LONDON (IT BOLTWISE) – Hohe Außentemperaturen erzwingen, dass der Körper seine Kerntemperatur trotz Hitzeeintrag stabil hält. Dabei kann die Verdauung zusätzlicher Wärme produzieren, was das Kühlsystem zusätzlich fordert. Laut dem Ernährungswissenschaftler David Fäh erhöhen vor allem proteinreiche und schwer verdauliche Mahlzeiten die metabolische Last. Das wirkt sich spürbar auf Erschöpfung, Leistungsfähigkeit und den Flüssigkeitshaushalt aus.

Wer im Sommer viel schwitzt, unterschätzt leicht, wie schnell „nur“ eine heiße Umgebungslage zur inneren Belastung werden kann. Der Organismus muss nicht nur Sonneneinstrahlung und warme Umgebungsluft abpuffern, sondern zusätzlich die Wärmeproduktion aus dem eigenen Stoffwechsel managen. In solchen Phasen entscheidet weniger die gefühlte Temperatur als vielmehr die Kombination aus externer Wärmezufuhr und interner Wärmebildung darüber, wie effizient die Körpertemperatur auf einem stabilen Niveau bleibt.
Aus ernährungsphysiologischer Sicht spielt dabei die nahrungsinduzierte Thermogenese eine zentrale Rolle. Sie beschreibt die Energie, die der Körper für Verdauung, Aufnahme, Transport und Speicherung von Nährstoffen aufwendet. David Fäh hebt hervor, dass dieser Prozess zwangsläufig Wärme freisetzt. Bei moderaten Bedingungen ist der Effekt oft klein und damit tolerierbar, bei extremer Hitze wird die zusätzliche „innere Wärmequelle“ jedoch zur potenziellen Stresskomponente, weil dann bereits die aktive Kühlung über Haut und Schweiß am Limit laufen kann.
Besonders wichtig ist die Zusammensetzung der Makronährstoffe. Je komplexer die zu verarbeitende Nahrung aufgebaut ist, desto höher fällt der energetische Aufwand für die Aufspaltung und Verstoffwechselung aus; dadurch steigt die Aktivität der Thermogenese. Unter den Makronährstoffen nennt David Fäh vor allem proteinreiche Kost als besonders belastend: Die Verwertung von Eiweiß ist im Vergleich zu Kohlenhydraten oder Fetten mit der stärksten Wärmeproduktion verbunden. Wenn der Körper gleichzeitig durch hohe Außentemperaturen ohnehin viel Energie in die Temperaturregulation lenkt, addiert sich diese Verdauungsarbeit zu einer zusätzlichen physiologischen Last.
Dasselbe Muster setzt sich bei schwer verdaulichen und sehr fettreichen Speisen fort. Solche Mahlzeiten verbleiben länger im Magen-Darm-Trakt und binden damit über einen längeren Zeitraum Kapazitäten des Herz-Kreislauf-Systems für die Verdauungsorgane. Nach den Erläuterungen von David Fäh geht diese Umverteilung des Blutes zulasten der Hautdurchblutung, die wiederum für die Wärmeabgabe an die Umgebung benötigt wird. Das Ergebnis kann eine doppelte Wechselwirkung sein: weniger effiziente Wärmeabgabe über die Haut, kombiniert mit zusätzlicher innerer Wärme durch die Verdauung.
Die Konsequenzen zeigen sich nicht nur im Thermometer, sondern im Alltag: In Hitzephasen kann die Kombination aus externer Wärme und stoffwechselbedingter Eigenwärme schneller zur Erschöpfung führen. David Fäh beschreibt, dass der Körper dann vermehrt Energie in die Temperaturregulation investieren muss, die anschließend für kognitive oder physische Leistungen weniger verfügbar ist. Zudem können sich Belastungen entlang des Bewegungsapparats bemerkbar machen, etwa wenn der Kreislauf bereits bei vergleichsweise normalen Belastungen in Richtung „Drosselung“ gerät. Auch der Flüssigkeitshaushalt ist dabei ein Faktor: Ein intensiv arbeitender Stoffwechsel erhöht den Abbauprodukt-Output, den die Nieren ausscheiden müssen, wodurch mehr Wasser benötigt wird.
Damit aus der Ernährung in der Hitze keine stille Entwässerungsfalle wird, empfiehlt sich die gezielte metabolische Entlastung. Der Kernansatz aus der ernährungswissenschaftlichen Analyse lautet: leicht verdauliche Kost wählen, um die nahrungsinduzierte Thermogenese so niedrig wie möglich zu halten. Vor allem Lebensmittel mit hohem Wassergehalt und niedriger Energiedichte werden als vorteilhaft eingeordnet, weil sie den Stoffwechsel weniger stark fordern und zugleich zur Hydration beitragen. Gleichzeitig nennt David Fäh als praktischen Hebel, während der heißesten Tageszeiten auf schwere, protein- oder fettreiche Mahlzeiten zu verzichten, um die Kerntemperatur effektiver regulieren zu können und die Belastung für Herz-Kreislauf-Funktionen zu reduzieren.
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