LONDON (IT BOLTWISE) – Eine gemeinsame Studie von TUM, ETH Zürich und Universität Innsbruck zeigt, wo in der DACH-Region besonders viele Startups entstehen. Für den Zeitraum 2014 bis 2024 wurden dafür Startups erfasst und mit Studien- und Hochschuldaten abgeglichen. Besonders stark stechen ETH Zürich, TUM und die Universität St. Gallen hervor. Die Untersuchung verbindet die Gründungszahlen außerdem mit Job-Effekten und Aussagen zum Timing bis zur ersten Finanzierung.

Wer an einer Hochschule studiert, will nicht nur Wissen mitnehmen, sondern möglichst auch den Schritt in die Selbstständigkeit schaffen. Genau an dieser Schnittstelle setzt die „Entrepreneurial Impact Study 2026“ an: Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM), der ETH Zürich und der Universität Innsbruck untersuchen über einen Zeitraum von zehn Jahren, welchen unternehmerischen Einfluss Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz entfalten. Im Kern geht es um eine konkrete Frage: Welche Einrichtungen übersetzen Forschung, Ideen und Talente besonders häufig in neugegründete Unternehmen?
Die Datengrundlage der Studie umfasst Startups, die zwischen 2014 und 2024 gegründet wurden, und ordnet diese Gründungen den betreffenden Hochschulen zu. Als Quellen dienen unter anderem Daten aus StartupDetector für Deutschland, aus dem Austrian Startup Monitor für Österreich sowie aus Startupticker.ch und Startup.ch für die Schweiz. Ergänzend fließen Unternehmen aus Dealroom und PitchBook ein, damit die Stichprobe über Ländergrenzen hinweg vergleichbar bleibt. Für die Einordnung nach „Größe der Hochschule“ berücksichtigen die Forscher zusätzlich Kennzahlen zu Studierenden, Beschäftigten und Budgets aus den statistischen Bundesämtern.
Bei der reinen Gründungsdynamik konzentriert sich das unternehmerische Geschehen im DACH-Raum auf wenige große Gewinner. Besonders stark schneiden die ETH Zürich, die TUM und die Universität St. Gallen ab: Sie führen sowohl bei der Zahl der zwischen 2014 und 2024 gegründen Startups als auch bei den heute noch aktiven Unternehmen. Die Studie nennt hierfür Top-Werte: Die TU München kommt auf 1.116, die ETH Zürich auf 1.022 und die Universität St. Gallen auf 845 gegründete Startups. Dahinter folgen WHU (712), TU Berlin (679), RWTH Aachen (560), LMU München (520), die Universität Zürich (461), die Humboldt-Universität zu Berlin (427) sowie die EPFL mit 425. Entscheidend ist dabei nicht nur „wie viele“, sondern dass diese Hochschulen ihre Gründungsimpulse offenbar auch in der Folge stabilisieren.
Der Bericht ordnet diese Ergebnisse deshalb auch in einen Arbeitsmarkt-Kontext ein. Die Hochschulen, an denen besonders viele Startups entstehen, fungieren laut Studie gleichzeitig als Beschäftigungsmotoren: Mit Startups aus der TUM, der WHU, der Universität St. Gallen und der ETH Zürich sind jeweils mehr als 20.000 Arbeitsplätze verbunden. Mit rund 25.000 geschaffenen Jobs liegen die TUM und die WHU dabei vorn. Auch branchenbezogen wird es konkret: Unternehmenssoftware gilt als wichtigster Beschäftigungstreiber, hier sind mehr als 30.000 Arbeitsplätze mit den genannten Startups verbunden. Es folgen Transport, Energie und Fintech mit jeweils mehr als 25.000 Arbeitsplätzen; dabei verschieben sich die Schwerpunkte zwischen den Ländern. In Deutschland fällt die höchste Gesamtbeschäftigung auf Unternehmenssoftware und Transport, in der Schweiz besonders auf Fintech und Gesundheit, während in Österreich Unternehmenssoftware und Energie vorn liegen.
Spannend ist außerdem das Timing bis zur Gründung. Laut den Wissenschaftlern gehen viele Gründerinnen und Gründer nicht direkt nach dem Studium in die Selbstständigkeit; im Durchschnitt liegen rund sechs Jahre zwischen Studienabschluss und Gründung. Dennoch zeigt die Auswertung eine deutliche Beschleunigung: 37 Prozent gründen bereits innerhalb von zwei Jahren nach dem Abschluss, wobei Gründerinnen im Schnitt etwa ein Jahr früher starten als Gründer. Besonders schnell wird es bei Absolventinnen und Absolventen technischer und privater Hochschulen: Viele wechseln innerhalb von fünf Jahren in die Selbstständigkeit. Zwischen den DACH-Ländern gibt es zugleich Unterschiede von bis zu 1,8 Jahre; die Studie nennt als mögliche Erklärung, dass strukturelle Rahmenbedingungen den formellen Gründungszeitpunkt beeinflussen können, etwa wenn an der ETH Zürich bestimmte Gesellschaftsgründungen erst nach dem Auslaufen einer hochschulunterstützten Pre-Seed-Finanzierung erfolgen.
Für Gründerteams ist schließlich der Weg von der Idee zum finanzierten Wachstum entscheidend. Die Untersuchung stellt hierzu fest, dass der Finanzierungserfolg stärker von Hochschule und Standort abhängt als die reine Geschwindigkeit bis zur ersten Finanzierungsrunde. Die TUM führt beim insgesamt eingeworbenen Kapital, während die ETH Zürich die meisten finanzierten Startups hervorbringt. Insgesamt ist die Verteilung der Finanzierungen in der DACH-Region ungleich: Mehr als 40 Prozent der finanzierten Startups nehmen weniger als eine Million Euro auf. Nur rund zehn Prozent erreichen Finanzierungsrunden über 20 Millionen Euro. Rund 200 Startups aus der DACH-Region haben laut Studie insgesamt mehr als 50 Millionen Euro erhalten. Beim Tempo bis zur ersten eigenkapitalbasierten Finanzierung dagegen zeigen sich kaum Unterschiede: Im Durchschnitt erfolgt der Schritt rund 1,3 Jahre nach der Gründung.
Damit liefert die „Entrepreneurial Impact Study 2026“ vor allem eines: ein datenbasiertes Raster, um Gründungsökosysteme nicht als Zufall, sondern als wiederkehrendes Muster zu betrachten. Für Hochschulen bedeutet das, dass „Startup-Aktivität“ messbar mit Anschlussfähigkeit und Beschäftigungswirkung verbunden ist, nicht nur mit kurzfristigen Absolventenzahlen. Für Startups und Investoren im DACH-Raum wiederum wird die Studie nützlich, weil sie zeigt, dass sich frühes Engagement zwar beschleunigen kann, die großen Finanzierungssprünge aber deutlich konzentriert sind. Wer deshalb Teams aufbauen oder skalieren will, sollte die lokale Hochschullandschaft als Teil der Pipeline verstehen: als Ort, an dem Ideen entstehen, aber auch als Lern- und Netzwerkumgebung, die später über Finanzierung und Durchhaltefähigkeit mitentscheidet.
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