LONDON (IT BOLTWISE) – Das Ifo-Institut meldet wieder steigenden Preisdruck in der deutschen Wirtschaft. Die Ifo-Preiserwartungen kletterten im Oktober auf 25,9 Punkte nach 23,0 im September. Getrieben wird das vor allem durch deutlich höhere Kosten für Rohöl und Erdgas. Besonders stark zog das Verarbeitende Gewerbe an, während die unternehmensnahen Dienstleistungen eine Dämpfung zeigen.

Der Preisdruck in Deutschland nimmt laut Ifo wieder spürbar Fahrt auf. Ausschlaggebend ist eine Kostenwelle: Mehrere Unternehmen wollen ihre Verkaufspreise erneut anheben, nachdem die Energiekosten zuletzt kräftig gestiegen sind. Im Ifo-Barometer zu den Preiserwartungen spiegelt sich das direkt wider. Für den Oktober meldete das Institut 25,9 Punkte, nach 23,0 Punkten im September. Damit wird deutlich, dass Unternehmen den aktuellen Kostenanstieg nicht als kurzfristige Ausnahme einordnen, sondern offenbar mit weiteren Belastungen rechnen.
Technisch betrachtet ist die Aussagekraft solcher Preiserwartungen nicht identisch mit einer amtlichen Inflationsmessung, aber sie wirkt als Frühindikator in Richtung späterer Preisbewegungen. Wenn Unternehmen ihre Kalkulationen anpassen und Preissetzungsspielräume nutzen, dann ist das häufig der Mechanismus, über den sich Energie- und Rohstoffkosten in der Realwirtschaft in Richtung Erzeuger- und Verbraucherpreise fortschreiben. Genau diesen Zusammenhang stellt auch das Ifo-Institut in den Vordergrund: In der zweiten Oktoberhälfte hätten Rohöl und Erdgas den höchsten Stand seit 2022 erreicht, was sich in den Erwartungen niederschlägt. Konjunkturchef Timo Wollmershäuser ordnet das als Reaktion auf die gestiegenen Kosten ein und erwartet in der Folge weiter anziehenden Teuerungsdruck.
Die Branchenverteilung des Oktober-Anstiegs fällt dabei nicht gleichmäßig aus, sondern zeigt, wo Unternehmen die Preissetzung besonders stark nach vorne schieben. Das Verarbeitende Gewerbe setzte sich im Barometer besonders deutlich ab: Das Niveau stieg auf 27,2 Punkte, nachdem es im September bei 22,0 Punkten lag. Auch der Handel reagiert offenbar mit Preisbereitschaft; im Einzelhandel legte der Index von 31,5 auf 32,2 Punkte zu. Bei den konsumnahen Dienstleistungen ging es von 15,1 auf 17,7 Punkte nach oben – ein Signal, dass sich die Erwartungen auch in Bereichen ausweiten, die nicht unmittelbar mit Rohöl und Gas in Verbindung stehen, aber häufig Kostensteigerungen in Servicepreise übersetzen.
Gleichzeitig zeigt das Ifo-Barometer, dass nicht jede Branche denselben Pfad nimmt. Im Bauhauptgewerbe blieb das Bild weitgehend stabil: Der Wert lag im Oktober bei 16,1 Punkten gegenüber 16,2 Punkten im September. Damit wirkt der Preisdruck in diesem Segment eher gedämpft, zumindest in der Erwartungshaltung. Eine Ausnahme vom generellen Aufwärtstrend bilden zudem die unternehmensnahen Dienstleistungen. Dort sank der Indikator von 23,4 auf 22,3 Punkte. Für Unternehmen in solchen Segmenten kann das bedeuten, dass entweder die Weitergabe von Kosten schwieriger ist oder man auf kurzfristige Entspannung hofft – beides kann Preiserwartungen kurzfristig bremsen, obwohl die Kostenlage in Teilen der Wirtschaft weiterhin unter Druck steht.
Für die wirtschaftliche Einordnung ist zudem relevant, wie weit der Preisdruck „breit“ wirkt, also wie viele Wertschöpfungsstufen betroffen sind. Ifo spricht ausdrücklich davon, dass die Inflation sowohl bei Erzeuger- als auch bei Verbraucherpreisen in den kommenden Monaten weiter zunehmen werde. Diese Formulierung ist wichtig, weil sie den Übergang von der Kostenseite zur Preisseite adressiert: Steigen erst die Erzeugerpreise, können sich erhöhte Beschaffungspreise anschließend in den Endkundenpreisen fortsetzen. In der Praxis hängt dieser Mechanismus aber auch davon ab, wie stark Nachfragerückgänge oder Wettbewerb die Preissetzung begrenzen. Der Ifo-Ansatz zeigt jedenfalls, dass die Erwartungen im Oktober nicht nur punktuell, sondern in vielen Bereichen gleichzeitig anziehen.
Für Entscheider in Unternehmen ist das Barometer vor allem ein Hinweis auf die Planungsunsicherheit in Pricing und Margensteuerung. Wenn die eigene Preiskalkulation spürbar von Energiekosten abhängt, hilft die Erwartungslage als Signal zur Beschleunigung von Anpassungsroutinen: von Vertrags- und Indexklauseln über Preisgleitklauseln bis hin zur Überprüfung von Einkauf und Produktkalkulationen. Auch unabhängig von direkter Energieintensität kann die Dynamik Auswirkungen haben, etwa weil Zulieferpreise steigen oder weil Kunden Budgetanpassungen auslösen. Gleichzeitig lohnt eine Differenzierung nach Branchen und Kundensegmenten, da der erwartete Preistrend laut Ifo nicht überall gleich stark ausfällt.
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