LONDON (IT BOLTWISE) – Die Inflation in Deutschland ist im August erneut gestiegen. Laut der ersten Schätzung des Statistischen Bundesamts lagen die Verbraucherpreise 2,9 Prozent über dem Vorjahreswert. Vor allem gestiegene Energiepreise und ein Sonderfaktor wie Niedrigwasser in deutschen Flüssen erhöhen die Kosten. Für die EZB rückt damit eine weitere Leitzinsanhebung im September in den Fokus.

Deutsche Inflation steigt im August erneut – Energie und Niedrigwasser treiben
Deutsche Inflation steigt im August erneut – Energie und Niedrigwasser treiben (Foto: IT BOLTWISE)
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Die nächste Inflationszahl aus Deutschland ist für die Geldpolitik ein klares Signal: Im August zogen die Verbraucherpreise erneut spürbar an, statt sich wie im Idealfall über die Sommermonate zu beruhigen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Damit liegt die Rate wieder über den Werten von Juli (plus 2,8 Prozent) und Juni (plus 2,3 Prozent) und zeigt, dass sich der Preisauftrieb nicht durchgängig abschwächt.

Der technische Kern der Entwicklung liegt in der Zusammensetzung: Energie war ein entscheidender Treiber. Im August stiegen die Energiepreise um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nach 8,3 Prozent im Juli. Innerhalb des Energieblocks wirkten laut Bericht sowohl die Entwicklung der internationalen Rohstoffpreise als auch politische Spannungen indirekt über die Strom-, Heiz- und Kraftstoffkosten. Besonders deutlich wird der Effekt bei den regionalen Kosten: In Nordrhein-Westfalen kostete Heizöl im August 33,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, während Diesel um 35,6 Prozent und Benzin um 24 Prozent zulegten.

Neben den üblichen Einflusskanälen kommt ein Sonderfaktor hinzu, der in der Statistik schnell in Erscheinung tritt, in der realen Lieferkette aber oft unterschätzt wird. Das Niedrigwasser am Rhein beeinträchtigte die Schifffahrt, und weil Raffinerien häufig per Binnenschiff beliefert werden, erhöhten sich die Transportkosten. Das Statistische Landesamt hob den Zusammenhang für NRW hervor: Von Juli auf August verteuerten sich Kraftstoffe dort um 2,6 Prozent, „auch vor dem Hintergrund des im August herrschenden Niedrigwassers im Rhein“. Für Unternehmen mit großen Einkaufs- oder Logistikanteilen macht genau diese Mischung aus Wetter- und Routenrisiken sichtbar, warum selbst ohne neue Produktionsprobleme kurzfristige Preisimpulse entstehen können.

Auch wenn Energie den Takt vorgibt, ist nicht zu übersehen, dass sich die Preisraten breiter festsetzen. Nahrungsmittel verteuerten sich bundesweit im Schnitt um 0,1 Prozent (nach plus 0,4 Prozent im Juli), während Dienstleistungen wie Versicherungen oder Reisen um 2,8 Prozent zulegten (nach plus 2,9 Prozent im Juli). Besonders relevant für die geldpolitische Beurteilung ist die Kerninflation: Die Preise ohne Nahrungsmittel und Energie legten erneut um 2,4 Prozent zu. Von Juli auf August zogen die Verbraucherpreise insgesamt um 0,2 Prozent an – ein kleinerer Monatsanstieg als die Jahresrate vermuten lässt, aber ein Hinweis darauf, dass die Preisbildung weiterhin durch mehrere Komponenten getragen wird.

Der Blick auf die Euro-Zone zeigt zudem, warum die EZB die Datenlage im September noch einmal neu bewerten könnte. Laut Bericht lag die Inflation in anderen großen Euro-Ländern wie Frankreich und Spanien im August deutlich über dem von der EZB angestrebten Wert von zwei Prozent. In der Folge könnte die Zentralbank ihren Leitzins im September zum zweiten Mal in diesem Jahr anheben – von 2,25 auf 2,50 Prozent. Entscheidend ist dabei der Übergang von der rückblickenden Statistik zur Erwartung künftiger Inflationspfade: In den Protokollen zur Juli-Sitzung hieß es, Entscheidungen seien zwar von der Datenlage abhängig, eine weitere Zinsanhebung dürfe jedoch nötig sein, sofern sich die Inflationsaussichten nicht erheblich verbessern sollten.

Für Unternehmen und Finanzentscheider ist die praktische Frage damit zweigeteilt: Erstens, wie stark sich Energie- und Transportkosten in die eigenen Preis- und Kostenstrukturen übertragen – und zweitens, wie wahrscheinlich sich das Zinsumfeld kurzfristig weiter verengt. Ein Umfeld mit steigender oder hartnäckiger Kerninflation erhöht die Chance, dass Finanzierungskosten und Kalkulationszinsen länger auf einem restriktiven Niveau bleiben. Zugleich macht der Niedrigwasser-Sonderfaktor deutlich, dass Risikoanalysen für Beschaffung und Logistik Wetterextreme und Engpassmechaniken berücksichtigen sollten, weil sie sich in einzelnen Preispositionen schnell in die Konsumentenstatistik „übersetzen“.


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