LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Startup namens DMAT will die Haltbarkeit von Beton messbar erhöhen, indem es eine römisch inspirierte Rezeptur in moderne Mischprozesse überträgt. Laut Unternehmen kann ein Zusatz die Lebensdauer um 50 Prozent steigern und die CO2-Emissionen auf 40 Prozent des Werts herkömmlicher Betone senken. Der Ansatz zielt darauf, Selbstheilung bei feinen Rissen ohne grundlegende Prozessänderungen in der Bauindustrie verfügbar zu machen. Erste Anwendungen finden sich bereits in Infrastrukturprojekten wie einem Autobahnabschnitt in der Schweiz.

Beton ist längst zum Material für Tragwerke, Infrastruktur und Stadterweiterungen geworden – gleichzeitig gilt er als Paradebeispiel für einen Zielkonflikt aus Langlebigkeit und Klimaauswirkung. Genau hier setzt DMAT an: Das Startup überträgt Erkenntnisse aus der Forschung zu römischem Beton auf eine moderne Produktlinie, die in der Baupraxis als Zusatz für Beton und Mörtel integriert werden kann. Die Kernidee lautet, die selbstheilenden Mechanismen nachzubauen, die an langlebigen, jahrhundertealten römischen Strukturen beobachtet wurden, statt auf späteren Austausch oder auf teure Reparatursysteme zu setzen.
Im Zentrum steht dabei die Chemie der Risse: In einer 2023 veröffentlichten Studie, die auch vom Concrete Sustainability Hub unterstützt wurde, haben Forschende um Admir Masic beschrieben, dass sich beim Auftreten von Rissen in antikem römischem Beton Kalzium-reiche Reserven lösen und anschließend wieder verfestigen. Das füllt neue Öffnungen und trägt damit zur Widerstandsfähigkeit bei. DMAT leitet daraus eine gezielte Mischungsstrategie ab: Statt dass der Zuschlag die reaktiven Kalziumbestandteile während der Produktion weitgehend verliert, sollen sie im modernen Material als kalkhaltige „lime clasts“ über den gesamten Mix gezielt erhalten bleiben – so, dass Selbstheilung bei typischen Schadensbildern wie feinen Rissbildungen stattfinden kann.
Die kommerzielle Übersetzung ist dabei nicht nur eine Frage der Rezeptur, sondern auch der Umsetzbarkeit in der Wertschöpfungskette. DMAT verkauft Additive an Entwickler sowie an Hersteller von Beton, damit sie in den Mischprozess einfließen können. Zusätzlich bringt das Unternehmen eine Linie vorgefertigter, abgefüllter Mörtel („ready-mix bagged mortars“) für strukturelle Instandsetzungen in den Handel. In der Praxis bedeutet das: Projektteams können laut CEO Paolo Sabatini den Betonmix anpassen und anschließend Füllstoffe nach der DMAT-Rezeptur bereitstellen; parallel arbeiten sie mit Betonwerken, Ingenieur- und Baupartnern über mehrere Rollen hinweg, statt das Produkt als isoliertes „Material-Upgrade“ zu behandeln.
Für das Skalieren braucht es außerdem Zertifizierungen und die passende Einbindung in europäische Standards. DMAT hat in den ersten Jahren vor allem an der Technologieentwicklung gearbeitet, Kontakte zur Branche aufgebaut und die notwendigen Sicherheits- und Leistungsnachweise in der Europäischen Union adressiert. Der strategische Ansatz wird dabei als „eingebettet“ in die konkrete Betonindustrie beschrieben: Die Entwickler wollen langsamer und projektbezogener vorgehen, um Selbstheilung nachweisbar zu liefern und dabei keine signifikanten Zusatzkosten zu erzeugen. Diese Ausrichtung ist auch deshalb relevant, weil andere Self-Healing-Konzepte häufig mit Bakterien oder Polymeradditiven arbeiten; beides kann in der Produktion teurer werden und erfordert oft mehr Erklärung gegenüber Teams, die mit klassischen Baustoffen vertraut sind.
Entscheidend für die Marktwirkung sind die Effekte, die DMAT in der Kommunikation nennt: Die Lebensdauer der Strukturen soll um 50 Prozent steigen, während die CO2-Emissionen auf 40 Prozent des Niveaus von herkömmlichem Beton sinken könnten. Solche Zahlen sind für Entscheider vor allem dann wertvoll, wenn sie im Alltag über verschiedene Bauteile hinweg konsistent wirken – und genau darauf zielt das Unternehmen mit Tests an unterschiedlichen Betontypen ab. In Europa nutzt DMAT bereits Additive für komplexe Infrastruktur, etwa unterirdische Wassertanks, Leitplanken und Fahrbahnabschnitte. Ein konkretes Beispiel aus der Schweiz ist die Anwendung von DMAT-Betonreparaturmörtel auf der N13-Autobahnachse in den Regionen rund um Graubünden, wo Selbstheilung bei kleinen Rissen und mehr Robustheit im Betrieb adressiert werden.
Technisch betrachtet ist der Ansatz besonders spannend, weil er Self-Healing nicht als exotische Laborchemie verkauft, sondern als Mechanismus, der sich in den normalen Betonprozess einbetten lässt. Das kann die Hürde senken, neue Materialien in bestehende Misch- und Qualitätsprozesse zu integrieren, und es reduziert den Reibungsverlust in Ausschreibungen, in denen Substanzwechsel häufig erst nach intensiven Validierungen genehmigt werden. Für den Markt bedeutet das: Wenn ein Zusatz die Instandhaltungsintervalle verkürzt und zugleich CO2-Ziele unterstützt, verschiebt sich die Diskussion von „Reparatur statt Austausch“ hin zu „Design for Durability“ – also Haltbarkeit als Planungsparameter. DMAT arbeitet außerdem daran, die Produktpalette weiterzuentwickeln und in zusätzliche Märkte zu expandieren; als nächster Schritt wird eine Ausweitung in die USA angekündigt, was vor allem für große Infrastrukturprogramme dort relevant sein dürfte.
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