LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Legal-Tech-Startup nutzt KI, um die Eignung für die Löschung oder Tilgung von Strafregistern in wenigen Minuten zu prüfen. Laut Bericht können Nutzer in drei US-Bundesstaaten den Prozess in etwa drei Minuten abschätzen lassen. Die Software soll außerdem den Aufwand für Anwälte beim Einreichen von Anträgen deutlich reduzieren, ohne den juristischen Review zu ersetzen. Der Ansatz zielt darauf, verstellte Wege zurück in den Arbeitsmarkt realistisch planbar zu machen.

Für Menschen mit Vorstrafen ist der Weg zurück in den Arbeitsmarkt oft weniger eine Frage der Qualifikation als der Dokumente im Hintergrundcheck. Genau an dieser Stelle setzt das Startup Rasa Legal an: Es nutzt Künstliche Intelligenz, um die formale Eignung für eine Tilgung oder Löschung von Strafregistern schneller zu bewerten und so aus einem zeitraubenden Such- und Prüfprozess einen deutlich schlankeren Einstieg zu machen. Im Kern adressiert Rasa damit ein Problem, das in der Praxis häufig erst nach dem ersten Kontakt mit Arbeitgebern sichtbar wird: Viele Entscheidungen passieren nicht in einem persönlichen Gespräch, sondern anhand dessen, was Aktenlagen und Datenbanken hergeben.
Technisch beschreibt der Bericht einen Ansatz, der weniger als „neue KI erfindet das Recht“, sondern eher als Automatisierung entlang bestehender Verfahren wirkt. In den drei Bundesstaaten, in denen das Angebot aktuell verfügbar ist, erlaubt die Webseite Nutzern eine erste Einschätzung zur Eligibility für expungement innerhalb von rund drei Minuten. Gleichzeitig entsteht bei den Juristinnen und Juristen weniger Handarbeit bei der Zusammenstellung: Die KI soll den Zeitraum für das Ausarbeiten und Einreichen von Petitionen laut Bericht um mehr als die Hälfte verkürzen, weil sie Teile der notwendigen Antragsformulierungen vorproduziert. Wichtig ist dabei der organisatorische Haken: Das System erstellt nicht „blind“ Schriftsätze, sondern Anwälte prüfen und korrigieren die Ausgaben, insbesondere weil es laut Schilderung gerade in frühen Phasen noch zu Fehlern kommen konnte.
Dass es überhaupt so viel Optimierungspotenzial gibt, hängt mit der Struktur der Akten zusammen. Der Bericht zeichnet nach, wie mühsam die Recherche früher war: Anwälte benötigten teils bis zu eine Stunde, um die Inhalte eines Datensatzes zusammenzufügen und daraus abzuleiten, ob die Person nach den Regeln des jeweiligen Staates überhaupt in Frage kommt. Eine besonders eindrückliche Szene ist dabei die Bildbeschreibung eines Papierrucksacks voller Dokumente, der so umfangreich war, dass er nicht vollständig getragen werden konnte. Genau aus dieser Diskrepanz zwischen „Daten sind vorhanden“ und „Prozess ist papierlastig“ entsteht die Idee, KI nicht als Wundermittel, sondern als Beschleuniger für die formale Arbeit einzusetzen.
Der Markt- und Timing-Kontext macht den Ansatz zusätzlich interessant: Während in der Tech-Welt über KI-gestützte Effizienzsteigerungen und über Arbeitsplatzrisiken durch Automatisierung diskutiert wird, zeigt Rasa eine andere Ausrichtung. Im Mittelpunkt steht weniger die Substitution „klassischer Einstiegsjobs“, sondern die Entlastung einer rechtlich-administrativen Hürde, die wiederum den Zugang zu genau solchen Einstiegspositionen erschwert. Der Bericht nennt außerdem Größenordnungen, die das Problem grundsätzlich groß machen: Es ist lang geschätzt worden, dass in den USA über 70 Millionen Erwachsene irgendeine Form von strafrechtlichem Eintrag haben, etwa Felony- oder Misdemeanor-Fälle und in bestimmten Konstellationen auch Arrests ohne entsprechende Verurteilung. Ergänzend verweist der Bericht auf eine juristische Abschätzung von Colleen Chien (University of California, Berkeley, School of Law) aus dem Jahr 2020, wonach mindestens 20 Millionen Menschen unter bestehenden Gesetzen eine teilweise oder vollständige Bereinigung erreichen könnten, dies aber noch nicht getan haben.
Für die operative Skalierung ist entscheidend, dass es keine bundesweite „einheitliche Expungement-Engine“ gibt. Der Bericht beschreibt, dass Rasa je Bundesstaat neue Datenaustausch- und Zugriffsschnittstellen aufbauen muss: Daten-Sharing-Vereinbarungen mit Gerichten, Bewährungs- und Strafvollzugsbehörden sowie privaten Anbietern gehören genauso dazu wie das Erlernen der jeweils gültigen Regeln. Dazu kommt die Fragmentierung der Systeme selbst: teils nutzen Landkreise eigene Formulare, teils existieren noch papierbasierte Abläufe. Genau deshalb wirkt der beschriebene KI-Einsatz besonders „engineering-nah“: Das Team nutzt Künstliche Intelligenz, um Fälle nach den jeweiligen Regeln zu codieren, Eligibility zu analysieren und anschließend Formulare zu generieren, die zu dem passen, was der Staat rechtlich zulässt.
Ökonomisch und sozial versucht der Bericht zugleich einen klaren Mechanismus zu zeigen: Zeitersparnis ermöglicht niedrigere Gebühren. Das Abfragen der Eignung über die App ist laut Darstellung kostenlos; danach kostet ein Anwaltstermin 25 USD, und bei Entscheidung für eine Umsetzung fällt eine Pauschale von 500 USD pro Fall an, die laut Bericht vollständige Rechtsvertretung sowie staatliche und gerichtliche Einreichgebühren umfasst. Damit will Rasa die Hemmschwelle senken, die bei privaten Kanzleien häufig aus dem Umfang der Arbeit und der damit verbundenen Preisgestaltung entsteht. Dass das nicht nur ein theoretischer Nutzen ist, wird am Ende über konkrete Biografien verankert: Virginia Mireles beschreibt im Bericht, wie sie nach Jahrzehnten zwischen Haft und Übergängen schließlich Rasa für eine expungement-Nutzung einsetzte und heute selbst mit potenziellen Mandanten spricht, während Sudbury betont, den menschlichen Kontakt bewusst nicht durch KI ersetzen zu wollen.
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