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LONDON (IT BOLTWISE) – ING soll Berichten zufolge einen Kredit-Portfolio-Verkauf für rund 500 Millionen US-Dollar aus Datenzentrum-Finanzierungen prüfen. Im Rahmen eines BWIC-Prozesses sollen Gebote ab einer Größe von 10 Millionen US-Dollar bis zum 19. November eingehen. Der Mix umfasst auch einen 25-Millionen-US-Dollar-Anteil, der mit dem Stargate-Projekt in New Mexico in Verbindung gebracht wird. Der Schritt zeigt, wie Banken das Kreditrisiko zunehmend auf Private-Credit-Firmen, Versicherer und Asset Manager verlagern wollen.

ING soll Datenzentrum-Kredite für 500 Mio. US-Dollar an Investoren verkaufen
ING soll Datenzentrum-Kredite für 500 Mio. US-Dollar an Investoren verkaufen (Foto: IT BOLTWISE)
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Die KI-Infrastruktur wird teuer – und damit wächst auch der Anteil an Krediten, die Banken nicht dauerhaft in der eigenen Bilanz halten wollen. Berichten zufolge sucht ING im Rahmen einer Veräußerung nach Käufern für ein Paket aus zwölf Datenzentrum-Darlehen mit einem Gesamtvolumen von rund 500 Millionen US-Dollar. Für Marktteilnehmer ist das vor allem deshalb relevant, weil der Verkauf nicht aus einem einzelnen Problemfall heraus entsteht, sondern in einen breiteren Trend fällt: Kreditrisiken rund um den Ausbau von Rechenzentrums- und Rechenkapazitäten werden zunehmend an Akteure außerhalb des Bankensektors übertragen.

Technisch und prozessual steckt dahinter ein relativ klar definierter Mechanismus: ING soll einen BWIC-Ablauf (bids-wanted-in-competition) nutzen, also einen wettbewerbsorientierten Prozess, bei dem Investoren konkret Gebote auf Teilportfolios abgeben. Laut den Angaben sollen Gebote mindestens 10 Millionen US-Dollar umfassen und bis zum 19. November eingereicht werden. In der Praxis bedeutet das, dass Käufer ihre Renditeerwartungen mit einem Portfolio-ähnlichen Blick auf erwartete Cashflows, Sicherheiten und Laufzeiten bewerten können – statt dass ein einzelnes Darlehen bilateral ausgehandelt wird.

Der ausgewählte Paket-Mix enthält nach den Berichten auch einen Anteil in Höhe von 25 Millionen US-Dollar, der mit dem Stargate-Projekt in New Mexico in Verbindung gebracht wird. Dazu gehören zudem weitere Kreditassets, die Berichten zufolge Unternehmen wie Vantage Data Centers und CyrusOne betreffen. Ein solches Bundling ist für Banken strategisch: Je ähnlicher die zugrunde liegenden Projektrisiken und Kreditstrukturen sind, desto einfacher wird es, die Risiko- und Bewertungsarbeit in einem konsolidierten Angebot zu bündeln. Für Investoren wiederum kann genau diese Portfoliologik attraktiv sein, weil sie nicht nur Einzelwetten auf einzelne Bauabschnitte verlangt, sondern Diversifikation innerhalb eines Segmentes ermöglicht.

Warum verkaufen Banken? Im Kern geht es um das Zusammenspiel aus Bilanzsteuerung und Risikoappetit. Investmentbanken nutzen in dieser Phase typischerweise Modelle, bei denen sie Kredite zunächst ausreichen und anschließend Teile des Risikos an andere Marktsegmente weitergeben, um Kapital freizusetzen. Als Beispiel wird in diesem Zusammenhang die erwartete Vielfalt potenzieller Käufer genannt: Private-Credit-Investoren, Asset Manager und auch Versicherer. Deren Geschäftsmodell zielt häufig darauf, Kreditrisiken gegen laufende Erträge zu halten – mit dem Unterschied, dass sie dafür andere Bewertungs- und Risikorahmen einsetzen als Banken in der Kreditvergabe.

Die eigentliche Marktspannung entsteht allerdings aus der Frage, ob die Bau- und Bereitstellungszyklen für US-Datenzentren sich verzögern und damit die Zahlungsfähigkeit beziehungsweise die Renditepfade einzelner Finanzierungsvorhaben beeinflussen könnten. In den Berichten wird explizit auf potenzielle politische Effekte verwiesen, etwa auf die Möglichkeit von Moratorien oder strengeren Auflagen für den Datenzentrumsbau in einzelnen Bundesstaaten. Solche Unsicherheiten trafen zuletzt auch die Börse: Der Nasdaq Composite wurde in der Sitzung, die mit diesen Sorgen in Verbindung gebracht wird, mit einem Tagesminus von 5,5% und dem schlechtesten Wert seit April 2025 beschrieben; zugleich fiel der Index in Korrekturterritorium.

Auch für die Anreizlogik hinter weiteren Verkäufen dürfte entscheidend sein, zu welchem Preis Banken aus ihren Engagements aussteigen können. Wenn ein Portfolio mit einem ausreichenden Discount verkauft wird, kann sich der Schritt dennoch lohnen, selbst wenn das Marktumfeld volatil bleibt. In dem Zusammenhang wird darauf verwiesen, dass Banken den Kosten-Nutzen-Abwägungsprozess nicht nur intern an der reinen Preisdifferenz ausrichten, sondern auch an der Frage, wie gut sich das Risiko gegenüber dem eigenen Gremium erklären und verantworten lässt. Anders gesagt: Ein Verkauf kann „Geschäft wie bisher“ sein, aber ebenso kann er ein strategischer Exit vor einer möglichen Verschärfung von Erwartungen oder Rahmenbedingungen werden.

Für Unternehmen und Investoren bedeutet der Prozess vor allem: KI-Expansion ist nicht nur ein Thema von Modellen und Rechenleistung, sondern auch von Kapitalstruktur und Kreditrisiken. Private Credit und Versicherer werden damit zu zentralen Abnehmern von Bankrisiken, während Banken ihre Exponierung laufend neu austarieren. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, ob weitere Portfolios in ähnlichen Strukturen folgen, sobald Märkte die tatsächlichen Verzögerungen bei Bauprojekten und die angebotsseitigen „Compute“-Engpässe besser einpreisen. Bis dahin dürfte die Geschwindigkeit des Risikotransfers ein wichtiger Indikator dafür sein, wie optimistisch oder vorsichtig der Kreditmarkt die Nachhaltigkeit des KI-Investitionszyklus bewertet.

Der konkrete BWIC-Ansatz mit Mindestgebotsgrößen macht zudem sichtbar, wie standardisiert solche Transaktionen inzwischen werden können. Wenn der Markt ausreichend Liquidität bereitstellt, können Käufer schneller skalieren; wenn nicht, bleibt das Risiko in der Bilanz der ursprünglichen Kreditgeber länger bestehen. Genau an dieser Schnittstelle treffen sich Technologieinvestments und Finanzierungsrealität: Der Ausbau von Datenzentren braucht nicht nur Strom, Flächen und Hardware, sondern auch belastbare Annahmen über Bauzeiten, Genehmigungen und die Finanzierungskonditionen über mehrere Laufzeitabschnitte.

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