LONDON (IT BOLTWISE) – Der von Studierenden organisierte Startup-Wettbewerb I-Startup hat in Vietnam binnen 11 Saisons eine nationale Reichweite aufgebaut. Im Jahr 2026 wurden laut Bericht über 180 Projekte mit mehr als 500 Teilnehmenden aus über 50 Universitäten eingereicht. Die Themen reichen von Künstliche Intelligenz und Blockchain bis zu Logistik, Fintech und intelligenter Landwirtschaft. Besonders prägend ist die enge Verzahnung aus Training, Mentorennetzwerk und Partnerunternehmen, die die Projekte Schritt für Schritt marktfähig machen.

Was in vielen Universitäten noch als Zusatzformat diskutiert wird, läuft in Vietnam bereits als wiederkehrende Praxis: I-Startup wird von einer studentischen Organisation der Nationalen Wirtschaftsuniversität betrieben und versteht sich seit dem Start 2015 als Brücke zwischen akademischem Projektlernen und echter Unternehmensrealität. Die Grundlage dafür ist die Investment Student Union, die der Fakultät für Investment sowie der Studierendenvertretung angegliedert ist. Über zwei Jahrzehnte hinweg ist daraus laut Beschreibung nicht nur eine Plattform für Management- und Führungsfähigkeiten entstanden, sondern auch ein organisatorischer Unterbau, der Wettbewerbe, Trainings und Partnerschaften in einem klar strukturierten Ablauf zusammenzieht.
Technisch und organisatorisch lohnt sich ein Blick auf die konkrete Ausgestaltung: I-Startup 2026 konnte landesweit mehr als 180 Projekte mit über 500 Teilnehmenden aus mehr als 50 Universitäten gewinnen. Zu den genannten Hochschulen zählen unter anderem die Nationale Wirtschaftsuniversität, die Außenhandelsuniversität, die Technische Universität Hanoi, die Medizinische Universität Hanoi, VinUni und RMIT. Inhaltlich deckten die Einreichungen ein breites Spektrum ab – von KI-Ansätzen über Blockchain bis hin zu Themen wie Fintech, Kreislaufwirtschaft, erneuerbaren Energien und intelligenter Landwirtschaft. Damit adressiert der Wettbewerb nicht nur ein einzelnes Technologie-Thema, sondern schafft ein Umfeld, in dem auch Geschäftsmodelle rund um diese Technologien entstehen können.
Für den Wettbewerbserfolg ist dabei nicht allein die Themenvielfalt entscheidend, sondern die Art, wie die Studierenden die komplette Wertschöpfung eines solchen Events abdecken. In der Beschreibung wird betont, dass die Organisation vollständig aus spezialisierten Komitees bestand: von der Gesamtplanung über Regelwerk und Wettbewerbsrunden bis hin zu Kommunikation, Außenbeziehungen, Finanzen und Logistik. Die Aussage von Pham Nguyen Tu Anh, Leiter der K66 Investment Student Union und des Organisationskomitees, zielt auf genau diesen Aufwand: Jede Saison sei einem echten Startup gleichzusetzen, weil mehrere Beteiligte parallel planen, abstimmen und bis in späte Stunden hinein Details klären müssten. Das Finale sei nur wenige Stunden lang, aber das Ergebnis monatelanger Koordination – eine Logik, die auch bei ernsthaften Software- und Produktprojekten wiederzufinden ist.
Unterschätzt wird in solchen Formaten häufig der Teil, der sich nicht in Präsentationsfolien zeigt: die Partner- und Expertenseite. Laut Bericht haben die Verantwortlichen für I-Startup viel Zeit darauf verwendet, Profile von hunderten Unternehmern und Experten zu recherchieren, um ein belastbares Netzwerk für Mentoren, Redner und Juroren aufzubauen. Auch das Kontaktnetz wird nicht als Einmalmaßnahme dargestellt: Einige Referenten seien stark ausgelastet gewesen, weshalb die Abstimmung der Termine, das wiederholte Einholen von Zusagen und das sorgfältige Vorbereiten von Kooperationsvorschlägen nötig gewesen seien. Daneben wird das Alumni-Netzwerk als Verstärker genannt, also ehemalige Studierende und Dozenten, die Kontakte erweitern und zusätzliche Expertise in den Wettbewerb holen. So habe sich nach elf Saisons ein Netzwerk von über 60 Partnerunternehmen entwickelt – als Basis für ein Startup-Förder-Ökosystem, das über das Event hinaus wirkt.
