MIDTOWN MANHATTAN / LONDON (IT BOLTWISE) – Beim „Institutional Investor & Private Equity Forum“ in Midtown Manhattan stellten Investmentchefs die Lage der US-Kapitalmärkte im Kontext kommender Zinsentscheidungen in den Mittelpunkt. Katie Keenan von Blackstone argumentierte, der Markt profitiere von einer Neubewertung der Asset-Werte, wachsenden Cashflows und einem im Vergleich zu früher knappen Angebot. Außerdem betonte sie, dass Nachfrageimpulse zunehmend aus Digitalisierung, E-Commerce und KI-gestützten Workloads entstehen. Andere Podiumsteilnehmer ordneten zugleich ein, dass die Hochphase niedriger Kapitalkosten aus den 2010er-Jahren nicht einfach zurückkommt.

Die Stimmung im US-Gewerbeimmobilienmarkt kippt gerade spürbar von „Schockbewältigung“ zu „Chancen-Nutzung“ – zumindest so lässt sich das Bild vom „Institutional Investor & Private Equity Forum“ deuten, das am 16. September in Midtown Manhattan stattfand. Kurz vor der erwarteten ersten kurzfristigen Zinserhöhung der Federal Reserve seit drei Jahren wurde in den Vorträgen deutlich, wie stark Investoren ihre Argumentation an die zwei Hebel knüpfen: erstens die Kapitalverfügbarkeit über die Fremdkapitalmärkte, zweitens die Frage, ob sich aus dieser neuen Preislogik belastbare Cashflows ableiten lassen. Damit rückt weniger die reine Diskussion um künftige Cap Rates in den Vordergrund, sondern die praktische Umsetzung – also welche Assets sich unter höheren Zinsniveaus tatsächlich tragen.
Im Auftaktgespräch legte Katie Keenan von Blackstone ihren Fokus auf das Zusammenspiel aus Angebot und Nachfrage: Der Markt biete ein „überzeugendes Umfeld“, weil sich Asset-Werte derzeit neu kalibrierten, Cashflows gleichzeitig wachsen könnten und das Angebot über Jahre hinweg in mehreren Nutzungsarten knapp geblieben sei. Besonders nannte sie Multifamily und Einzelhandel; außerdem verwies sie auf die Nachfrage, die durch Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und E-Commerce anzieht. Entscheidend war dabei auch die Portfolio-Logik: Von den rund 90 Prozent des Core-Plus-Portfolios, die bei Blackstone laut ihren Angaben auf Logistik, Rechenzentren und Mehrfamilienhäuser entfallen, sollen genau diese Segmente von der konservativen Core-Plus-Ausrichtung profitieren. Genau hier setzt die technische Realität der Branche an: Logistik- und Rechenzentrumsstandorte hängen zwar ebenfalls von Konjunkturzyklen ab, werden aber über Mietvertragsstrukturen, Betreiber-Margen und Kapazitätsbedarfe oft anders getaktet als klassisches Bürovermögen.
Keenan betonte außerdem, dass die Fremdkapitalmärkten sich nach ihrer Einschätzung „so gesund wie lange nicht“ präsentierten. Gemeint war ein Mix aus leicht verfügbarer Liquidität und Preisen, die im Vergleich zur Situation in den Jahren 2022 und 2023 als angemessen gelten. In der Argumentation klang zudem eine klar unterscheidbare Mechanik an: Wenn Nachfrage steigt und gleichzeitig ein stagnierendes oder rückläufiges Angebot aufeinandertrifft, wirken sich das auf Cashflow und Wachstum unmittelbar aus. Sie stellte klar, dass es nicht vorrangig um Cap-Rate-Kompression gehe, sondern um den Einkauf „guter Assets“, die sich über die Zeit verzinsen und einen erheblichen Teil der Rendite „auf dem Weg“ liefern können – ein Satz, der in Private-Equity- und Core-Strategien oft die Brücke zwischen Bewertungslogik und operativer Umsetzung schlägt. Als konkretes Beispiel führte Keenan die 15-jährige Erfolgsgeschichte von BREIT an; den Angaben zufolge erzielte der Fonds in den letzten zehn Jahren eine Netto-Rendite von 9,4 Prozent, also 35 Prozent mehr als der öffentliche REIT-Markt.
