COBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Laut einer Auswertung der HUK Coburg wechseln im zweiten Quartal deutlich mehr Privatkunden als zuvor vom Verbrenner auf reine Stromer. Besonders stark steigt die Quote auch im Gebrauchtwagenbereich, wo der Markt lange hinterherlief. Vielfahrer mit über 12.000 Kilometern pro Jahr steigen nochmals häufiger auf Elektro um. Als treibende Faktoren nennt der Versicherer vor allem die stark gestiegenen Spritpreise und mögliche Impulse durch staatliche E-Autoprämien.

HUK Coburg: Mehr Versicherte wechseln vom Verbrenner zum E-Auto
HUK Coburg: Mehr Versicherte wechseln vom Verbrenner zum E-Auto (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Umstieg auf Elektroautos wird im Alltag längst nicht mehr nur an der Neuwagenkasse entschieden, sondern zunehmend im Gebrauchtwagensegment. Das zeigt eine Auswertung der HUK Coburg, die der dpa vorab vorlag: Bei den Privatkunden, die im zweiten Quartal ihr bei der HUK Coburg versichertes Auto gewechselt haben, stieg annähernd jeder achte (12 Prozent) von einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor auf einen reinen Stromer um. Damit liegt der Quartalswert laut Bericht nicht nur deutlich über dem Niveau des Gesamtjahres 2025, sondern erreicht den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung Anfang 2020. Für die Versicherungs- und Mobilitätsbranche ist das vor allem deshalb relevant, weil Gebrauchte inzwischen ein eigener Hebel für Marktpenetration sind – und weil Versicherungsmodelle dort stärker auf kalkulierbare Risiken und Fahrzeugflotten reagieren müssen.

Auch innerhalb des Neuwagenbereichs bewegt sich die Umstellung spürbar: Bei Neuwagen lag die Umsteigequote im zweiten Quartal bei 24,9 Prozent. Das ist dem Text zufolge ein Höchstwert, der den Rekord von Ende 2022 um 1,8 Punkte übertraf. Der Vergleich macht deutlich, dass der Markt zwar bereits bei Neubestellungen in Fahrt gekommen war, die Dynamik nun aber im Bestandsumlauf eine zusätzliche Schubkraft entfaltet. Technisch und marktseitig hängt das an mehreren Faktoren: Händler können inzwischen mehr Elektrofahrzeuge im Portfolio bereitstellen, Hersteller haben die Modellvielfalt gegenüber den frühen Jahren spürbar erhöht, und zugleich werden Kaufentscheidungen stärker über Gesamtkosten betrachtet. Genau hier setzt die Versicherungslogik an, denn der Wechsel vom klassischen Verbrennerprofil zu einem Stromer-typischen Schaden- und Nutzungsmuster verändert Parameter wie Schadenshäufigkeit, Reparaturpfade und die Bedeutung einzelner Komponenten.

Besonders auffällig ist der Sprung bei Gebrauchtwagen, weil dieser Markt in Deutschland laut Auswertung mehr als doppelt so groß ist wie der Neuwagenbereich und bei Elektroautos bisher eher hinterherhinkte. Im zweiten Quartal ergibt sich nun aber ein starker Anstieg auf 7,9 Prozent. Der Text ordnet das als deutlichen Rekord ein und betont, dass es mehr als das Doppelte des Vorjahresquartals sei. Für Unternehmen, die Flotten versichern, Rückkaufmodelle finanzieren oder mit Werkstattketten zusammenarbeiten, ist das ein Signal: Wenn Gebraucht-Elektrofahrzeuge schneller im Markt ankommen, verschieben sich Nachfrage und Aufwände in der Servicekette. Dazu gehört auch die Frage, wie Reparaturen organisiert sind (z. B. Verfügbarkeit spezieller Diagnostik, Ersatzteile, Qualifikationen) und wie sich die Versicherer auf neue Risiko-Bausteine einstellen müssen, etwa bei Hochvoltsystemen oder bei Schadenbildern, die bei Elektrik/Leistungselektronik anders ausfallen können als bei rein mechanischen Baugruppen.