Marktseitig setzt I-Startup laut Beschreibung stark auf strukturierte Übergaben von Idee zu Produkt. Nachdem die Bewerbungsrunde abgeschlossen ist, nehmen die zehn besten Projekte an einem intensiven Trainingsprogramm teil, das CEOs, Gründer, Investoren und Branchenexperten einbindet. Im Zentrum stehen dabei konkrete Bausteine, die für jedes Go-to-Market entscheidend sind: Geschäftsmodelle aufbauen, Produktentwicklung vorantreiben, Marketingstrategien planen, Finanzmanagement strukturieren, Mittelbeschaffung vorbereiten und die Idee vor Investoren präsentieren. Anschließend bietet der „I-Startup Connect Day“ den Teams eine direkte Kontakt- und Feedbackschleife, bei der Produkte vorgestellt werden und die Projekte aus Marktsicht weiterreifen sollen. Genau diese Entwicklungsschleife wird als größter Wert beschrieben: Nicht nur ein Gewinnerteam soll entstehen, sondern Projekte sollen in jeder Runde Begründung, Modell und Selbstvertrauen weiter ausbauen.
Dass dieses Vorgehen funktioniert, wird in der Darstellung über konkrete Beispiel-Startups untermauert. uCall, Sieger von I-Startup 2021, setzte auf eine KI-gestützte Callbot-Plattform, die Unternehmen bei der Automatisierung des Kundenservice und beim Betrieb intelligenter Callcenter unterstützt. Nach der Teilnahme habe das Team das Produkt weiterentwickelt und KI genutzt, um tausende automatisierte Anrufe durchzuführen und Inhalte personalisiert auszuspielen, um zugleich Personal- und Betriebskosten zu optimieren. Mit einer Anschubfinanzierung von 50.000 US-Dollar durch Vietnam Silicon Valley (VSV) Capital im Jahr 2021 erhielt das Projekt laut Bericht einen Wachstumsschub. Auch WeShare, Gewinner von 2022, wird als Beispiel genannt: Die Plattform verknüpft Online-Shopping mit gemeinnützigen Programmen, indem Teile der Provisionen aus Bestellungen an Organisationen weitergegeben werden; nach über drei Jahren Entwicklung werden fast 20.000 Nutzer, über 50.000 Bestellungen und mehr als 100 Millionen VND an gemeinnützige Organisationen berichtet. Solche Kennzahlen zeigen, wie Wettbewerbsmechanik in Produkt- und Marktaktivität übersetzt werden kann.
Für die Unternehmens- und Branchenperspektive ist zudem relevant, wie das Hochschulumfeld das Ganze dauerhaft verankert. Laut Bericht gibt es an der Universität rund 70 Clubs, Teams und Gruppen, die in Bereichen wie Studium, Freiwilligenarbeit, Hobbys und Kompetenzentwicklung aktiv sind. Dr. Vu Tri Tuan ordnet das als Teil eines umfassenden Bildungsökosystems ein: Im Hörsaal wird Fachwissen vermittelt, in Clubs, Teams und Gruppen können Studierende dieses Wissen anwenden, Fähigkeiten aufbauen und durch Erfahrung reifen. Innerhalb dieses Systems wird die Investment and I-Startup Association als Paradebeispiel beschrieben, weil sie unternehmerisches Denken trainiert – vom Verfassen eines Startup-Vorschlags über die Umsetzung in ein Produkt bis hin zum Aufbau von Kontakten und der schrittweisen Marktreife. Besonders aus Sicht von Arbeitgebern werden dabei neben Fachkompetenzen jene übertragbaren Fähigkeiten betont, die auch in KI-getriebenen Projekten zum Erfolg führen: Teamfähigkeit, Führung, Projektmanagement, Kommunikationsstärke, kritisches und kreatives Denken sowie Anpassungsfähigkeit.
Am Ende lässt sich I-Startup in eine Linie einordnen, die in vielen Ländern ähnlich funktioniert, aber selten so konsequent von Studierenden selbst getragen wird: Ein wiederholter Zyklus aus Training, Mentoring, Investorenzugang und Feedback. Dass der Wettbewerb nach über einem Jahrzehnt nicht nur als „Gewinnerteam“-Mechanismus, sondern als Inkubator für junge Startups beschrieben wird, passt dazu: Fast 3.000 Teilnehmer aus mehr als 50 Universitäten, über 80 Startups in der Inkubationsphase und sieben Projekte, die sich auf internationalen Märkten weiterentwickeln konnten, unterstreichen den Skalierungsanspruch. Für Unternehmen und mögliche Partner liegt die Chance vor allem darin, frühzeitig Projekte mit echter Umsetzungslogik zu treffen – und nicht nur Pitch-Teams. Gleichzeitig profitieren Studierende praktisch von einem „Startup-Modus“, in dem auch KI-Projekte vom Prototypen zur Marktkommunikation gelangen müssen.
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