LONDON (IT BOLTWISE) – Starke Quartalszahlen von Amazon und Microsoft geben den Aktienmärkten frischen Rückenwind. Für den DAX werden vor Xetra-Start solide Kursgewinne erwartet und das Allzeithoch rückt näher. In den USA treiben vor allem Tech-Titel die Stimmung, während in Asien sowohl ein Tech-Run in Südkorea als auch schwache Konjunkturdaten aus China für Gegenwind sorgen. Entscheidend bleibt, ob sich die Nachfrage nach Rechenzentrums- und KI-gestützten Geschäftsmodellen im Kursbild fortsetzt.

Der DAX könnte nach dem freundlichen Wochenauftakt wieder in Richtung Rekordmarke ziehen – allerdings mit einem klaren Treiber: Tech. Zum Xetra-Start taxierte der Broker IG den deutschen Leitindex rund 0,5 Prozent höher auf 25.730 Punkte. Als Orientierung dient das Allzeithoch bei 25.900 Punkten. Bereits am Vortag hatte der DAX mit plus 0,6 Prozent bei 25.612 Punkten geschlossen, gestützt durch positive US-Impulse aus dem Nachmittagshandel.
Hinter der Marktlogik steckt dabei weniger ein allgemeines „Risk-on“, sondern konkrete Unternehmensnachrichten. In den USA sorgte vor allem Microsoft für Auftrieb: Die Aktie legte um mehr als 15 Prozent zu und verbuchte damit den größten prozentualen Tagesgewinn seit 18 Jahren. Der Softwarekonzern hatte mit Prognosen für Umsatz und Cloud-Wachstum die Erwartungen übertroffen – ein Signal, dass IT-Budgets und insbesondere Cloud-Ausgaben nach wie vor Belastungstests bestehen.
Am Freitag kommt mit Amazon ein zweiter Schwergewicht-Impuls dazu. Nach US-Börsenschluss überzeugte der Tech-Konzern Investoren mit starken Zahlen und nahm damit zumindest vorerst Sorgen auseinander, ob sich die milliardenschweren Investitionen in neue Rechenzentren auszahlen. Unter dem Strich sprang Amazons Gewinn von rund 18 Milliarden Dollar im Vorjahr auf fast 63 Milliarden. Das ist mehr als der Börsenwert des DAX-Konzerns Rheinmetall – ein Größenvergleich, der zeigt, wie stark der Markt einzelne Plattform- und Cloud-Geschäftsmodelle aktuell gewichtet.
Technisch betrachtet ist dabei weniger die Gewinnspitze allein der Hebel, sondern die Erklärung dahinter. In der Berichterstattung wird insbesondere ein zunehmender KI-Einsatz als Wachstumsmotor genannt: Amazon Web Services (AWS) habe das Wachstum kräftig beschleunigt. Für Anleger heißt das: Wer KI-Workloads über die Cloud bezieht, benötigt Rechenleistung, Infrastruktur und Betrieb – und genau diese Kette versucht Amazon mit seinen Kapazitätsausbauten gerade zu bedienen. Wenn die Nachfrage nach Rechenzentrumskapazität stabil bleibt, wandert die Bewertung häufig von „Kosten für Wachstum“ zu „Wiederkehrender Umsatz aus Plattformnutzung“.
Auch der Blick in andere Märkte passt in dieses Muster. Der Dow Jones schloss 1,2 Prozent höher auf 52.208 Punkte, der S&P 500 stieg um 1,7 Prozent auf 7.437 Zähler und die Nasdaq kletterte um 2,8 Prozent auf 25.122 Punkte. Parallel zeigt sich, wie schnell Stimmung kippen kann: In Asien feiert der südkoreanische Leitindex Kospi zum Wochenschluss sein Comeback nach einem Ausverkauf, aktuell mit rund 15 Prozent im Plus. Der japanische Nikkei legt ebenfalls um mehr als vier Prozent zu – doch genau in Südkorea reagieren viele Marktteilnehmer besonders sensibel, weil dort zahlreiche bedeutende Chiphersteller wie Samsung und SK Hynix notiert sind.
Gleichzeitig bremst China den Enthusiasmus. Schwache Konjunkturdaten trübten dort das Bild: Die Fabrik-Aktivität schrumpfte im Juli unerwartet, unter anderem wegen schwächerer Inlandsnachfrage bei gleichzeitig hohen Produktionskosten. Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) fiel auf ein Fünf-Monats-Tief von 49,2 Punkten. Solche Werte wirken häufig doppelt: Sie schlagen nicht nur auf die Ertragsaussichten der Industrie durch, sondern beeinflussen auch die Erwartungen, wie schnell Unternehmen wieder mehr in Maschinen, Infrastruktur und damit indirekt in Lieferketten investieren.
Für die nächsten Handelstage ergibt sich daraus ein zweigeteiltes Bild, das Anleger vor allem bei Tech und zyklischen Titeln beobachten dürften. In den USA und über die Technologiewerte wird die Hoffnung auf anhaltendes Cloud- und KI-Wachstum sichtbar, während in China die Konjunkturphase weiterhin fragil wirkt – unter anderem mit nur noch 4,3 Prozent Wachstum im zweiten Quartal nach 5 Prozent im ersten Quartal. Für den DAX bedeutet das: Der Weg zur Rekordmarke bei 25.900 Punkten hängt stark davon ab, ob die nach Börsenschluss gelieferten Signale aus dem US-Tech-Sektor im Tagesverlauf Bestätigung finden und ob die europäische Tech-Nachfrage ähnlich durchzieht.
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