LONDON (IT BOLTWISE) – Holcim meldet für das zweite Quartal eine spürbare Belebung der Nachfrage und kann dadurch sowohl Umsatz als auch operatives Ergebnis steigern. Im ersten Halbjahr steigt der Konzernumsatz um 0,7 Prozent auf 7,93 Milliarden Franken, zugleich bleibt der starke Franken ein Gegenwindfaktor. Der bereinigte EBIT liegt mit knapp 1,44 Milliarden Franken etwa auf Vorjahresniveau, während die operative Marge leicht von 18,3 auf 18,1 Prozent sinkt. Für 2026 hebt das Management die Prognose an und verweist auf ein robustes Geschäftsmodell sowie Rückenwind aus Infrastrukturprojekten.

Holcim hat mit den Halbjahreszahlen ein klares Signal aus dem Baustoffmarkt geliefert: Nach einem zunächst belastenden Jahresstart, der im Vergleich zum Vorjahr durch einen harten Winter gedämpft wurde, gewinnt das Geschäft im zweiten Quartal erkennbar an Fahrt. Der Konzern ordnet die Entwicklung nicht als einmaligen Ausschlag ein, sondern betont die Wirkung einer anziehenden Nachfrage auf Umsatz und operatives Ergebnis. Für Anleger und Operateure im Bau- und Materialumfeld ist das besonders deshalb relevant, weil sich in diesem Zyklus nicht nur Mengen, sondern auch Margen- und Währungseffekte gegeneinander verschieben. Im Hintergrund bleibt dabei der Kursverlauf des starken Schweizer Franken, der laut den Konzernangaben weiter Gegenwind liefert.
Konkret kletterte der Umsatz im ersten Halbjahr um 0,7 Prozent auf 7,93 Milliarden Franken. Auf Euro-Basis nennt Holcim 8,5 Milliarden Euro, was die Größenordnung der Währungsübersetzung verdeutlicht, aber für die operative Steuerung vor allem die bereinigten Sichtweisen interessant macht: Bereinigt um Währungseffekte sowie um Zu- und Verkäufe von Unternehmensteilen ergibt sich ein Plus von 5,2 Prozent. Diese Gegenüberstellung ist in der Bauzulieferindustrie typisch, weil Volumenänderungen häufig durch Portfolioeffekte überlagert werden. Hinzu kommt, dass Holcim die Kennzahlen so aufbereitet, dass das nordamerikanische Geschäft nicht mehr im Konzernbild enthalten ist, zumindest nicht mehr als Einheit. Das im vergangenen Sommer abgespaltete Nordamerika-Geschäft firmiert seitdem als eigenständiges US-Unternehmen unter dem Namen Amrize und wird an der New Yorker Börse gehandelt; die Vorjahreszahlen sind dafür als Pro-Forma-Resultate dargestellt.
Beim Gewinnbild bleibt die Story zweigeteilt: Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) verharrt mit knapp 1,44 Milliarden Franken etwa auf Vorjahresniveau. Als zentrale Treiber nennt Holcim Verkäufe von Geschäftseinheiten mit hohen Margen und ordnet damit an, warum ein Umsatzplus nicht automatisch zu einem deutlich höheren operativen Ergebnis führt. Die operative Marge sank dabei leicht von 18,3 auf 18,1 Prozent. Gleichzeitig liefert der Konzern auch eine organische Betrachtung: Organisch wäre das operative Ergebnis um 11,5 Prozent gestiegen. Das ist ein wichtiger Unterschied für das Verständnis der Qualität des Wachstums, denn er zeigt, dass die reale Ergebnisentwicklung durch Sondereffekte und den Zeitpunkt von Portfolioänderungen überlagert wird. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 913 Millionen Franken hängen, damit leicht über dem Vorjahreswert.
