BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Deutschland hat 2025 deutlich weniger Geld für internationale Klimafinanzierung ausgezahlt als im Jahr zuvor. Aus Haushaltsmitteln wurden 4,7 Milliarden Euro bereitgestellt, nachdem 2024 noch 6,1 Milliarden Euro geflossen waren. Das jährliche Ziel von mindestens 6 Milliarden Euro wurde damit verfehlt, kritisiert wird zudem der Vertrauensverlust ärmerer Länder. Die Bundesregierung setzt derweil stärker auf Hebelungen über KfW-Kredite und private Investitionen.

Im vergangenen Jahr ist Deutschlands Beitrag zur internationalen Klimafinanzierung spürbar zurückgegangen – und das nicht nur im Detail, sondern im Kern der politischen Zielsetzung. Nach Angaben der Bundesregierung stellte das Land 2025 aus Haushaltsmitteln 4,7 Milliarden Euro für Klimaschutz und Anpassung an die Erderwärmung in ärmeren Ländern bereit. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem 6,1 Milliarden Euro veranschlagt waren, entspricht das einer deutlichen Absenkung. Damit reiht sich die Entwicklung in eine breitere Debatte ein: Wie lassen sich Zusagen aus dem Pariser Klimaabkommen verlässlich einhalten, wenn nationale Haushalte unter Druck geraten?
Die Bundesregierung knüpft ihre internationale Klimafinanzierung eng an die Architektur des Pariser Abkommens von 2015. Bis 2025 sollen Industrieländer ärmere Staaten beim Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel mit jährlich 100 Milliarden US-Dollar unterstützen. Den Großen Teil von 85 Prozent stellt dabei laut Mitteilung das Entwicklungsministerium. Ziel ist es, Entwicklungs- und Schwellenländer beim Ausbau erneuerbarer Energien sowie bei der Steigerung der Energieeffizienz zu unterstützen. Auch Projekte, die die Landwirtschaft an häufigere Dürren und Überschwemmungen anpassen sollen, werden aus diesen Mitteln finanziert – also dort, wo Klimafolgen besonders schnell zu Existenzproblemen werden.
Für die Einordnung ist entscheidend, wofür das Geld im Detail verwendet wird. Dem Umweltministerium zufolge sollen die Mittel unter anderem bei der Umstellung auf klimafreundlichere Industrieprozesse helfen, ebenso beim Ausbau erneuerbarer Energien und bei Mobilitätskonzepten. Daneben fließen Mittel auch in internationale Fonds, die sowohl Klima- als auch Umweltschutz sowie die Anpassung an den Klimawandel adressieren. Auffällig ist zudem die Zusammensetzung des deutschen Beitrags: Der deutsche Anteil setzt sich nicht allein aus Haushaltsmitteln zusammen, sondern auch aus mobilisierten Mitteln. Zum Geld aus dem Bundeshaushalt kommen Kredite der Förderbank KfW und ihrer Tochter, der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft, hinzu.
Technisch-ökonomisch geht es bei dieser Mobilisierung im Kern um einen Hebelmechanismus: Kredite der KfW und deren Programmstruktur sollen am Kapitalmarkt private Investitionen anstoßen. Nach Angaben der Ministerien trugen Kredite und Privatinvestitionen zusammen weitere 6,1 Milliarden Euro bei. Die Investitionen zielen vor allem auf den Bau von Infrastruktur für Stromerzeugung – genannt werden in der Mitteilung insbesondere Solar- und Windparks im globalen Süden. Der Anteil öffentlich und privat mobilisierter Investitionen habe demnach einen Höchstwert erreicht. Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) stellt dabei auf die Strategie ab, in Zeiten sinkender öffentlicher Haushalte „zunehmend und erfolgreich auch“ auf Hebelung im Kapitalmarkt sowie private Investitionen zu setzen.
Genau an dieser Stelle setzen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen an. Der WWF warf der Bundesregierung angesichts der Kürzungen „Kurzsichtigkeit“ vor und argumentierte, dass zu geringes Eindämmen der Klimakrise auch andernorts und zuhause zu massiven Folgekosten führe. In einer wörtlichen Reaktion heißt es: „Wer die Klimakrise nicht ausreichend eindämmt – auch durch ausreichende finanzielle Unterstützung – der nimmt auch gewaltige Folgekosten für die Wirtschaft in Kauf – in anderen Ländern ebenso wie bei uns zuhause“. Als aktuelle Beispiele nennt die Organisation „die Hitzetage in diesem Sommer und die niedrigen Pegel der Flüsse“. Die Kritik zielt dabei weniger auf die Grundidee der Hebelung, sondern auf das Gesamtvolumen – und damit auf die Frage, ob die Wirkung der privaten Finanzierung den Rückgang im Kernbudget kompensieren kann.
Auch Oxfam bewertet das verfehlte Finanzierungsziel als Bruch mit zugesagten Erwartungen. Die Entwicklungsorganisation warnt vor einem Vertrauensverlust ärmerer Länder und sieht trotz fortbestehender Geberrolle Deutschlands eine Schwächung der Verlässlichkeit. Der Hintergrund ist dabei politisch: Das Ziel von jährlich mindestens 6 Milliarden Euro wurde laut Mitteilung verfehlt. Für viele Empfängerländer bedeutet das nicht nur eine betriebswirtschaftliche Verzögerung bei einzelnen Projekten, sondern auch Unsicherheiten bei der mittel- und langfristigen Planung etwa für Energieausbau, Netzinfrastruktur oder Anpassungsmaßnahmen in der Landwirtschaft. Wenn Zusagen am Ende einer Förderperiode nicht erreicht werden, werden Auf- und Ausbaupfade häufig neu getaktet – mit Folgen für Kosten und Wirksamkeit.
Branchen- und entwicklungspolitisch lässt sich aus der Zahlenkombination aus Haushaltsmitteln und mobilisierten Investitionen eine konkrete Herausforderung ableiten. Selbst wenn der Anteil der mobilisierten Gelder ansteigt, bleibt die Frage, wie stabil die Basisfinanzierung bleibt und wie planbar die Programme für Partner vor Ort sind. In den kommenden Jahren wird deshalb nicht nur die Höhe der Mittel genauer betrachtet werden, sondern auch, ob die Projektpipeline in erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimaanpassung so gestaltet ist, dass private Kapitalflüsse tatsächlich mit dem Tempo der Bedarfe mithalten. Für Unternehmen, die etwa im Bereich erneuerbarer Energien, Netzinfrastruktur oder Transformationsberatung tätig sind, verschiebt sich damit vor allem das Timing: Förderlogiken, Ausschreibungsfenster und Finanzierungsrisiken hängen in solchen Programmen stärker von der nationalen Haushaltslinie ab, als das auf den ersten Blick vermuten lässt.
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