UZBEKISTAN / LONDON (IT BOLTWISE) – ICTWeek Uzbekistan 2026 hat mehr als 30.000 Besucher und tausende Startups zusammengebracht und damit den Ausbau des regionalen Tech-Ökosystems sichtbar gemacht. Laut Angaben aus dem Umfeld des Events wächst die Startup-Community auf 4,3 Mrd. US-Dollar, nachdem sie 2022 noch bei 790 Mio. US-Dollar lag. Die Regierung verweist zudem auf 544,5 % Wachstum bei Wagniskapital-Investitionen und nennt 300.000 IT-Fachkräfte als Basis. Für internationale Investoren wird dabei vor allem der schnellere Einstieg in Fintech, KI-gestützte Logistik und EdTech argumentiert.

Unter dem Motto „Land of Startups“ hat ICTWeek Uzbekistan 2026 in diesem Jahr vor allem eines unter Beweis gestellt: Zentralasien wird als Zielregion für digitale Skalierung ernster genommen als in den meisten vergangenen Investitionszyklen. Das Event zog nach den vorliegenden Angaben mehr als 30.000 Besucher an, brachte tausende Startups auf die Bühne und versammelte gleichzeitig Hunderte Venture-Capital-Vertreter sowie über 3.000 internationale Gäste. Im Hintergrund stand dabei ein klarer politisch-industrieller Auftrag an ausländisches Kapital: Der Markt soll nicht nur als Konsumfläche gelesen werden, sondern als Wagniskapital-fähiges Entwicklungszentrum mit wachsender Talentbasis.
Technisch greifbar wird diese Argumentation bei der Infrastruktur für KI- und Datenarbeit, die im Rahmen der Veranstaltung über den Aufbau des Ökosystems indirekt mittransportiert wurde. Die präsentierten Zahlen nennen 300.000 IT-Spezialisten als strukturelle Grundlage und ein Anreizmodell, das gezielt ausländische Gründer und Fonds ansprechen soll. Interessant ist dabei der zeitliche Verlauf, weil er zeigt, dass es sich nicht ausschließlich um einen Einmal-Boost handelt: Für die Bewertung des Startup-Ökosystems wurden Werte von 790 Mio. US-Dollar (2022) über 1,2 Mrd. US-Dollar (2023) und 1,7 Mrd. US-Dollar (2024) bis hin zu 3,9 Mrd. US-Dollar (2025) kommuniziert. Solche Sprünge deuten weniger auf einzelne „Gewinner-Events“ hin, sondern eher auf eine kontinuierliche Kombination aus Kapitalzufluss, Produktisierung und wachsender Investorenerfahrung im Land.
Auch marktseitig wirkt die Erzählung abgestimmt. Laut den genannten Dealroom.co-Daten wurde Uzbekistan als Nummer 1 für Wachstum bei Venture-Capital-Investitionen in der Welt eingeordnet, mit einem Anstieg von 544,5 %. Das ist eine Zahl, die gerade für US-basierte Fonds relevant wird, weil viele von ihnen bislang eher über Umwege auf die Region schauten. Die Veranstaltung versucht daher, die Eintrittshürde zu reduzieren: Wenn ein Ökosystem schnell wächst, sind Übungsfelder für Due Diligence, die Zusammenarbeit mit Beschleunigern und das Verständnis typischer Go-to-Market-Modelle in vielen Branchen schneller verfügbar. Hinzu kommt die Aussage, dass seit 2020 mehr als 400 Mio. US-Dollar in Startups geflossen sind und über 20 Venture Funds im Land operieren, wobei das kombinierte Kapital über 200 Mio. US-Dollar liegen soll.
Für Investoren ist zudem die Frage entscheidend, ob aus Wachstum echte Exit-Mechaniken werden. Hier liefert die Veranstaltung zwei Beispiele, die im Zusammenspiel mit Skalierungsthemen stehen: Uzum und TBC Bank sollen innerhalb der vergangenen zwei Jahre den Unicorn-Status erreicht haben. Solche Benchmarks sind nicht nur ein Marketinghebel, sondern verändern die Kalkulation vieler Beteiligungsportfolios, weil sie zeigen, dass lokale Produkte nicht zwingend in der Nische bleiben. Ergänzend wurden unabhängige Indizes zitiert: StartupBlink habe Uzbekistan von Platz 115 (2022) auf 79 (2026) gehoben und das Land als „Country of the Year“ sowie als schnellstes wachsendes Startup-Ökosystem bezeichnet. Startup Genome ordnete Tashkent wiederum als Startup Capital Zentralasiens für 2026 ein. Dass Tashkent in der Stadt-Rangliste besser abschneidet als Almaty und Astana, untermauert die These, dass der Schwerpunkt zwar weiterhin in der Hauptstadtregion liegt, die Aktivität aber durch weitere Standorte wie Samarkand oder Fergana allmählich breiter wird.
Für die inhaltliche Ausrichtung des Ökosystems nennt die Veranstaltung drei Sektoren, die sich besonders gut mit KI-Workflows verbinden lassen: Fintech und E-Commerce, Künstliche Intelligenz sowie Logistik, außerdem Education Technology. Gerade in Fintech und Handel sind Datenvolumen und Prozessdichte hoch genug, um aus KI-gestützter Betrugsprävention, Personalisierung oder automatisierten Risiko-Scorings messbaren Nutzen zu ziehen. In der Logistik wirkt KI oft als „Industrie-Klebstoff“ zwischen Planung und Ausführung, etwa wenn Routen, Lagerbestände oder Lieferzeiten laufend neu priorisiert werden. EdTech wiederum ist weniger datenintensiv im Sinne von Echtzeit-Ads, aber stark im Bereich Wiederverwendbarkeit von Lernpfaden und in der Frage, wie sich Inhalte und Assessments operationalisieren lassen.
Schließlich ist die Plattformlogik des Events selbst ein Signal: Wenn internationale Technologie- und Plattformanbieter ihre Sichtbarkeit im Rahmen der größten Tech-Konferenz der Region erhöhen, geht es meist um mehr als Sponsoring. Es geht darum, frühe Partner- und Integrationspfade zu sichern, etwa über gemeinsame Programme, Pilotprojekte oder Tech-Enablement für Startups, die sonst lange auf Ressourcen warten müssten. Für Unternehmen außerhalb der Region bedeutet das: Der schnellste Weg führt häufig nicht über eine komplette Eigenentwicklung, sondern über kooperative Prototypen, klare Datenzugriffsregeln und messbare KPI-Ziele. Aus dem Zusammenspiel von Wachstumszahlen, Unicorn-Beispielen und den drei priorisierten Sektoren lässt sich jedenfalls ableiten, dass die Region gerade eine Phase durchläuft, in der KI-nahe Produktteams, Fintech-Innovation und skalierbare Logistiklösungen besonders gute Karten haben.
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