VALENCIA / LONDON (IT BOLTWISE) – Das spanische Startup iPronics aus Valencia hat eine Series B über 125 Millionen US-Dollar angekündigt, angeführt von Maverick Silicon und Light Street Capital. Auch NVIDIA beteiligt sich an der Runde, die die Firma auf insgesamt 177 Millionen US-Dollar kumuliert. Kernprodukt ist iPronics ONE, ein Optical Circuit Switch, der Datenpfade im Rechenzentrum optisch umlegt. Ziel ist, die Netzwerkinfrastruktur für KI-Cluster robuster und gleichzeitig dichter zu machen.

Während sich die KI-Industrie bei neuen Modellen oft auf Rechenleistung und GPUs konzentriert, rückt iPronics mit einer anderen Engstelle in den Fokus: dem Netzwerk. In modernen Trainings- und Inferenz-Workloads bestimmen die Interconnects häufig mit, wie effizient Beschleuniger tatsächlich genutzt werden. Genau darauf zielt das spanische Deeptech-Startup iPronics, das eine Series B über 125 Millionen US-Dollar bekanntgegeben hat. Damit steigt das bisher eingesammelte Kapital des Unternehmens auf 177 Millionen US-Dollar. iPronics positioniert sich dabei als europäische Alternative in einem Bereich, der vom Marktdruck großer KI-Ökosysteme zusätzlich beschleunigt wird.
Technisch setzt iPronics auf einen Optical Circuit Switch (OCS) namens iPronics ONE. Die Idee: Datenpfade in Rechenzentren werden optisch umgeschaltet, ohne dass Lichtsignale zuerst in elektrische Signale umgewandelt werden müssen. Ein solcher Ansatz ist vor allem dann interessant, wenn Latenz, Energieverbrauch und Ausfallsicherheit im gleichen Paket verbessert werden sollen. iPronics verweist auf die Technologiegeschichte, in der optische Switches bereits in großen TPU-Clustern eine Rolle spielen, um Verkabelungs- und Routing-Probleme zu adressieren. Die daraus entstehende Startup-Welle zeigt, dass der Bedarf nicht nur akademisch ist, sondern zunehmend als Produktfrage bei externen Kunden landet.
Der wichtigste Versprechen-Kern des OCS liegt in der Ausfallsicherheit. Wenn in einem Cluster mit sehr vielen Beschleunigern ein Pfad oder ein Bestandteil ausfällt, müssen Datenströme weiterfließen können, ohne dass ein gesamter Trainingslauf abbricht. iPronics beschreibt genau diesen Mechanismus als umschaltbar „in Sekundenbruchteilen“ über alternative Routen. Für den Betrieb bedeutet das: Wiederherstellungszeiten werden verkürzt, und die Netzwerkinfrastruktur kann sich gewissermaßen selbst neu konfigurieren. Bei der ersten Produktgeneration, dem ONE-32, handelt es sich um einen 32-Port-Switch im 1U-Format. Das Unternehmen nennt für ihn eine Latenz von unter 30 Nanosekunden sowie eine Rekonfigurationszeit von weniger als 300 Mikrosekunden.
Die technischen Kennzahlen sind dabei nur eine Seite. iPronics adressiert auch, dass optische Ebenen im Rechenzentrum nicht isoliert existieren dürfen, sondern ins Cluster-Management eingebettet werden müssen. Deshalb liefert ONE Steuerung, Telemetrie und APIs mit. Damit lässt sich die optische Topologie aus dem Management-Stack heraus ansprechen, und ein KI-Cluster kann nach Bedarf zwischen Trainings- und Inferenz-Traffic umlegen. Gleichzeitig soll der Switch gegenüber klassischen Lösungen Transceiver-Anzahlen reduzieren, wodurch der Stromverbrauch des Switchings um bis zu 50 Prozent sinken könnte. Auf Hardware-Ebene heißt das: weniger Energie pro umgeschaltetem Pfad und potenziell mehr Spielraum, um Gesamtenergieziele im Rack einzuhalten.
Mit dem frischen Kapital will iPronics die Hardwaregeneration etwa um den Faktor 20 verkleinern. Der operative Denkansatz dahinter ist unmittelbar: Je mehr Switches in ein Server-Rack passen, desto größer können die Cluster werden, die sich damit verschalten lassen. Das ist zugleich die Brücke zur zweiten Priorität der Runde, nämlich dem Ausbau des operativen Geschäfts und der kommerziellen Ausrollung. Die Aussagen von CEO Christian Dupont machen dabei deutlich, dass es nicht nur um technische Machbarkeit geht, sondern um eine Größenordnung, die Kunden für breite Adoption benötigen. Auch CTO Daniel Pérez-López betont die Rolle von Referenzkund: innen und „Tier-One“-Partnern als Nachweis, dass sich die Technologie im großen Maßstab bauen und bereitstellen lässt.
iPronics’ Biografie erklärt, warum das Unternehmen beim Thema optische Interconnects ansetzt und nicht bei generischen Server-Switches. Gegründet wurde das Startup 2019 als Ausgründung der Technischen Universität Valencia (Universitat Politècnica de València). CTO Daniel Pérez-López kommt aus der Forschungslinie programmierbarer photonischer Schaltkreise, bei denen Lichtwege per Software umkonfiguriert werden, statt für jede Anwendung einen eigenen Chip zu fertigen. Das frühere Produkt SmartLight, ein programmierbarer photonischer Prozessor, ging an mehr als 20 Kund: innen aus Forschung und Industrie. Der Schritt vom „Forschungsinstrument“ hin zum Rechenzentrumsprodukt gilt als typische Hürde im Deeptech: Aus Labor-Performance muss Produkt-Performance werden, inklusive Fertigungsqualität, Packaging und Stabilität im Feld.
Unternehmen und Investoren sehen in genau dieser Interconnect-Ebene derzeit einen Nachholbedarf. Rechenzentren stoßen laut dem Branchendenken derzeit seltener an reine Rechenlimits, sondern eher an Netzwerk- und Stromgrenzen. In Racks liefen Hochgeschwindigkeitsverbindungen bislang häufig über Kupfer; mit Bandbreiten und Distanzen moderner Cluster geraten Kupfertechniken jedoch schneller an physikalische Grenzen. Der Umstieg auf Optik im Scale-up-Bereich (innerhalb der eng gekoppelten Beschleuniger-Domäne) schafft daher Bedarf für Switches, die den Interconnect-Ebene-Stack neu denken. Dass NVIDIA in der Runde präsent ist, wirkt dabei mehr als reine Finanzierung: Der Konzern treibt optische Vernetzung selbst voran und hat ein klares Interesse daran, dass die Infrastruktur für seine Beschleuniger mitwächst. Gleichzeitig unterstreicht die iPronics-Runde auch das europäische Potenzial in der integrierten Photonik, in einem Marktsegment, in dem europäische Teams historisch seltener die größten Stückzahlen kontrollierten.
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