LONDON (IT BOLTWISE) – Galeria hat Berater Manuel Farrokh mit sofortiger Wirkung zum Chief Transformation Officer ernannt. Die neue Rolle soll die Neuausrichtung des angeschlagenen Warenhauskonzerns vorantreiben, ohne dabei Teil der restlichen Geschäftsführung zu sein. Damit setzt der Konzern auf externe Branchenerfahrung aus mehreren Mode- und Retail-Marken. Entscheidend bleibt, wie schnell Prozesse, Sortiment und Filialstrategie in eine stabile Ergebnislogik überführt werden.

Der nächste Turnaround-Impuls bei Galeria kommt aus der Beratung: Der Warenhauskonzern hat Manuel Farrokh mit sofortiger Wirkung zum Chief Transformation Officer (CTO) bestellt. Wichtig ist dabei der Zuschnitt der Verantwortung. Anders als bei klassischen Konstellationen als Vollmitglied der Geschäftsführung ist Farrokh als CTO zwar Teil der Führungsebene, berichtet aber explizit nicht als Bestandteil der restlichen Geschäftsführung. Für die Organisation bedeutet das: Die Transformation erhält eine klar sichtbare „Eigenrolle“, muss aber zugleich mit der operativen Linie abgestimmt werden, damit aus einem Programm nicht nur ein Berichtsthema wird.
Für die Einordnung lohnt ein Blick auf das, was der Konzern selbst an Branchenerfahrung als Referenz aufruft. Farrokh war unter anderem bei P&C, Marc Cain, Biba und Dielmann tätig – also in unterschiedlichen Segmenten entlang der Retail-Wertschöpfung von Handelsflächen bis hin zu Marken mit eigener Produktlogik. Gerade in Warenhausstrukturen ist diese Mischung relevant, weil die Leistungshebel selten nur in „mehr Marketing“ oder „besseren Rabatten“ liegen. Stattdessen müssen Vertrieb, Einkaufssteuerung und Filialbetrieb in ein gemeinsames Zielsystem zurückgeführt werden: Welche Warengruppen liefern Frequenz, welche sichern Marge, und wie verändern sich Bestände, wenn die Frequenzmuster saisonaler und fragmentierter werden?
Technisch im Sinne von Umsetzung heißt „Transformation“ in Retail-Unternehmen vor allem, dass Entscheidungen messbar und wiederholbar werden. Ein Chief Transformation Officer muss dazu typischerweise Schnittstellen zwischen Kategorienmanagement, Logistik, Forecasting und Filialprozessen neu verdrahten. Bei Warenhäusern verschärft sich das Problem, weil die Komplexität aus vielen kleinen Lieferketten, langen Absatzzyklen und einer starken Abhängigkeit von planbarer Nachfrage entsteht. In der Praxis entscheidet sich die Qualität der Neuausrichtung oft an relativ nüchternen KPIs wie Bestandsreichweite, Abverkaufsquote nach Preisstufen oder Service- und Lieferperformance je Standort. Wenn diese Kennzahlen nicht sauber in einen Entscheidungsprozess übersetzt werden, bleibt die Transformation ein organisatorisches Etikett.
Der Zeitpunkt der Bestellung spielt ebenfalls in den Marktkontext hinein: Berichte über die Personalmaßnahme kursierten bereits seit Tagen, nun wurde sie offiziell kommuniziert. Solche Ankündigungsfenster zeigen, dass intern bereits konkrete Handlungsstränge vorbereitet gewesen sein dürften – etwa für die nächste Planungsrunde, die Filialsteuerung oder die Überarbeitung von Sortimentslogiken. Gleichzeitig ist eine Personalrolle dieser Art nie allein „Besetzung“, sondern auch ein Signal an Lieferanten, Betriebsräte und Managementebenen: Wer Transformation übernimmt, definiert auch, wie schnell und mit welcher Priorität Konflikte aufgelöst werden sollen. Galeria wird damit besonders unter Beobachtung stehen, wie konsequent der Konzern interne Verantwortlichkeiten in einer Phase stabilisiert, in der externe Partner und Standorte gleichermaßen auf klare Linien angewiesen sind.
Aus historischer Perspektive haben Warenhaus-Transformationsprogramme häufig an denselben Engpässen gehakt: zu späte Anpassung der Sortimente an veränderte Kundengewohnheiten, zu geringe Geschwindigkeit in der Bestandsbereinigung und zu wenig Disziplin im Preis- und Promotionssystem. In den letzten Jahren kamen zusätzlich systemische Faktoren hinzu, etwa die Konkurrenz durch Online-Handel und spezialisierte Händler, die Sortimentstiefe mit datenbasierten Kampagnen kombinieren. Eine CTO-Rolle kann genau dort ansetzen, indem sie Transformation nicht nur als Projektkatalog versteht, sondern als „Betriebsmodell“: Regelkreise, in denen Ergebnisse aus der Fläche in die nächste Einkaufs- und Planungsentscheidung zurückfließen. Für KI-gestützte Optimierung – etwa bei Bedarfsvorhersagen oder Preisempfehlungen – gilt dabei: Sie ist nur dann wirksam, wenn Datenqualität, Prozessverantwortung und Akzeptanz bei den Nutzern zusammenpassen. Technisch betrachtet ist das selten ein Modellproblem, sondern ein Implementierungs- und Governance-Thema.
Für Unternehmen und IT-Organisationen, die solche Programme begleiten, ergibt sich daraus eine handfeste Agenda. Erstens müssen Reporting und Steuerung so aufgebaut werden, dass Farrokhs Transformationsteam nicht im „PowerPoint-Zyklus“ stecken bleibt, sondern Entscheidungen über Abverkauf, Nachlieferung und Sortiment direkt beeinflussen kann. Zweitens braucht es klare Verantwortlichkeiten zwischen zentralen Funktionen und Filialleitung, damit Maßnahmen nicht in unterschiedlichen Interpretationen zerfasern. Drittens sollte der Konzern früh zeigen, wie er Lernschleifen organisiert: Welche Annahmen aus Pilotfilialen werden skaliert, welche werden verworfen, und wie schnell wird nachjustiert, wenn sich Nachfrage oder Lieferperformance ändern. Der Kerngedanke bleibt: Transformation darf nicht nur angeordnet werden, sie muss im Alltag funktionieren – und genau daran wird sich in den nächsten Monaten entscheiden, ob der neue Chief Transformation Officer die Neuausrichtung in eine belastbare Ergebnislogik überführt.
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