Entscheidend ist nun, wie Holcim die Entwicklung in die zweite Jahreshälfte einpreist. Für 2026 zeigt sich der Unternehmenschef Miljan Gutovic zuversichtlich und hebt die Gesamtjahresprognose an. Dabei nennt das Unternehmen sein resilient erscheinendes Geschäftsmodell als Grundlage, das sich in unterschiedlichen Konjunkturzyklen bewährt haben soll. Operativ übersetzt sich das in konkrete Zielkorridore: Holcim erwartet für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum von rund 5 Prozent nach bisher 3 bis 5 Prozent. Der Betriebsgewinn, bereinigt um Sondereffekte, soll gleichzeitig um rund 10 Prozent zulegen, nachdem zuvor ein Plus von etwa 8 bis 10 Prozent in Aussicht gestellt wurde. Auch die Marge soll weiter steigen. Für die zweite Jahreshälfte verweist der Konzern zudem auf das milliardenschwere Infrastrukturprogramm der deutschen Bundesregierung, von dem Holcim profitieren dürfte. Damit verknüpft Holcim die Prognose nicht nur mit der allgemeinen Nachfrage, sondern auch mit einem konkreten politischen und programmatischen Impuls, der typischerweise den Bedarf an Zement, Beton und Baustoffkomponenten auslösen kann.
Aus technischer und betriebswirtschaftlicher Perspektive lohnt sich dabei ein Blick darauf, wie Baustoffkonzerne solche Situationen normalerweise managen. Die Nachfrage im Bau ist nicht linear, sondern reagiert auf Projektpipeline, Ausschreibungen, Genehmigungszeiten und Wettereffekte. Wenn ein Winter besonders hart ist, verschiebt sich häufig nicht die gesamte Jahresmenge, sondern die Verteilung über Quartale. Genau das spiegelt sich im Bericht wider: Im ersten Quartal sanken Umsatz und operatives Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr; im zweiten Quartal drehte sich das Bild. Die Marge bleibt jedoch ein fragiles Gut, weil Kosten für Energie, Transport und Rohstoffe sowie Effekte aus dem Währungsraum unmittelbar in die Ergebnisrechnung wirken. Der starke Franken kann insbesondere bei grenzüberschreitenden Kosten- und Erlösströmen dämpfend wirken. Zusätzlich sind Portfolioveränderungen wie die Abspaltung Nordamerikas wichtig, weil sich dadurch Kostenstruktur, Asset-Setups und Margenprofile verändern können.
Verglichen mit klassischen Wettbewerbsstrategien in der Baustoffindustrie wirkt Holcims Vorgehen damit eher konsistent als überraschend: Nachfragezyklen werden genutzt, aber gleichzeitig wird versucht, Ergebnisqualität durch Portfolioentscheidungen zu stabilisieren. Dass die organische Ergebnisentwicklung deutlich stärker ausfällt als das EBIT insgesamt, passt in dieses Bild. Für den Markt bedeutet das: Die Relevanz der Kennzahlen liegt weniger in einem einzelnen Quartal, sondern in der Fähigkeit, Wachstum mit Marge und Cash-Logik zu verbinden, auch wenn Währung und Sondereffekte im Zwischenbericht die „reine“ operative Linie verschleiern. Hinzu kommt, dass die Abspaltung von Nordamerika die Vergleichbarkeit mit dem Vorjahr erschwert, was in Analystenmodellen in der Regel zu Pro-Forma-Anpassungen führt. In der Praxis heißt das: Wer Holcims Performance beurteilt, muss sauber zwischen Konzernbild ohne Nordamerika, Pro-Forma-Vorjahr und organischer Entwicklung trennen.
Für Unternehmen in der Bau- und Infrastrukturwertschöpfungskette ist die Nachricht über die Prognoseanhebung vor allem ein Planungshinweis. Ein Umsatzwachstum von rund 5 Prozent und ein erwarteter Anstieg des Betriebsgewinns um rund 10 Prozent deuten darauf hin, dass die Volumen- und Preisfindung im Markt für Holcim derzeit tragfähig bleibt. Gleichzeitig legt der Bericht nahe, dass das Management die Marge nicht nur über Skalierung treiben will, sondern über ein Bündel aus Margenmanagement, Portfolioeffekten und einem Kostenbild, das offenbar wieder besser greift als im Jahresstart. Ob der erwartete Rückenwind aus dem Infrastrukturprogramm in der zweiten Jahreshälfte tatsächlich spürbar ankommt, hängt dabei an der Projektkonkretisierung vor Ort und an der Fähigkeit, Kapazitäten und Logistik passend zu skalieren. Bis dahin bleibt der starke Franken als Risikofaktor in der Ergebnisrechnung präsent, auch wenn das operative Bild insgesamt wieder fester aussieht.
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