FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Deutsche Bank hat einen Anspruch in Höhe von 152 Mio. Euro mit dem früheren Banker Dario Schiraldi beigelegt. Schiraldi hatte behauptet, die Bank habe ihm gegenüber bei einem italienischen Bilanzskandal ungerecht die Verantwortung verschoben. Das Verfahren wurde in der Frankfurter Instanz als zurückgezogen bestätigt, die Parteien einigten sich anschließend auf eine vertrauliche Lösung. Offen bleibt jedoch, wie sich die noch anhängigen Klagen weiterer Ex-Manager auf die Kosten- und Risikobilanz des Instituts auswirken.

Deutsche Bank zieht nach einem langwierigen Rechtsstreit einen weiteren Schlussstrich – zumindest in einem Teilkomplex. Wie aus dem Verfahren hervorgeht, hat die Bank einen Anspruch in Höhe von 152 Mio. Euro mit dem früheren Banker Dario Schiraldi beigelegt. Der Vergleichsstatus bleibt dabei bewusst unscharf: Die Parteien einigten sich auf einen nicht offengelegten Betrag, während einzelne Details zu Ansprüchen und Vorwürfen in einer vertraulichen Vereinbarung aufgelöst wurden. Für den Blick auf das Gesamtrisiko der Bank ist das trotzdem relevant, weil solche Vergleiche häufig nicht nur einzelne Personalkonten betreffen, sondern auch die Musterfrage berühren, wie Verantwortlichkeiten in Altprozessen dokumentiert und verhandelt wurden.
Schiraldi gehörte zu jenen Ex-Beschäftigten, die sich zunächst im Zusammenhang mit den Vorgängen beim italienischen Kreditinstitut Monte dei Paschi di Siena (MPS) juristisch positionierten. Laut Darstellung im Ausgangsverfahren war er einer von sechs ehemaligen Deutsche-Bank-Mitarbeitern, die 2019 in Mailand wegen Beihilfe zu falscher Buchführung und Marktmanipulation verurteilt worden sein sollen. Entscheidend ist aber die spätere Entwicklung: In der zweiten Instanz wurden die Urteile 2022 aufgehoben und die Banker freigesprochen. Genau diese Abfolge erklärt, warum der Konflikt anschließend in eine zivilrechtliche Ebene überging – Schiraldi und andere machten geltend, dass die Art der Bearbeitung durch die Bank ihre beruflichen Karrieren beeinträchtigt habe, während die strafrechtliche Grundlage im Berufungsverfahren entkräftet wurde.
Der Vergleich in Schiraldis Sache wird nun ergänzt durch einen parallel weiterlaufenden Streitkomplex. Deutsche Bank wird den Angaben zufolge in London weiterhin von vier weiteren ehemaligen Managern auf mehr als 3600 Mio. Euro in Anspruch genommen. Zusätzlich heißt es, dass die Bank bereits zuvor mit einem weiteren Ex-Banker eine Einigung erzielt habe, ebenfalls gegen einen nicht genannten Betrag. Damit wird ein typisches Muster sichtbar, das sich in großen Rechtsmandaten wiederholt: Selbst wenn strafrechtliche Vorwürfe im Kern scheitern oder später wegfallen, bleiben zivilrechtliche Schadensersatzforderungen häufig bestehen. Aus Bankensicht geht es dabei praktisch um zwei Dinge – die Vermeidung weiterer Prozesskosten und das Reduzieren von Unsicherheiten, die in eine Risikokalkulation für künftige Quartale hineinwirken können.
Technisch-juristisch lässt sich der Ursprung des Konflikts in den Transaktionen von 2008 verorten: komplexe Derivategeschäfte, die MPS gemeinsam mit mehreren Gegenparteien einging. Deutsche Bank leitete dazu bereits 2013 eine interne Untersuchung ein, die von der Audit-Abteilung beaufsichtigt wurde; damals federführend war Christian Sewing, der später CEO wurde. Entscheidend für die spätere rechtliche Bewertung war, dass italienische Staatsanwälte die These äußerten, die Struktur der Geschäfte sei darauf ausgelegt gewesen, Verluste gegenüber Investoren zu verschleiern. Wie in der Einordnung aus dem Ausgangsbericht deutlich wird, stützten sich diese Vorwürfe auch auf Feststellungen aus der internen Prüfung – ein Konstellationspunkt, der die Brücke zwischen Compliance-Prozessen und Straf-/Zivilverfahren bildet und regelmäßig die Frage nach Governance, Dokumentation und Datenherleitung in den Mittelpunkt rückt.
Aus prozessualer Perspektive zeigt der Fall außerdem, wie eng die Gerichte die konkreten Verfahrensschritte verfolgen. Im Kontext der ersten Verhandlung in Schiraldis Fall war zunächst ein Termin angesetzt; später bestätigte das Frankfurter Gericht, dass die Klage von Schiraldi zurückgezogen wurde. Deutsche Bank betonte anschließend, es sei „im normalen Geschäftsgang“ zu prüfen, ob ein Vergleich Unsicherheiten beseitige und potenzielle Kostenrisiken reduziere. Gleichzeitig argumentiert die Bank, der Vergleich habe „nur eine kleine“ finanzielle Auswirkung auf die nächsten Quartalsergebnisse. Für das Management ist das ein typischer Messaging-Teil: Einerseits will man die ökonomische Tragweite begrenzen, andererseits soll der Eindruck entstehen, dass das Institut juristische Altlasten systematisch bereinigt.
Gleichzeitig bleibt das Bild unvollständig, weil die fortgesetzten Klagen zeigen, dass nicht alle Streitlinien parallel enden. Gerade bei Fällen mit mehreren Betroffenen und über verschiedene Jurisdiktionen hinweg – hier Mailand, Frankfurt und London – entscheidet am Ende häufig nicht nur das Strafurteil, sondern das Zusammenspiel aus zivilrechtlichen Schadenskonzepten, Beweisfragen und Timing der Verhandlungen. Für Unternehmen bedeutet das: Auch eine erfolgreiche Aufarbeitung im Strafrecht kann nicht automatisch die zivilrechtliche Ebene schließen. Praktisch rückt damit die Fähigkeit in den Fokus, interne Untersuchungen so zu dokumentieren, dass sie sowohl Compliance-Zwecken als auch späteren gerichtlichen Anforderungen standhalten – inklusive der Nachvollziehbarkeit, wie Befunde aus Audits in Entscheidungen, Kommunikation und Verteidigungskonzepte einfließen.
Hinzu kommt eine strategische Dimension für die Marktkommunikation. Deutsche Bank steht nach Angaben im Kontext dieser Vorgänge weiterhin „entangled“ in langjährige Rechtsstreitigkeiten, obwohl das Management mehrfach versucht habe, die Angelegenheit umfassend abzuschließen. Der Vergleich mit Schiraldi reduziert zumindest einen nennenswerten Teilposten, kann aber den Blick nicht ersetzen, wo verbleibende Forderungen und deren potenzielles Kostenprofil liegen. Für die nächste Phase wird daher weniger die Frage „Ob“ weiterprozessorisch diskutiert wird als vielmehr „Wie schnell“ sich die verbleibenden Fälle mit den gleichen Grundthemen – Derivatekonstruktionen, interner Audit-Output und behauptete Karrierefolgen – in verhandelte Einigungen überführen lassen.
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