LONDON (IT BOLTWISE) – Am 11. Oktober wird der International Day of the Girl begangen, und zugleich erinnert das Datum an Meilensteine von Frauen in der Raumfahrt. Vor 42 Jahren wurde Kathryn D. Sullivan zur ersten US-Amerikanerin, die einen Raumspaziergang durchführte. Der Weg dorthin zeigt, wie stark Zugang, Training und Rollenbilder über Jahrzehnte ungleich verteilt waren. Heute liegt der Frauenanteil in der Astronautik laut Quelle bei 15 Prozent und die Rekorde nähern sich spürbar an.

Frauen im All: Von ersten Raumspaziergängen bis zur neuen Normalität auf der ISS
Frauen im All: Von ersten Raumspaziergängen bis zur neuen Normalität auf der ISS (Foto: IT BOLTWISE)
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Der 11. Oktober ist mehr als ein Gedenktag: Er verbindet eine gesellschaftliche Botschaft mit einem sehr konkreten technischen Moment in der Raumfahrtgeschichte. Genau an diesem Datum vor 42 Jahren trat Kathryn D. Sullivan bei einem Spacewalk aus dem Space Shuttle in ihren Raumanzug. Dass Sullivan dabei als erste amerikanische Frau „draußen“ war, wirkt im Rückblick wie ein Einzelschicksal. In der Darstellung der Quelle wird jedoch klar, dass es sich eher um das Ergebnis einer langen Hürde handelt: Nicht einzelne Leistungsgrenzen haben Frauen gebremst, sondern der Zugang zu Ausbildung, die Möglichkeit, in Crew-Entscheidungen zu gelangen, und ein über Jahrzehnte dominantes Rollenbild.

Technisch betrachtet ist ein Spacewalk kein „Bonus“, den man einfach mitnimmt. Ein Raumspaziergang im Anzug setzt eine Kombination aus Training im neutralen Auftrieb (Neutral Buoyancy), Prozedurdisziplin, koordinierter Handhabung von Werkzeugen sowie belastbarer Atem- und Temperaturkontrolle im geschlossenen System voraus. Die Quelle ordnet diese Realität zeitlich ein: Während in den ersten rund zwei Jahrzehnten des bemannten Raumflugs insgesamt 102 bis 104 Personen ins All gingen, blieb Tereschkova über den gesamten Zeitraum die einzige Frau unter ihnen. Das erklärt auch den Kernpunkt der historischen Ungleichheit: Wenn Frauen in der frühen Phase nur selten rekrutiert werden und vor allem militärisch geprägte Pilotrollen die Pipeline dominieren, entsteht in Crew- und Missionslogik automatisch eine Schieflage.

Besonders anschaulich wird der Unterschied zwischen „orbitfähig“ und „außenbordfähig“, also zwischen dem Leben im Raum und dem Arbeiten außerhalb eines Fahrzeugs. Die Quelle nennt als Kontrast: Der erste Mann für einen Spacewalk, Alexei Leonov, startete im März 1965, während Sullivan ihren Außenbordeinsatz am 11. Oktober hatte. Auch drei Monate zuvor hatte bereits Savitskaya denselben Schritt getan, aber für knapp zwei Jahrzehnte waren Raumspaziergänge im Raumanzug laut Quelle eine Option, die Männern deutlich häufiger offenstand. Dass Sullivan selbst nicht als „klassische Raumfahrtspur“ begann, passt in dieses Bild: Sie wurde 1951 geboren, studierte Erd- und später Ozeanwissenschaften, promovierte 1978 und erst über den Umweg der NASA-Rekrutierung für das Space-Shuttle-Programm kam sie in den Astronautenkader. Ihr Weg zeigt damit, wie stark die frühe Zulassung von Frauen von organisatorischen Entscheidungen abhing.

