LONDON (IT BOLTWISE) – Google hat drei KI-Agent-Workflows aus seinem ADK-Python-Repository entfernt, nachdem eine öffentliche GitHub-Auseinandersetzung einen Triage-Agenten zu einem privilegierten Code-Fix-Agenten hätte umleiten können. Laut Pillar Security hätte die Manipulation über Prompt-Injection einen „Trusted-Bot“-Identitätscheck aushebeln können und so einen Gate-Mechanismus für die Ausführung „von innen“ erfüllt. In Tests gelang es, auf dem CI-Runner willkürlichen Code auszuführen und ein persönliches Zugriffstoken des Bots exfiltrieren. Unklar bleibt, ob es dafür reale, bereits ausgenutzte Vorfälle oder eine kompromittierte ADK-Veröffentlichung gab.

Google hat die Automationsschicht in seinem Agent Development Kit (ADK) Python-Projekt zurückgezogen: Drei Workflows aus dem Repository wurden gelöscht, nachdem ein öffentlich zugänglicher GitHub-Issue als Einstiegspunkt für einen mehrstufigen Angriff dienen konnte. Der Kern des Problems lag nach Darstellung von Pillar Security nicht in einer Schwäche der „verteilten“ ADK-Paketlogik, sondern in der Art, wie GitHub-Automation und ein privilegierter Agent miteinander verkettet waren. Damit verschiebt sich die Diskussion von „KI-Modell macht Fehler“ hin zu „Automatisierungs- und Berechtigungsmodell macht Missbrauch leicht“.
Der Angriffspfad startet in einem Workflow wie issue-analyze.yml, der automatisch lief, sobald ein Issue eröffnet wurde. Dieser Workflow authentifizierte sich mit einem ADK-GCP-Service-Account-Key (ADK_GCP_SA_KEY) und übergab sowohl ein Triage-Agent- und ein Google-API-Schlüssel-Setup als auch die nötigen Parameter an einen Coding-Agenten. Der Agent erzeugte dann eine Analyse und veröffentlichte sie als Kommentar über das Bot-Konto. Genau an dieser Stelle setzt die kritische Schwachstelle an: Eine öffentliche Issue könnte so manipuliert werden, dass der Triage-Agent einen privilegierten „Issue-Fix“-Agenten anstößt und die dabei erzeugten Befehle so aussehen, als kämen sie aus dem erwarteten, „trusted“ Bot-Kontext.
Für das Eskalationsmuster ist entscheidend, wie der zweite Workflow, etwa issue-fix.yml, den Ausführungszugriff prüfte. Der Gate-Check beschränkte sich laut Bericht darauf, „wer den Befehl gepostet hat“, also auf das Ausstellerprofil des Kommentars, nicht aber darauf, ob ein externer Akteur die Token- oder Agenten-Identität hinter diesem Bot-Kontext manipuliert hatte. Pillar Security beschreibt, dass der öffentliche Agent per Prompt-Injection so dazu gebracht werden konnte, in /adk-issue-fix als adk-bot zu kommentieren. Dadurch passierte die Command-Entscheidung die vorgesehenen Besitzer-, Member- oder Collaborator-Filter, weil die Autorisierung indirekt über eine „Trusted Bot“-Identität erfolgte. Diese Trusted-Identität wurde damit zur Brücke, über die nicht vertrauenswürdiger Text mit privilegierten Aktionen verbunden werden konnte.
Im privilegierten Job lagen mehrere hochrelevante Berechtigungen: Der Workflow sollte GitHub-Inhalte sowie Issues und Pull Requests bearbeiten können und nutzte dabei laut Pillar Security ein persönliches Zugriffstoken (PAT), das in der Job-Umgebung tatsächlich verwendet wurde. Dazu kam im beschriebenen Szenario zusätzlich eine Google Cloud Service-Account-Credential und eine Google API Key, die der Job als Teil der Umgebung erhielt. In den Proof-of-Concept-Tests demonstrierten die Forschenden eine willkürliche Codeausführung auf dem CI-Runner sowie die Exfiltration des Bot-PAT. Der Bericht betont jedoch zugleich, dass die öffentliche Evidenz keine in-the-wild Ausnutzung oder eine kompromittierte ADK-Veröffentlichung belegt; Google habe zudem Workflows entfernt, die untrusted Issue- und Pull-request-Inhalte mit breiten Repository-Kredenzdaten verarbeiteten.
Technisch wird die Missbrauchsroute über die Kombination aus „eingeschränkter Syntax“ und „trotzdem offene Werkzeugausführung“ plausibel. Der Runner soll zwar Shell-Metacharacter zurückgewiesen haben und nur Kommandos akzeptiert haben, deren erstes Token gh oder git war. Dennoch enthält das Vorgehen laut Pillar Security die entscheidende Abkürzung: Das Setup aktivierte über eine CapabilitiesConfig() offenbar alle Tools, einschließlich schreibender Operationen, wie es in der zugehörigen SDK-Dokumentation zur Antigravity-Umgebung beschrieben sei. Der erlaubte Git-Umgang reichte damit faktisch aus, um Codeausführung über Git-Hook-Mechanismen zu erreichen. Git selbst dokumentiert, dass Hooks ausführbare Programme sind und eine Einstellung wie core.hooksPath
Der Bericht bleibt an einigen Punkten bewusst offen, was für Risikoanalysen in der Praxis wichtig ist. Öffentliche Artefakte belegen nicht, ob das PAT direkt in der Lage war, Änderungen unmittelbar in den main-Branch zu pushen. Ebenso bleibt nach Angaben von Pillar unklar, welche exakten Google Cloud Reichweiten der Service-Account hatte, wobei Pillar berichtet, dass Google einen Vertex-AI-Zugriff in einem dedizierten GitHub-Management-Projekt genannt habe. Auch die Frage nach der späteren Reichweite der Credentials wird damit nicht vollständig beantwortet: Laut Darstellung beschreibt der Bericht vor allem Runner-Ausführung und Credential-Exposition, aber nicht, wie weit ein realer Abfluss in nachgelagerte Ziele konkret gereicht hätte.
Aus Prozesssicht ist vor allem die Abfolge interessant: Google habe laut Quelle die Dateien issue-analyze.yml, issue-fix.yml und pr-analyze.yml im Rahmen eines Patches gelöscht, dessen Metadaten einen Autorendatumsbezug auf den 9. Juni 2026 tragen. Pillar Security gibt an, die Abwesenheit der Workflows am 2. Juli verifiziert zu haben, während die Meldung „Issue fixed“ am 21. Juli von Google bestätigt worden sei. Eine erneute Prüfung am 4. August 2026 fand laut Bericht keine der drei Dateinamen im aktuellen Workflow-Verzeichnis des Repository-Mains. Für ähnliche KI-Agent-Setups in der Entwickler-Toolchain folgt daraus eine klare Betriebserkenntnis: Bot-Identitäten sollten getrennt werden, Token- und Tool-Scopes enger gefasst sein, und das Autorisierungssignal sollte so gestaltet werden, dass untrusted Texte keine „Trusted“-Ausstellerrolle ableiten können.
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