DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Im vierten Quartal 2025 melden der Ingenieurmonitor die höchste Arbeitslosigkeit in Ingenieur- und IT-Berufen seit 2011. Konkret steigt die Zahl der Arbeitslosen auf 58.392, ein Plus von 16,7 Prozent zum Vorjahr. Gleichzeitig sinkt die Zahl der offenen Stellen auf 96.780, das sind 18,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der VDI warnt dennoch davor, daraus einen dauerhaften Rückgang des Ingenieurbedarfs abzuleiten.

Ingenieur- und IT-Arbeitsmarkt: Konjunkturflaute treibt Arbeitslosigkeit
Ingenieur- und IT-Arbeitsmarkt: Konjunkturflaute treibt Arbeitslosigkeit (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Konjunkturflaute schlägt nach den jüngsten Daten zum Ingenieurarbeitsmarkt deutlich durch – und zwar nicht nur in der Breite, sondern in Form klar unterscheidbarer Muster je Berufsfeld und Region. Der neueste Ingenieurmonitor weist für das vierte Quartal 2025 mit 58.392 Arbeitslosen in Ingenieur- und IT-Berufen den höchsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2011 aus. Damit verknüpft sich ein spürbarer Anstieg von 16,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auffällig ist dabei, dass parallel die Nachfrage nach Arbeitskräften nachlässt: Die Zahl offener Stellen liegt bei 96.780 und fällt damit um 18,2 Prozent im Jahresvergleich.

Technisch betrachtet lässt sich dieses Verhältnis aus Arbeitslosen und offenen Stellen als eine Art Lageindikator für Engpässe oder Überhänge im Qualifikationssegment lesen. Wenn beide Kennzahlen gleichzeitig steigen oder fallen, wäre das häufig ein Zeichen für zyklische Anpassungen; im vorliegenden Fall sinkt aber die Zahl der offenen Stellen bei gleichzeitig steigender Arbeitslosigkeit. Genau diese Konstellation deutet darauf hin, dass Unternehmen derzeit weniger Neueinstellungen planen oder Projekte zeitlich strecken, während qualifizierte Profile zunehmend länger im Bewerbungs- und Vermittlungsprozess verbleiben. Für die Praxis in Ingenieur- und IT-Teams bedeutet das: Pipeline und Recruiting-Planung müssen stärker auf kurzfristige Nachfrage-Schwankungen reagieren, statt sich ausschließlich auf langfristige Kompetenzprofile zu verlassen.

Unterhalb der Gesamtzahl zeigt der Monitor allerdings, dass der Arbeitsmarkt nicht gleichförmig reagiert. In den Informatikberufen geht die Zahl offener Stellen dem Bericht zufolge um 33,0 Prozent zurück, während sie in den Bauingenieurberufen lediglich um 3,8 Prozent sinkt. Diese Schere ist bemerkenswert, weil sie auf unterschiedliche Investitions- und Projektzyklen in den Feldern schließen lässt: Informatikrollen hängen häufig stärker an Digitalisierungsbudgets und IT-Erneuerungsroutinen, die in Abschwungphasen als erstes verschoben werden. Gleichzeitig verschärft die regionale Konzentration die Lage: Laut Monitor nahmen offene Stellen besonders stark in Bayern und Baden-Württemberg ab, Regionen, in denen die wirtschaftlich belastete Branche Fahrzeugbau eine hohe Bedeutung hat.

Auch bei der Arbeitslosigkeit variieren die Bewegungen. Während sie in den Bauingenieurberufen im Vorjahresvergleich um 5,8 Prozent steigt, nimmt sie in den Ingenieurberufen Technische Forschung und Produktionssteuerung um 32,9 Prozent zu. In den Ingenieurberufen Maschinen- und Fahrzeugtechnik erhöht sich die Arbeitslosigkeit sogar um 34,0 Prozent. Damit zeigt sich eine klare Parallelität zwischen Berufsfeldern mit hoher Nähe zu Industrie- und Produktionsumfeldern und der regionalen Belastung in Bundesländern mit starkem Fahrzeugbau-Bezug. Für Arbeitgeber heißt das: Selbst innerhalb einer Spartenlogik wie „Ingenieur“ oder „IT“ kann der Recruiting-Fokus sehr unterschiedlich ausfallen – je nachdem, welche Wertschöpfungssegmente gerade Projekte zurückstellen.

Der VDI versucht zugleich, die Interpretation der Zahlen zu entkoppeln von der Frage, ob Deutschland künftig weniger technische Fachkräfte benötigt. Nach Ansicht des Verbands dürfen die aktuellen Entwicklungen nicht automatisch als Signal für einen langfristigen Rückgang des Bedarfs gelesen werden. Der VDI verweist dabei auf Modernisierung und Transformation: Modernisierung der Infrastruktur, die Umstellung der Energieversorgung, Digitalisierung und neue Technologien würden den Bedarf an qualifizierten Ingenieurinnen und Ingenieuren langfristig prägen. Besonders aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang die Forderung nach nachhaltiger Fachkräfterelevanz: Der Verband stellt heraus, dass es wichtig bleibt, den Ingenieurnachwuchs zu fördern – unter anderem durch das Gewinnen von Frauen für den Ingenieurberuf. Der Kernpunkt dahinter ist betriebswirtschaftlich pragmatisch: Wer in Abschwüngen bei Nachwuchs, Qualifizierung und Fachkräftereserven nachlässt, riskiert bei einer anschließenden Erholung genau die Kompetenzen nicht schnell genug nachziehen zu können.

Für Unternehmen und Organisationen in der Praxis ergibt sich daraus eine doppelte Handlungslogik. Kurzfristig müssen sie die Personalplanung an die sinkenden Stellendaten anpassen, also Prioritäten bei Projekten setzen und interne Reskilling-Programme stärker mit der Projektpipeline verknüpfen. Langfristig sollten sie jedoch nicht in eine reine „Stopp-und-Warten“-Strategie kippen, weil die demografische und technologische Entwicklung im Ingenieurumfeld nicht automatisch mit der Konjunktur pendelt. Gerade in der KI-Entwicklung, wo digitale Produkt- und Prozessarchitekturen zunehmend auf Ingenieurwissen treffen, ist die Fähigkeit entscheidend, qualifizierte Teams auch in volatilen Phasen aufzubauen und zu halten. Der Ingenieurmonitor liefert damit weniger eine Entwarnung als eine präzise Momentaufnahme: Der Arbeitsmarkt kühlt ab, aber die strukturellen Treiber bleiben als Planungslinie bestehen.


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