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INDIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Figma weitet seine Unterstützung für den Model Context Protocol (MCP) aus und nennt 20 neue Partner. Der Figma-Co-Gründer Dylan Field betont jedoch, dass MCP aus seiner Sicht noch nicht ausgereift ist. Er warnt vor einer Debatte, die zu stark „open vs. closed“ verhandelt, während asynchrones bzw. ungleich verteiltes Kontext-Sharing zu wenig Beachtung finde. Gleichzeitig begründet Figma-Chef Will sich zurückhaltend mit Blick auf potenziellen Missbrauch bei stärkerer Offenlegung von Daten.

Figma-Gründer Dylan Field: MCP ist hilfreich, aber kein perfektes Protokoll
Figma-Gründer Dylan Field: MCP ist hilfreich, aber kein perfektes Protokoll (Foto: IT BOLTWISE)
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Figma setzt bei der Anbindung von KI-Agenten auf das Model Context Protocol (MCP) und verschafft dem Open-Source-Standard damit zusätzlichen Rückenwind. Im Rahmen der ersten Config-Konferenz in Indien kündigte das Unternehmen 20 neue MCP-Partner an, darunter Amp, ClickUp, Dia, Junie von JetBrains, Linear, Meta Muse, Mistral, Notion, OpenCode sowie Sarvam Agents. Für Entwickler ist das vor allem deshalb relevant, weil MCP das zentrale Versprechen macht, dass Agenten wiederkehrend auf externe Tools und Datenquellen zugreifen können, ohne jedes Mal bei Null anfangen zu müssen.

Technisch betrachtet adressiert MCP eine Lücke zwischen „Modell versteht Anweisungen“ und „Agent kann mit echten Systemen arbeiten“. Statt nur Text zu generieren, benötigt ein Agent Kontext aus unterschiedlichen Quellen – etwa aus Projektmanagement, Dokumentation oder Wissensdatenbanken – und muss außerdem Aktionen auslösen können, beispielsweise das Auslesen relevanter Inhalte oder das Anstoßen von Workflows. Das Protokoll soll diese Brücke standardisieren: Eine Agenten-Implementierung kennt dann die Art der Interaktion, während konkrete Daten- und Tool-Anbieter über MCP daran andocken. In der Praxis geht es dabei oft um die Frage, wie Requests, Antworten und Metadaten über eine definierte Schnittstelle fließen und wie konsistent der Kontext für die nachgelagerte Modelllogik bereitgestellt wird.

Dass Figma dabei gleichzeitig Vorbehalte formuliert, macht die Lage spannender. Dylan Field, Mitgründer von Figma, sieht MCP zwar als Richtung mit Potenzial, aber „nicht als perfektes Protokoll“. In einer früheren Diskussion hatte er zudem Kritik an dem Rahmen geäußert, der die Debatte stark als „open vs. closed“ aufzieht. Sein Kernpunkt: In dieser Erzählung würden Probleme des asymmetrischen Kontext-Sharing zu wenig adressiert. Gemeint ist damit nicht nur, ob Inhalte verfügbar sind, sondern auch, wer im jeweiligen Setup welche Informationen erhält und wie diese Informationen im Lebenszyklus eines Agenten-Requests tatsächlich sichtbar werden.

Die offene Flanke wird auch an konkreten Beispielen sichtbar, die Field zuvor benannt hat: Kurz vor der Ankündigung der neuen Partner war aus dem Umfeld der MCP-Mitgestaltung Kritik an fehlender Unterstützung für das Open-Source-Tool Pi im Kontext der Figma-Integrationen aufgekommen. Parallel dazu hatte Field in einer Reaktion angedeutet, dass bestimmte Ressourcen, die über MCP erzeugt werden, nicht durchgehend als Artefakte oder Cloud-Ressourcen zugänglich gemacht würden. Für Entscheider in Unternehmen ist das ein Hinweis darauf, wie unterschiedlich „Unterstützung“ in der Praxis ausfallen kann: Eine Integration kann funktional sein, aber dennoch Lücken im Zugriff auf genau jene Outputs haben, die Teams später in Automationen oder Audit-Prozesse überführen wollen.

Figma begründet seine Strategie außerdem mit einem Sicherheits- und Missbrauchsargument. Der CEO macht deutlich, dass das Unternehmen nicht vollständig „open“ gehen will, weil mit zunehmender Datenexponierung über MCP die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Informationen missbraucht werden. Zwar gehen die meisten Nutzer nach Firmenangaben nicht böswillig mit Figma-Daten um, dennoch müsse das Risiko potenzieller Misshandlungen mitgedacht werden. Das ist für die Marktbewegung ein wichtiger Realitätscheck: Standardisierung schafft zwar Kompatibilität, erweitert aber auch die Angriffsfläche, wenn Datenzugriffe fein granuliert und in vielen Zielumgebungen replizierbar werden.

Für den Wettbewerb ist die Timing-Komponente mindestens so relevant wie die Technik. Wenn gleichzeitig so viele Plattformen – von Projektmanagement-Tools bis zu Notion-ähnlichen Wissensumgebungen und Entwickler-Ökosystemen – als MCP-Partner auftauchen, steigt der praktische Nutzwert für Agenten, die mehr als nur eine einzelne Quelle ansteuern sollen. Vergleichbar ist das weniger mit einem einzelnen „Feature“, sondern eher mit dem Effekt eines wachsenden Adapter-Ökosystems: Je mehr Endpunkte ein Standard unterstützt, desto weniger lohnt sich proprietäre Sonderlogik. Gleichzeitig bleibt die Integrationsqualität entscheidend, denn gerade beim Kontext-Sharing unterscheiden sich Implementierungen in Details wie Datenumfang, Zugriffstiefe und der Art, wie Ergebnisse als verwertbare Artefakte zurückfließen.

Für Unternehmen, die MCP bereits evaluieren oder in Agenten-Projekte einsteigen, folgt daraus ein pragmatischer Ansatz: Nicht nur die Existenz einer Integration zählt, sondern die konkreten Daten- und Output-Flüsse. Teams sollten prüfen, wie Kontext an das Modell übergeben wird, welche Rollen- und Berechtigungsgrenzen existieren und ob die über MCP erzeugten Artefakte so dokumentiert und wiederverwendbar sind, dass sie auch in automatisierten Workflows verlässlich nutzbar bleiben. Fields Position, MCP habe „tons of room for improvement“, ist dabei weniger ein Bremsklotz als eine Aufforderung, die Protokollreife an den echten Betriebsfällen zu messen – von der Latenz über die Konsistenz bis zur Governance von Kontextdaten.


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