Mustern erschienen je einsekündig, eines lag zentral im Bildschirm und war von einem ringförmigen Umfeld mit hohem Kontrast umgeben, das andere erschien seitlich ohne diesen Ring. In der Regel unterschätzt das Gehirn in solchen Settings den Kontrast des zentralen Elements, weil das Umfeld dämpfend wirkt; genau diese Tendenz sollte sich durch LSD oder Placebo verändern. Zusätzlich füllten die Teilnehmenden detaillierte Fragebögen zu subjektiven Zuständen aus, etwa zu Schärfe versus Unschärfe, Helligkeit, Sättigung, statischer versus dynamischer Wahrnehmung sowie breiteren Effekten wie „boundary dissolution“ oder visionären Veränderungen.
Das Ergebnis ist zweigeteilt: Subjektiv veränderte LSD den visuellen Eindruck, objektiv aber blieb die Kern-Illusion unverändert. Auf einer 100-Punkte-Skala stiegen die Bewertungen für „Drug effect“ um etwa 17 Punkte bei 20 Mikrogramm und um etwa 5 Punkte bei 10 Mikrogramm; dabei zeigten insbesondere die 20 Mikrogramm auch einen mild veränderten Bewusstseinszustand, inklusive höherer Werte für visionäre Veränderungen, „oceanic boundlessness“ und geringerer Wachheit. Prozentual entsprechen diese Verschiebungen allerdings nur einem kleinen Anteil der jeweiligen Skalenmaxima. Visuell berichteten die Teilnehmenden außerdem, 20 Mikrogramm ließen Farben stärker gesättigt wirken und die Welt dynamischer erscheinen, als ob sich etwas bewege; zudem nannten sie eine unschärfere Wahrnehmung. Auch 10 Mikrogramm ging tendenziell mit etwas Unschärfe einher, ohne dass die Helligkeitsurteile klar mitwanderten. Am Ende jeder Session versuchten die Teilnehmenden, die Substanz zu erraten: Placebo und 20 Mikrogramm wurden eher als richtig identifiziert, das 10-Mikrogramm-Level aber nicht über Zufall hinaus. Das ist wichtig, weil Erwartungseffekte die subjektiven Skalen verzerren können.
Gerade an diesem Punkt liefert die objektive Auswertung den entscheidenden Kontrast zur Selbstauskunft. Von 93 durchgeführten Sessions erfüllten 68 aus 24 Teilnehmenden die Qualitätskriterien; viele der verbleibenden Daten wurden ausgeschlossen, weil Hinweise auf Fehlverständnis oder mangelnde Aufgabe-Fähigkeit vorlagen. In dem verbleibenden Datensatz erzeugte die Aufgabe die Illusion zuverlässig – aber LSD verstärkte sie nicht messbar. Eine statistische Analyse, die systematisch für bzw. gegen einen Effekt abwägt, zeigte klarer Richtung „kein Effekt“ hinsichtlich der Illusionsstärke. Noch deutlicher wird die Trennung, wenn man Personen betrachtet, die subjektiv besonders starke visuelle Veränderungen bei 20 Mikrogramm meldeten: Es gab keine Korrelation mit der Stärke der Kontrast-Illusion, anders als in der erwähnten Psilocybin-Pilotstudie, wo mehr Intensität mit stärkerer Suppression verknüpft war. Daraus folgert die Studie, dass LSD bei diesen Dosen bewusste Veränderungen im visuellen Eindruck auslösen kann, ohne die frühen, automatischen Filtermechanismen der Umfeld-Unterdrückung entscheidend zu verschieben. Wörtlich äußerte Jaeckel im Kontext der Studie, dass es „different theories“ zur Entstehung veränderter visueller Wahrnehmung gebe, und dass die Ergebnisse zeigten, dass LSD nicht wie Psilocybin auf den räumlich kontextabhängigen Kontrast wirkt, den man im Rahmen der Surround-Suppression erwartet.
Gleichzeitig nennt die Arbeit mehrere methodische und biologische Plausibilitäten für das Auseinanderlaufen zwischen subjektivem Erleben und Messdaten. Zum einen könnten Teilnehmende in Teilen des Designs erkennbar gewesen sein, was verabreicht wurde; das könnte Fragebogenwerte aufblähen. Zum anderen argumentieren die Autorinnen und Autoren, Erwartungen allein erklärten die konkreten visuellen Muster eher nicht, weil niedrig dosierte Psychedelika in anderen Berichten teils auch als „schärfend“ beschrieben werden, während hier vor allem Unschärfe genannt wurde. Als wahrscheinlichster Grund wird vor allem die Dosisbreite diskutiert: Die 20 Mikrogramm LSD werden direkt in Relation zu Psilocybin gesetzt; dabei läge das LSD-Level deutlich unter den Psilocybin-Mengen, die in den genannten Kontrast-Studien Effekte auf Illusionsmechanismen zeigten. Darüber hinaus wirkt LSD auch auf Dopaminrezeptoren, was Psilocybin so nicht in derselben Weise tut; die Autoren spekulieren, dass solche Effekte zeitlich später im Verlauf auftauchen könnten und eine Veränderung der Surround-Suppression damit kompensieren. Methodisch fällt außerdem auf, dass die Kontrastaufgabe vier Stunden nach Einnahme stattfand, also nach dem absoluten Wirkspitzenfenster – eine Variable, die künftige Studien gezielt mit früheren Testzeitpunkten adressieren könnten.
Für die Praxis bedeutet das: Wer aus Mikrodosis-Effekten auf konkrete neurobiologische „Schalter“ schließen will, muss die passende Messgröße wählen. Die Studie zeigt zwar, dass sehr niedrige LSD-Dosen spürbare subjektive Wahrnehmungsänderungen auslösen können – aber nicht in Form einer stärkeren frühen Kontrast-Unterdrückung. Gleichzeitig bleibt die Tür für Dosisabhängigkeit offen: Höhere LSD-Dosen oder ein anderer zeitlicher Messrahmen könnten Effekte sichtbar machen, die bei 10 bis 20 Mikrogramm nicht auftreten. Damit liefert die Arbeit einen konkreten, testbaren Beitrag zu der größeren Debatte darüber, ob sich veränderte Wahrnehmung über dieselben neuronalen Wege abbildet, oder ob unterschiedliche Psychedelika bei ähnlichen Erlebnisberichten zu unterschiedlichen Mechanismen führen. Die Publikation (Lucca F. Jaeckel et al.) ist unter https: //doi.org/10.1093/nc/niag050 abrufbar.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "LSD-Mikrodosen ändern subjektiv die Wahrnehmung, aber nicht den visuellen Kontrast" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "LSD-Mikrodosen ändern subjektiv die Wahrnehmung, aber nicht den visuellen Kontrast" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »LSD-Mikrodosen ändern subjektiv die Wahrnehmung, aber nicht den visuellen Kontrast« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!