KARLSRUHE / LONDON (IT BOLTWISE) – In Deutschland fehlen laut GDV bei 41 Prozent der Wohngebäude Versicherungen gegen Elementarschäden. Zugleich nennt der Verband spürbare Schadenswerte: Überschwemmungen und Starkregen liegen im Schnitt bei 4.700 Euro pro Fall. Sturm- und Hagelschäden verursachen im Mittel 2.100 Euro. Das Zusammenspiel aus Versicherung, baulicher Prävention und Wartungsnachweisen wird damit für Eigentümer zum entscheidenden Risikofaktor.

Elementarschutz-Lücke: 41 Prozent der Wohngebäude ohne Versicherungsschutz
Elementarschutz-Lücke: 41 Prozent der Wohngebäude ohne Versicherungsschutz (Foto: IT BOLTWISE)
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Wetterextreme rücken nicht nur in die Schlagzeilen, sondern schlagen auch direkt auf die Kostenstruktur der Immobilienwirtschaft durch. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beziffert die Deckungslücke für Elementarschäden in Deutschland: 41 Prozent der Wohngebäude verfügen demnach über keinen Elementarschutz, während 59 Prozent der Immobilienbesitzer eine entsprechende Elementarschadenversicherung abgeschlossen haben. In der Praxis bedeutet das: Gerade bei häufigen Ereignissen wie Starkregen wird das Risiko für Haushalte ohne Erweiterung nicht abgefedert, selbst wenn der Schaden regional begrenzt bleibt.

Für die Bewertung zählt dabei nicht nur die Frage „ob“ ein Schaden auftritt, sondern „wie teuer“ er ausfällt. Laut GDV verursachen Überschwemmungen und Starkregen im Mittel 4.700 Euro pro Schadensfall; Schäden durch Sturm und Hagel liegen demgegenüber bei durchschnittlich 2.100 Euro. Im Jahr 2025 summierten sich die versicherten Naturgefahrenschäden in Deutschland auf 1,4 Milliarden Euro. Diese Zahlen verdichten eine Entwicklung, die auch das Statistische Bundesamt langfristig beobachtet: Versichert gemeldete Schäden durch Wetterextreme steigen demnach pro Jahrzehnt um rund 15 Prozent. Parallel zeigt eine Forsa-Erhebung, dass 68 Prozent der Bevölkerung sich nach eigenen Angaben unzureichend auf die Folgen extremer Wetterereignisse vorbereitet fühlen.

Technisch und organisatorisch verschiebt sich damit der Fokus von der reinen Police hin zu den Bedingungen, unter denen Versicherungsschutz im Schadensfall tatsächlich greift. Eigentümer müssen bautechnische Präventionsmaßnahmen umsetzen und Wartungsintervalle einhalten, weil Versicherer Leistungen bei Verstößen gegen Obliegenheiten kürzen können. Norbert Hain vom Dachdeckerhandwerk Hessen weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Windsogsicherung bereits seit 2011 verpflichtend ist. Für Flachdächer konkretisiert die DIN 18531 zudem eine halbjärhrliche Inspektion, und auch die automatische Regulierung hängt im Ernstfall von der Windstärke ab: Bei Sturmschäden erfolgt sie in der Regel erst ab Windstärke 8, das entspricht 62 bis 74 Kilometern pro Stunde.

Gerade diese Kopplung aus baulichen Regeln und Schadensparametern erklärt, warum die Risikoabsicherung heute mehrschichtig gedacht wird. Kommunale Strategien setzen deshalb zunehmend auf Infrastrukturmaßnahmen, die Schäden vor dem Versicherungsprozess reduzieren. Ein Beispiel liefert Vellmar: Die Stadt verzeichnete nach einem Unwetter im Juni 2023 Schäden von über 2 Millionen Euro an öffentlichen Einrichtungen, darunter eine Kindertagesstätte und mehrere Sporthallen. Als Gegenmaßnahme setzt die Kommune verstärkt auf mobile Hochwasserschutzsysteme sowie Frühwarnmechanismen, um Wasser schneller zu steuern und Eintrittsrisiken zu begrenzen.

Während kurzfristige Systeme vor allem die Akutphase adressieren, wird parallel in langfristige Wirksamkeit investiert. Wolfhagen setzt über 20 Jahre hinweg auf Maßnahmen an verschiedenen Fließgewässern, darunter Renaturierungen und Retentionsflächen, und investierte insgesamt 2,3 Millionen Euro in den Hochwasserschutz. Noch weiter geht Karlsruhe mit einem genehmigten Großprojekt: Ende Juli 2026 wurde ein Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von 63 Millionen Euro freigegeben, wovon das Land 55 Millionen Euro trägt. Ab Herbst 2026 soll dort ein Hochwasserrückhaltebecken mit einem Stauvolumen von 1,3 Millionen Kubikmetern entstehen, um Schutz gegen 100-jährliche Hochwasserereignisse zu gewährleisten. Solche Projekte sind für die Versicherungsseite relevant, weil sie die Eintrittswahrscheinlichkeit und das Schadensausmaß verschieben, selbst wenn die Restgefährdung nie vollständig verschwindet.

Technologisch verändert sich parallel die Art, wie Kommunen und Eigentümer Risiken erkennen und priorisieren. Eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) vom 5. August 2026 hebt hervor, dass digitale Technologien wie Sensoren, Datenplattformen und digitale Zwillinge Kommunen bei der Starkregenvorsorge unterstützen können. Der Mehrwert liegt dabei weniger in „Big Data“ als in der Verknüpfung: Regenereignisse werden in Echtzeit oder nahe am Echtbetrieb in Modelle eingespeist, daraus entstehen wiederum konkrete Handlungsoptionen für Einsatzplanung, Entwässerung und Objektvorsorge. Im privaten Kontext wächst außerdem die Bereitschaft, technische Maßnahmen mit Energie- und Klimazielen zu kombinieren. Das Projekt „Climate4Roofs“ an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) untersucht etwa die Kopplung aktiver Dachbegrünung mit der Innenraumklimatisierung; dabei werden Einsparungen bei der Kühlennergie von bis zu 53 Prozent in Aussicht gestellt. Ergänzend arbeitet die TU Graz an „FLAPTrack“, einer Photovoltaik-Anlage mit integriertem Sturmschutz und intelligenter Nachführung, die laut Projektbeschreibung durchschnittlich 40 Prozent mehr Strom liefern kann als herkömmlich fixierte Module. Für Eigentümer ist das nicht nur ein Energiesignal, sondern auch eine Form von Risiko-Management: Wer Konstruktionen regelmäßig überwacht und modernisiert, stärkt typischerweise die Robustheit gegen Wetterstress.


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