LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Kate Bushs Album „Hounds of Love“ bleibt auch 40 Jahre nach dem Erscheinen ein Bezugspunkt für Pop mit Anspruch. 1985 kletterte es im Vereinigten Königreich auf Platz 1 der Official Charts und wurde dort mehrfach mit Platin ausgezeichnet. In Deutschland erreichte es Platz 10 in den Offiziellen Deutschen Albumcharts. Während neue Tourdaten ausbleiben, lebt besonders „Running Up That Hill“ als wiederkehrender Festival-Moment in Coverversionen weiter.

Kate Bush steht seit den späten 1970er-Jahren für eine Art Pop, der nicht nur eingängig sein will, sondern auch bewusst mit Erwartungen spielt. Mit „Hounds of Love“ gelang ihr 1985 eine Mischung aus klaren Pop-Momenten und einer deutlich experimentierteren zweiten Albumhälfte, die bis heute als Referenz für Art-Pop gilt. Besonders bemerkenswert ist, dass der Erfolg nicht auf eine einzelne Single zurückfällt, sondern das gesamte Album als Ganzes die Aufmerksamkeit auf sich zieht – ein Unterschied, der im Rückblick viel über Wirkung und Reichweite verrät.
Als „Hounds of Love“ im September 1985 veröffentlicht wurde, war Bush bereits durch „Wuthering Heights“ und „Babooshka“ im Mainstream sichtbar. Genau diese Vorarbeit dürfte geholfen haben, dass das Album im britischen Markt sofort in die Spitze ging: In Großbritannien erreichte es Platz 1 der Official Charts und entwickelte sich zu ihrem kommerziell stärksten Werk. Dass es sich über viele Wochen in den vorderen Rängen hielt und mehrfach mit Platin ausgezeichnet wurde, ist dabei weniger nur eine Zahlenspielerei als ein Hinweis darauf, wie stark das Album in unterschiedliche Hörergruppen hineinwirkte – von denen, die zunächst über Hits einstiegen, bis zu denen, die sich auf längere Strukturen einlassen wollten.
Auch in Deutschland zeigte sich der langfristige Zugriff. „Hounds of Love“ stieg in die Offiziellen Deutschen Charts ein und erreichte Platz 10. Für eine britische Art-Pop-Produktion Mitte der 1980er-Jahre war das ein spürbares Signal: Das Album fand einen Weg durch ein Radio- und Konsumumfeld, das damals oft zwischen verträglichem Pop und klarer Nische trennte. Technisch betrachtet lässt sich die Langlebigkeit gut erklären: Der Sound arbeitet mit synthetischen Drums und einer frühen Sampling-Technik, die hier nicht als bloßer Effekt eingesetzt wird, sondern den Raum der Songs strukturiert. Dazu kommen lyrische, teils literarisch inspirierte Texte und eine sehr präsente, expressiv geführte Stimme, die sich mit jeder neuen Hörwelle neu erschließt.
Über die Charts hinaus ist es vor allem der Live-Einfluss, der „Hounds of Love“ in der Gegenwart fest verankert. Kate Bush hat seit ihren London-Shows 2014 keine neuen Tourdaten angekündigt, dennoch taucht ihre Musik auf Festivalbühnen kontinuierlich auf – häufig in Form von Coverversionen. „Running Up That Hill (A Deal with God)“ ist dabei zum Standardrepertoire vieler Indie- und Alternative-Acts geworden, die ihre Vorbilder nicht nur erwähnen, sondern musikalisch in den eigenen Set-Flow übersetzen. Für deutsche Festivals bedeutet das: Wenn Bands den Song in eigenen Versionen spielen, entsteht eine Brücke zwischen dem Pop-Vokabular der 1980er-Jahre und dem heutigen Indie-Sound, ohne dass die historische Referenz im Hinterkopf bleiben muss.
Musikalisch verteilt sich der Reiz des Albums auf zwei Ebenen, die zusammen ein „Gesamtwerk“ ergeben. Die erste Albumhälfte bleibt stark bei klar strukturierten Pop-Songs, die auch dann funktionieren, wenn man nur den Einstieg sucht. Die zweite Hälfte – die Suite „The Ninth Wave“ – wirkt dagegen wie ein zusammenhängendes Hörstück, das mit Spannungsbögen statt mit einzelnen Hooks arbeitet. Genau diese Dualität erklärt, warum „Hounds of Love“ so oft sowohl als „Plattenerlebnis“ als auch als Fundus für spätere Arrangements genutzt wird: Wer im Studio analytisch hört, findet Architektur. Wer live ankommt, findet wiederum Fragmente, die sich in andere Klangsprachen übertragen lassen.
Im aktuellen Karrierestatus zeigt sich das Bild ähnlich: Kate Bush arbeitet weiter als Songwriterin und veröffentlichte zuletzt 2011 das Studioalbum „50 Words for Snow“. Neue offiziell angekündigte Live-Termine gibt es aktuell nicht. Damit rückt ihre Musik noch stärker in den Bereich, den man bei langlebigen Katalogen kennt: Nicht die eigene Tour liefert den wöchentlichen Takt, sondern die Häufigkeit, mit der andere Künstler das Material aufnehmen, variieren und neu kontextualisieren. Für die heutige Musiklandschaft ist das ein wichtiger Punkt, weil es zeigt, dass Innovation nicht zwingend in „Neustart“-Zyklen gedacht werden muss, sondern auch in Nachwirkungen – über Cover, Festival-Programmplanung und das Wiedererlernen klassischer Sounds.
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