Ein Beispiel für die praktische Passung liefert die Quelle mit dem STS-41-G-Missionstermin im Oktober 1984. Sullivan war zu diesem Zeitpunkt bereits durch Mess- und Testaufgaben für eine ganze Palette technischer Systeme profiliert, darunter das Testen eines High-Altitude Anti-G Suit sowie Beiträge zu Forschungsmissionen. Der Auftrag der Mission selbst wird ebenfalls konkret beschrieben: ERBS sollte in den Orbit, um das Gleichgewicht von Strahlungs- und Energieabsorption der Erde zu untersuchen, während während des Fluges Radare und Kameras erprobt und oceanografische Untersuchungen im Auftrag der U.S. Navy durchgeführt wurden. Hinzu kommt ein experimenteller Aspekt zur Telemetrie- und Beobachtungstechnologie: Das Shuttle wurde von der Erde aus mit dem sowjetischen „Terra-3“-Laser-Radar verfolgt. Sullivans Spacewalk dauerte drei Stunden, bevor sie später Lehrtätigkeiten aufnahm und weitere Spaceflights absolvierte, bevor sie in den militärischen Dienst wechselte und anschließend als Under Secretary of Commerce für Oceans and Atmosphere berufen wurde.

Während diese frühen Kapitel noch stark von Ausnahmen und Einmalrekrutierungen geprägt waren, beschreibt die Quelle danach einen messbaren Strukturwandel. Ende 1991 waren 261 Menschen ins All geflogen, aber nur 17 davon Frauen; das entspricht 6,5 Prozent und macht deutlich, dass selbst eine Verdopplung von Anteilen nichts an einer weiterhin männlich dominierten Gesamtarchitektur ändert. Bis 2001 steigt der Frauenanteil auf 37 von 406 Reisenden (9,1 Prozent), und heute beziffert die Quelle Frauen auf 15 Prozent der Astronauten: 112 von 746 nach 65 Jahren bemannter Raumfahrt. Entscheidend ist außerdem die Verschiebung in der Betriebsrealität: Langzeitmissionen und damit auch die im Alltag entscheidende Zeit im Orbit verlagerten sich. Susan Helms wird als erste Frau genannt, die an einer Langzeitexpedition zur ISS teilnahm, und Peggy Whitson hält mit 695 Tagen auf fünf Flügen sogar den Rekord für die bisher höchste Gesamtzeit im All unter Frauen. Die Quelle stellt zugleich eine datenbasierte Annäherung her, indem sie den Männerrekord mit 1.110 Tagen über fünf Flüge durch Oleg Kononenko gegenüberstellt.

Auch die qualitativen „Außenpunkte“ haben sich erweitert: Christina Koch und Jessica Meir führten 2019 den ersten Spacewalk durch, der von zwei Frauen gemeinsam absolviert wurde, mit einer Dauer von 7 Stunden und 17 Minuten. Eileen Collins wird als erste Frau genannt, die 1999 ein Raumfahrzeug kommandierte, und die Quelle verknüpft das mit dem wissenschaftlichen Betrieb, etwa mit der Einbringung des Chandra X-ray Observatoriums über den Shuttle. Für den Ausblick nimmt die Quelle Artemis II als nächsten historischen Schritt auf und nennt 2026 die erste Frau, die den Mond umkreisen wird. Das ist nicht nur ein Symbol: Wenn mehr Frauen nicht nur teilnehmen, sondern auch in Führungsrollen und in Langzeitprofilen sichtbar sind, verschiebt sich die technische Kultur – etwa in Prozeduren, in Trainingsplanung und in der tatsächlichen Datenlage darüber, wie Teams unter Extrembedingungen funktionieren.

Für die Perspektive „von der Erde aus“ bleibt in der Schlussargumentation der Quelle ein praktischer Ton: Die Raumfahrtbranche braucht Tausende Rollen, die nicht zwingend mit einem Starttag verbunden sind. Dazu zählen Entwicklung, Aufbau, Test und Betrieb von Systemen, aber auch Software – die Quelle erinnert an Margaret Hamilton, die Software für Apollo schrieb. Der Kern der Forderung an Mädchen wirkt damit weniger wie ein abstraktes Motivationsplakat, sondern eher wie eine Designfrage an die Zukunft: Wenn Ausbildung, Zugang und Rekrutierung so gestaltet werden, dass Talente nicht an stereotypen Annahmen scheitern, verbessert sich nicht nur die Repräsentation, sondern auch die Robustheit von Teams und Entscheidungen. Genau darin liegt die eigentliche Nachricht hinter Sullivans Spacewalk: Raumfahrt ist eine Hochrisiko-Disziplin, und Hochrisiko-Disziplinen gewinnen durch Vielfalt in Qualifikation, Perspektive und Erfahrung.


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