BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zeigt klare Unterschiede zwischen Studium und Ausbildung. Studierende berichten seltener von Beleidigungen, Beschimpfungen, Mobbing oder körperlichen Übergriffen. In der Ausbildung erreichen Themen wie Unfallverhütung und Gesundheitsschutz zwar sehr hohe Verbreitung, trotzdem fühlen sich weniger Azubis als Studierende stark auf ein sicheres Berufsleben vorbereitet. Für Betriebe und Bildungseinrichtungen entsteht damit ein doppelter Handlungsdruck: Prävention gegen Gewalt ebenso wie konsequenter Schutz im Alltag.

In der Berufsausbildung wird Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz zwar sehr viel häufiger aktiv thematisiert als im Studium, dennoch berichten Auszubildende deutlich öfter von Konflikten und Übergriffen. Das geht aus einer Forsa-Umfrage hervor, die im Auftrag der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung erhoben wurde. Besonders auffällig ist die Differenz bei verbalen Grenzverletzungen: Während 23 Prozent der Studierenden nach eigenen Angaben bereits Beleidigung und Beschimpfung erlebt oder beobachtet haben, liegt dieser Anteil bei Azubis mit 42 Prozent deutlich höher.
Damit rückt die Frage in den Fokus, wie sich Gewalt in der Frühphase der Erwerbstätigkeit anders manifestiert als in Hochschulen. Die Erhebung nennt außerdem Mobbing und längeres Ausgegrenzt-Werden als Erfahrungskategorien: 12 Prozent der Nachwuchskräfte an Hochschulen berichten davon aus eigener Erfahrung oder Beobachtung, bei Auszubildenden sind es 28 Prozent. Auch bei körperlichen Übergriffen zeigt sich ein Trend: 14 Prozent der Auszubildenden haben Gewalt oder körperliche Übergriffe erlebt oder beobachtet, gegenüber nur 3 Prozent der Studierenden.
Dass solche Unterschiede nicht automatisch mit einer generell höheren Sensibilisierung für Risiken verwechselt werden dürfen, zeigt ein zweiter Teil der Umfrage. Unter den Auszubildenden haben 91 Prozent während ihrer Ausbildung bereits etwas über Unfallverhütung und Gesundheitsschutz erfahren. Bei Studierenden liegt dieser Wert dagegen bei 53 Prozent. Entsprechend wirkt die Ausbildung in der Wissensvermittlung stärker, wenn es um konkrete Inhalte geht, etwa wie man Unfälle vermeidet, Gefahren am Arbeitsplatz erkennt oder sich bei einem Brand richtig verhält.
Praktisch heißt das: In der Ausbildung lernen junge Menschen nicht nur theoretische Sicherheitsprinzipien, sondern auch den Umgang mit Arbeitsmitteln und Schutzkleidung sowie ergonomisches Arbeiten. Diese Inhalte sind in vielen Ausbildungsrahmenplänen verankert und werden von Betrieben, Bildungseinrichtungen und Trägern der Unfallversicherung begleitend unterstützt. Berufsgenossenschaften und Unfallkassen stellen dabei Materialien und Beratungsangebote bereit, um Sicherheit und Gesundheit von Anfang an in Ausbildung und Studium zu integrieren, statt die Verantwortung erst im Arbeitsalltag zu verlagern.
Die Umfrage zeichnet jedoch auch ein Stimmungsbild, das über Kennzahlen zu Risiken hinausgeht. 72 Prozent der Azubis fühlen sich durch ihre Ausbildung gut oder sehr gut auf ein sicheres und gesundes Berufsleben vorbereitet. Bei den Studierenden sind es 40 Prozent. Zugleich bleibt der Umstand bestehen, dass parallel zu dieser vergleichsweise hohen Präventionsvermittlung von einem größeren Anteil an Übergriffen berichtet wird. Für Unternehmen und Ausbildungsbetriebe ist das ein Hinweis darauf, dass reine Wissensvermittlung nicht automatisch eine sichere Interaktionskultur garantiert.
Aus Markt- und Organisationssicht ergibt sich daraus ein klarer Praxisauftrag: Präventionsprogramme müssen sowohl die technische Seite (Unfallverhütung, Schutzsysteme, Unterweisung) als auch die soziale Seite (Mobbingprävention, Umgang mit verbaler Eskalation, Meldewege) stärker verzahnen. Gerade weil Ausbildung formal strukturierter abläuft als viele Studienabschnitte, lassen sich Maßnahmen wie regelmäßige Schulungen zum Umgang mit Konflikten, geschützte Beschwerdekanäle oder verbindliche Verhaltensstandards im Team oft schneller standardisieren. Die Zahlen legen nahe, dass solche Bausteine in der Praxis nicht nur bekannt, sondern erlebbar sein müssen.
Für Bildungseinrichtungen und Träger der Unfallversicherung ist die nächste Entwicklungsstufe damit weniger eine Frage des „Ob“, sondern des „Wie“. Wenn 42 Prozent der Azubis bereits Beleidigung und Beschimpfung erlebt oder beobachtet haben, reicht es nicht, nur Schutzkleidung und ergonomische Arbeitsweisen zu vermitteln. Notwendig sind auch Trainings- und Betreuungsformate, die Machtgefälle in Ausbildungsumgebungen adressieren und klare Konsequenzen bei Grenzverletzungen sichtbar machen. Die Umfrage liefert damit ein quantitatives Signal: Sicherheit am Arbeitsplatz beginnt nicht erst beim Unfall, sondern schon dort, wo Respekt und Professionalität im Alltag verhandelt werden.
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