Dass der Umstieg nicht nur eine Frage von „Kaufbereitschaft“ ist, sondern stark mit Fahrprofilen zusammenhängt, zeigt der Bericht ebenfalls. Vielfahrer – Menschen, die mehr als 12.000 Kilometer pro Jahr zurücklegen – wechseln demnach noch einmal deutlich häufiger auf Elektroautos. Dahinter steckt weniger ein reines Affektmoment als eine Mathematik aus Energie- und Betriebsbiologie: Je intensiver ein Fahrzeug genutzt wird, desto stärker wirken Unterschiede bei Verbrauchskosten, Wartungsroutinen und typischen Ausfallwahrscheinlichkeiten auf die Gesamtkosten über die Laufzeit. Jörg Rheinländer, der im Vorstand der HUK Coburg für die Autoversicherung zuständig ist, bringt diesen Zusammenhang in den Worten „Der Hochlauf der Elektromobilität hat eine neue Dimension erreicht, auch angetrieben durch die stark gestiegenen Spritpreise“ auf den Punkt. Außerdem sagt er: „Elektrische Gebrauchtwagen können dabei offenbar zum Gamechanger werden“ und ergänzt: „Möglicherweise ließe sich dieser Trend verstärken, wenn neben den Käufern von Neuwagen auch die Käufer gebrauchter E-Autos von der staatlichen E-Autoprämie profitieren könnten.“

Damit rückt auch die Rolle politischer Anreize in den Fokus. Im Text wird explizit darauf verwiesen, dass die staatliche Prämie „auch bei den hohen Elektroneuzulassungen im Juli eine Rolle gespielt haben“ dürfte. Das ist insofern wichtig, als Neuzulassungen und Versicherungswechsel oft zeitversetzt sind: Neue Fahrzeuge verändern erst die Fahrzeugverfügbarkeit, bevor der Gebrauchtmarkt mitzieht. Dennoch gibt es einen plausiblen Wirkmechanismus: Wenn sich Zulassungszahlen kurzfristig erhöhen, gelangt über die Zeit mehr Material in den Gebrauchtbestand; parallel können Preisbildung und Finanzierungsthemen den Wechsel beschleunigen. Aus Sicht der Versicherer bedeutet das, dass Tarife, Schadensteuerung und Modellannahmen nicht nur die Gegenwart abbilden sollten, sondern die nächsten Übergangswellen kalkulatorisch vorbereiten müssen.

Konkretes Zahlenmaterial liefert der Bericht über das Kraftfahrt-Bundesamt, inklusive Privat- und Firmenwagen. Demnach wurden im Juli „gut 10.000“ reine Stromer verkauft bzw. zugelassen, seit Jahresbeginn sind es „fast 60.000“. In der Reihenfolge dahinter nennt der Text für den Juli BMW mit „7.700“ und Skoda mit „6.400“. Betrachtet man den Zeitraum seit Jahresbeginn, holt jedoch Skoda mit „43.100“ vor BMW mit „38.700“ auf. Danach folgen Mercedes und Audi. Diese Herstellerdynamik ist für den Versicherungsmarkt relevant, weil Flottenmix und Serviceaufwand in der Praxis stark davon abhängen, welche Marken und Typklassen in den Bestand gelangen. Außerdem beeinflusst sie die Frage, wie schnell Werkstattnetzwerke Ersatzteile, Diagnosekapazitäten und Wartungsprozesse für bestimmte Baureihen hochfahren müssen – ein Faktor, der indirekt auch auf Prämienkalkulationen und die Entwicklung von Schadenquoten durchschlägt.

Für die nächsten Quartale deutet vieles darauf hin, dass der Gebrauchtwagenhebel weiter an Gewicht gewinnt. Wenn die Umsteigequote im Gebrauchtsegment bereits jetzt auf 7,9 Prozent springt, entsteht ein Lern- und Stabilisierungseffekt: Versicherer, Werkstätten und Fahrzeughändler bekommen schneller mehr Datengrundlage für reale Nutzung, Reparaturwege und tatsächlich vorkommende Schadenbilder. Gleichzeitig kann die Diskussion um staatliche Prämien das Tempo weiter beeinflussen – zumindest dann, wenn neben Neuwagenkäufern auch Käufer von gebrauchten E-Autos profitieren. Am Ende geht es für Unternehmen um eine saubere Risikoübersetzung: Die Umstellung von Verbrenner-Logik auf Stromer-Realität ist nicht nur ein Thema der Technologie, sondern auch der Vertragsgestaltung, der Schadenabwicklung und der operativen Prozesse in der Servicekette. Genau diese „neue Dimension“ macht der Bericht anhand der Wechselquoten sichtbar – und liefert damit eine greifbare Grundlage für strategische Entscheidungen im Mobilitäts- und Versicherungsumfeld.


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