LONDON (IT BOLTWISE) – Gartner erwartet für 2026 weltweite KI-Ausgaben von 2,670 Billionen US-Dollar. Besonders stark wächst der Infrastrukturblock: KI-optimierte Server, Rechenzentrumsdienste, Netzwerkkomponenten und Beschleuniger sollen rund 1,484 Billionen US-Dollar erreichen. Das entspricht einer Größenordnung nahe an den globalen Militärbudgets, wie ein Vergleich mit SIPRI verdeutlicht. Der Ausbau betrifft dabei vor allem Hyperscaler und Cloud-Anbieter, während selbst steigende Speicherpreise an der Nachfrage bislang wenig ändern.

Die Zahlen wirken fast wie eine Marketingformel, aber sie haben einen sehr konkreten Ursprung: Gartner prognostiziert, dass der KI-Ausbau 2026 auf weltweit 2,670 Billionen US-Dollar zuläuft. Das ist gegenüber 2025 mit 1,787 Billionen US-Dollar nicht nur ein Wachstum, sondern in zwei Jahren faktisch eine Verdopplung der Marktgröße. Hinter dieser Entwicklung steht nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmens nicht in erster Linie ein einzelnes KI-Modell, sondern die infrastrukturelle Grundlage, auf der Training und Inferenz überhaupt erst dauerhaft funktionieren: Rechenzentren, Serverflotten, Netzwerktechnik und die passenden Beschleuniger. Genau deshalb wird der Infrastrukturanteil so prominent herausgestellt.
Der größte Posten sind laut Gartner die Ausgaben für Infrastruktur rund um KI. Dazu zählt das Unternehmen explizit KI-optimierte Server, Rechenzentrumsdienste, Netzwerkkomponenten, KI-Beschleuniger sowie die entsprechenden Endgeräte. Für 2026 veranschlagt Gartner hierfür rund 1,484 Billionen US-Dollar, also knapp 56 Prozent der gesamten KI-Ausgaben. 2027 soll dieser Bereich auf 1,978 Billionen US-Dollar wachsen. In der Praxis heißt das: Wer KI im großen Stil bereitstellen will, muss nicht nur Rechenleistung beschaffen, sondern auch die „Zulieferkette“ für Kapazität in den Rechenzentren ausbauen, inklusive der dafür benötigten Systemintegration zwischen Hardware, Netzwerk und Betrieb im laufenden Betrieb.
Für die Einordnung hilft ein Blick darauf, wie Gartner den Ausbau bewertet: Der Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten für KI bezeichnet ein Analyst von Gartner als das größte Infrastrukturprojekt, das die Menschheit je unternommen habe. Auffällig ist daran weniger der Pathos, sondern die Begründung. Gartner verweist darauf, dass Hyperscaler und Cloud-Anbieter weiterhin große Mengen KI-optimierter Server beschaffen würden. Damit wird ein Muster sichtbar, das man aus früheren Plattformwellen kennt, etwa aus der Cloud-Migration, nur mit deutlich strengerer Ressourcenbindung: KI-Workloads verschieben den Engpass typischerweise vom Speicher- oder Netzwerkbereich hin zur kombinierten Frage aus Rechenleistung, Datenpfad und Strom-/Kühlkapazität. Selbst steigende Speicherpreise ändern der Einschätzung zufolge an der Nachfrage bislang wenig, weil der Bedarf an insgesamt nutzbarer Kapazität den Kostenpeak bei einzelnen Komponenten oft überlagert.
Besonders eindrücklich wird die Dimension über Vergleiche, die Gartner mit Hilfe externer Referenzwerte plausibilisiert. Das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) beziffert die weltweiten Militärhaushalte für 2025 auf 2,887 Billionen US-Dollar. Die für 2026 erwarteten KI-Ausgaben liegen mit 2,670 Billionen US-Dollar damit bereits bei rund 92,5 Prozent dieser Summe. Noch anschaulicher wird es, wenn man auf Volkswirtschaften schaut: Die KI-Ausgaben 2026 übersteigen laut den genannten Daten die gesamte Wirtschaftsleistung Italiens von 2025 mit rund 2,55 Billionen US-Dollar. Außerdem erreichen sie mehr als die Hälfte des deutschen Bruttoinlandsprodukts mit rund 5,05 Billionen US-Dollar. Solche Gegenüberstellungen machen deutlich, dass es sich um einen breiteren Investitionszyklus handelt, der in mehreren Sektoren wirkt.
Auch die Dynamik der Folgebewertung stützt den Eindruck eines anhaltenden Investitionsbooms. Für 2027 rechnet Gartner bereits mit 3,637 Billionen US-Dollar weltweiten KI-Ausgaben. Gegenüber 2026 entspricht das einem weiteren Anstieg um rund 36 Prozent. Verglichen mit 2025 wäre der Markt innerhalb von zwei Jahren um mehr als 100 Prozent gewachsen. Neben der Infrastruktur nennt Gartner für 2026 außerdem andere Kostenblöcke: rund 576 Milliarden US-Dollar in KI-Dienstleistungen und knapp 462 Milliarden US-Dollar in KI-Software. Für KI-Cybersecurity veranschlagt das Unternehmen rund 51 Milliarden US-Dollar. Zusammengenommen entsteht damit ein Bild, in dem KI nicht nur „Modellkosten“ verursacht, sondern als laufender Betriebs- und Sicherheitsbetrieb in die Unternehmens- und Branchenbudgets rückt.
Für Unternehmen folgt daraus vor allem eine Planungsfrage: Wie werden KI-Workloads so priorisiert, dass sie in den nächsten Quartalen die vorhandene Rechenzentrums- und Netzwerkbandbreite effizient nutzen? Wenn der Infrastrukturblock so dominant bleibt, verschiebt sich der Wettbewerb zwischen Anbietern häufig in Richtung Skalierbarkeit, Lieferfähigkeit und Betriebskonzepte. KI-getriebene Projekte brauchen dabei nicht nur GPUs oder Beschleuniger, sondern auch passende Software-Stacks für Orchestrierung, Observability und ein Ressourcenmanagement, das Auslastungsspitzen abfedert. Gleichzeitig wird der Kauf- und Ausbauzyklus von Hyperscalern indirekt auch für Unternehmen relevant, die nicht selbst Rechenzentren betreiben: Sie bekommen die Kapazitätslage in Form von Verfügbarkeiten, Preislogik und Service-Leveln mit. Genau das macht das Gartner-Szenario strategisch: Der Engpass entscheidet, ob KI als beschleunigter Produktivitätshebel genutzt werden kann oder ob sie in Pilotphasen stecken bleibt.
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