Der zweite Gesprächsblock verschob den Blick von einzelnen Strategien auf den Zustand institutioneller Immobilienanlagen und die Richtung der Kapitalströme. Greg MacKinnon von der Pension Real Estate Association verglich den Markt humorvoll mit einem Patienten, der zwar die Intensivstation verlassen habe, aber weiterhin im Krankenhaus unter Beobachtung stehe. Diese Metapher passte zu einer nüchternen Bestandsaufnahme: Der Gewerbeimmobilienmarkt habe die schlimmsten Auswirkungen höherer Zinsen und regionaler Bankenkrisen aus den Jahren 2022 und 2023 überwunden. Gleichzeitig, so MacKinnon, zeigten sich positive Signale in Seniorenwohnen und im Einzelhandel – allerdings nicht aus einem „glatten“ Nachfrageanstieg heraus, sondern aufgrund von Versorgungsengpässen. Für Entscheider in der Praxis heißt das: Nicht jedes Segment erholt sich synchron, sondern die Erholung folgt sehr unterschiedlichen Angebots- und Nachfragekurven. Damit steigt die Bedeutung von Standortauswahl und Betreiberqualität, weil Mietwachstum und Refinanzierungsfähigkeit dann weniger vom Durchschnitt des Markts abhängen.
Im weiteren Verlauf ging es dann um einen Paradigmenwechsel, den mehrere Branchenvertreter adressierten. Adriana de Alcantara von Hines U.S. Property Partners stellte den aggressiven Ansatz ihres Unternehmens heraus: Laut ihren Angaben investiert Hines insgesamt 1 Milliarde US-Dollar in offene institutionelle Fonds und weitere 1 Milliarde US-Dollar in nicht-gehandelte REITs. Ihre Kernaussage war dabei bewusst schlicht: Immobilien seien weniger kompliziert, als viele denken – solange man am richtigen Standort und zum richtigen Preis kaufe, befinde man sich auf der „sicheren Seite“. Miles Treaster von Cushman & Wakefield benannte dagegen stärker die mentale Seite der Marktdynamik: Die Akteure müssten zunehmend akzeptieren, dass die Hochphase der 2010er-Jahre mit stetig steigenden Asset-Werten und sinkenden Kapitalkosten nicht so bald zurückkommt. Als Beispiele für weiterhin stabile Performance führte er Rechenzentren und Seniorenwohnungen an – also Nutzungen, bei denen Nachfrageeffekte und Angebotsknappheit aktuell besser zusammenpassen als im Büro- oder manchen Retail-Segmenten.
Jeff DiModica von Starwood Property Trust brachte schließlich die vorsichtigere Gegenposition in die Debatte. Er verwies darauf, dass die Bewegung der langfristigen Zinsen in den 5-Prozent-Bereich vom Markt verarbeitet werden müsse – und zwar gleichzeitig mit der Bewältigung von Hunderten Milliarden US-Dollar an Schulden, die mit der Entwicklung von Rechenzentren verbunden sind. Seine zentrale Sorge war: Frühere Marktphasen hatten auch bei hohen Zinsen funktioniert, weil Wachstum, Immobilien-Cashflows und steigende Einkommen die Lage stützten. Heute sei das aus seiner Sicht möglicherweise anders, weil Zinsbewegungen typischerweise ungünstig für Immobilien seien, da der Immobilienmarkt stark an die Zinssätze gekoppelt ist. Für Investoren übersetzt sich das in einen klaren Prüfmaßstab bei jedem Deal: Welche Zins- und Refinanzierungsrisiken sind abgesichert, wie robust sind Mieterträge über Laufzeiten, und wie realistisch ist die Annahme, dass sich Cashflows im gewünschten Tempo ausbauen lassen.
In Summe zeigt das Forum damit weniger einen „Entweder-oder“-Moment, sondern eine graduelle Neupositionierung. Private Equity und institutionelle Investoren suchen stärker nach Assets, die in einer Welt höherer Finanzierungskosten planbar Cash erzeugen, und sie stützen das Argument zunehmend auf Portfoliostruktur, Angebotsknappheit und operative Hebel statt auf Bewertungsnarrative. Gleichzeitig bleibt der Druck hoch, weil Refinanzierungswellen im Rechenzentrumsumfeld sowie unterschiedliche Erholungsgeschwindigkeiten je nach Asset-Klasse die Risikokarte nicht verschwinden lassen. Wer jetzt investiert, muss daher mehr als nur Markterzählungen einkalkulieren: Er braucht belastbare Modelle für Zahlungsströme, ein Verständnis für Kapitalkostenpfade und eine Strategie, wie sich der Deal auch dann trägt, wenn die nächste Zinsbewegung nicht in die eigene Prognose passt.
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