BERN / LONDON (IT BOLTWISE) – In Deutschland und der Schweiz häufen sich Übergriffe, bei denen Täter gezielt Smartphones, Tablets und Laptops an öffentlichen Orten an sich nehmen. Besonders betroffen sind Situationen an Bushaltestellen, in Unterführungen und in Verkehrsmitteln, wo Opfer teils unter Vorhalt von Waffen zur Herausgabe gezwungen werden. Parallel melden Behörden Einbruchsserien in Wohnungen und Gewerberäumen, in denen hochwertige Elektronik sowie sogar Tresore verschwinden. Die Polizei und Sicherheitsbehörden erhöhen den Fokus auf Prävention, Videoauswertung und Hinweise aus der Bevölkerung.

Eine spürbare Häufung von Übergriffen und Einbrüchen richtet sich derzeit offenbar gegen mobile Endgeräte: Behörden berichten von Fällen, in denen Täter Smartphones, Tablets und Laptops gezielt stehlen oder Betroffene im öffentlichen Raum zur Herausgabe zwingen. Die Vorfälle erstrecken sich über mehrere Bundesländer hinweg und reichen auch in die Schweiz. Damit rückt nicht nur klassische Einbruchsprävention in den Mittelpunkt, sondern auch die physische Sicherheit im Alltag – dort, wo IT-Hardware besonders häufig sichtbar und gleichzeitig schwer zu überwachen ist.
Besonders deutlich wird das Risiko an Orten mit hoher Publikumsdichte: Am frühen Freitagmorgen gegen 00:05 Uhr soll ein 20-Jähriger an einer Bushaltestelle in Trittau (Kreis Stormarn) von zwei maskierten Männern unter Vorhalt einer Waffe zur Herausgabe seines Smartphones gezwungen worden sein. Nur wenige Tage zuvor wurde zudem aus Karlsruhe gemeldet, dass ein 38-Jähriger in einer Unterführung an der Kriegsstraße von hinten zu Boden gestoßen wurde, woraufhin die Täter seine Laptoptasche entwendeten und flüchteten. Solche Muster sind für IT-Sicherheitsteams nicht nur ein Kriminalitätsproblem, sondern auch ein Sicherheitsdesign-Thema: Wenn Geräte beim Tragen oder kurzzeitigem Ablegen erreichbar sind, wird aus „Cyber-Risiko“ sehr schnell ein „Physical-Risk“-Szenario.
Auch in Transport- und Wartebereichen bleibt die Lage laut den geschilderten Meldungen angespannt. In einem ICE soll einem 32-Jährigen eine Aktentasche entwendet worden sein, während er aus dem Fenster blickte; die Tasche enthielt neben Ausweisen einen Laptop, ein Tablet und Kopfhörer. In Halle (Saale) kam es laut Bericht ebenfalls zu einem Diebstahl im Umfeld von Kopfhörern; die Bundespolizei konnte später einen Tatverdächtigen identifizieren und das Diebesgut in einer Wohnung sicherstellen. In Weilerbach (Kreis Kaiserslautern) meldete ein 92-Jähriger den Verlust seines iPads, das bereits am Montag im Wartebereich einer Bankfiliale entwendet worden sein soll – ein Beispiel dafür, wie kurze Zeitfenster reichen, damit aus einem „kurzen Weg“ ein dauerhafter Verlust wird.
Neben der körperlichen Bedrohung rückt damit die Frage in den Vordergrund, wie stark sich der Schaden durch den Schutz der Daten begrenzen lässt. Ein gestohlenes Gerät bedeutet nicht automatisch, dass Konten offenliegen – aber ohne wirksame Schutzmechanismen können Angreifer Passwörter, E-Mail-Zugänge oder personenbezogene Dokumente auslesen und weiter missbrauchen. Praktisch heißt das: Bereits die lokale Gerätesicherung (z. B. starke Entsperr-Schutzmechanismen), die konsequente Aktivierung von Remote-Optionen wie Sperren oder Standortabfragen sowie ein sauberes Konten-Setup mit zusätzlichen Schutzschritten reduzieren das Risiko. In der aktuellen Situation geht es also um mehr als „Gerät weg“ – es geht um digitale Fortführung von Angriffen, sobald ein Täter die Daten oder Zugriffsrechte in die Hand bekommt.
Parallel zu den Übergriffen im öffentlichen Raum melden Polizeidienststellen auch Einbruchsserien in Geschäfts- und Privaträumen, bei denen Elektronik als lohnendes Ziel gilt. Aus Stuttgart-Süd wird berichtet, dass Unbekannte über eine Terrassentür in eine Wohnung eindrangen und mehrere Smartphones sowie ein Tablet entwendeten. Zudem sollen Meldungen aus dem Raum Oldenburg/Edewecht vorliegen: In Oldenburg sollen Täter gewaltsam in Büroräume eingedrungen sein und einen Tresor mit Bargeld entwendet haben; in Edewecht wurden Fenster von Fabrikhallen aufgehebelt. Auch Einbruchsversuche im Umfeld eines Einkaufszentrums werden erwähnt, ebenso wie ein Fall in Laupheim, bei dem ein Bio-Markt zum Ziel geworden sein soll und mehrere maskierte Täter laut Bericht einen mehrere hundert Kilogramm schweren Tresor mit einem Hubwagen abtransportierten.
Für die Schweiz wird als Kontext auf eine Entwicklung verwiesen, die sich bereits im Sommer im Berner Marzilibad abgezeichnet haben soll. Dort sollen – den Angaben nach – Handys und Laptops teils mehrfach täglich verschwunden sein; als Reaktion habe die Kantonspolizei Bern mit Zivilpatrouillen und Hausverboten reagiert. Übergreifend raten Sicherheitsbehörden, Wertsachen und mobile Endgeräte niemals unbeaufsichtigt zu lassen und Geräte im öffentlichen Raum möglichst körpernah zu tragen. In Einrichtungen wird außerdem empfohlen, vorhandene Schließfächer konsequent zu nutzen, während die Ermittlungsbehörden zugleich sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung erbitten, um Täterstrukturen besser einordnen zu können.
Für Unternehmen und IT-Verantwortliche folgt daraus eine klare Priorisierung: Die „Sicherheitskette“ muss sowohl am physischen Zugang als auch am digitalen Zugriff ansetzen. Wenn Geräte im Wartebereich, im Kundengespräch oder im Pausenraum in Reichweite bleiben, steigen die Erfolgschancen für Täter – und damit die Wahrscheinlichkeit, dass gestohlene Endpunkte zu einem Ausgangspunkt für Folgeschäden werden. Auch KI-gestützte Sicherheitsprozesse können dabei helfen, etwa indem Anomalien in Zugriffsmustern schneller erkannt oder Prozesse zur Geräteverwaltung automatisiert werden; entscheidend ist jedoch, dass sie auf belastbaren Basismaßnahmen aufbauen, nicht auf der Annahme, dass „schon nichts passiert“. In einer Phase, in der Sicherheitsvorkehrungen und Zeugenaufrufe laufen, sollten deshalb Sicherheitskonzepte überprüft, Mitarbeitende sensibilisiert und technische Schutzmechanismen konsequent durchgesetzt werden.
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