PITTSBURGH / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein groß angelegtes Forschungsprojekt zu kognitiven Veränderungen im Kontext von Lebensumständen steht in Pittsburgh plötzlich ohne Finanzierung da. Die „Phresh“-Studie hatte nach zwei kognitiven Tests gerade die Auswertung mit Neuropsychologie und gerontopsychiatrischer Beurteilung geplant. Rund 600 Teilnehmende erhalten damit womöglich nicht die versprochenen Rückmeldungen zu ihren Ergebnissen. Der Fall zeigt, wie eng medizinische Forschung, frühe Diagnostik und die Versorgungssituation in unterversorgten Communities miteinander verknüpft sind.

Für Roderick Blair begann der Tag der Änderung nicht im Labor, sondern in seiner Einfahrt in der Homewood-Nachbarschaft in Pittsburgh: Polizei- und Rettungsfahrzeuge standen bereit, ein TV-Team war vor Ort, und über dem Grundstück kreiste ein Hubschrauber. Für den 70-Jährigen kam das zunächst überraschend, weil die Kontaktaufnahme an einem von mehreren Zufallsvorbereitungswegen für eine Forschungsstudie anknüpfte. Blair, ein pensionierter Mitarbeiter für Notfallvorsorge, hatte wenig Lust, sich erneut einem langen Frage- und Messprogramm zu unterziehen. Dennoch blieb er über mehr als ein Jahrzehnt dabei – unter anderem mit Schlafmonitor, Fitness-Watch und detaillierten, teils sehr persönlichen Erhebungen zu Bildung, Kindheitserfahrungen und sogar zu sexualisiertem Missbrauch.
Das Design der Studie „Phresh“ (Pittsburgh Hill/Homewood Research on Eating, Shopping and Health) sollte ursprünglich an der Frage ansetzen, wie sich die Versorgungslage verändert, wenn ein Quartier einen nahegelegenen Supermarkt bekommt. Hill District und Homewood waren dafür als natürliches Experiment angelegt: Hill District sollte einen Laden erhalten, Homewood nicht. Als Dubowitz im ersten Teil gesundheitliche Verbesserungen in Hill District sah, stellte sich die Wirkung weniger als Folge des „Shopping“-Aspekts heraus, sondern eher als Ergebnis von „Investments“ in die Nachbarschaft. Deshalb entwickelte Dubowitz das Studiendesign weiter: weg vom reinen Fokus auf Lebensmittelverfügbarkeit hin zu Umgebungsfaktoren wie Geräuschkulisse und Schlaf, die blockweise über Parks, Gehwege und Infrastruktur erfasst wurden – später ergänzt um kardiovaskuläre Gesundheitsmarker und nach Rückmeldungen aus der alternden Kohorte auch um mentale Gesundheit und schließlich Alzheimer- und Demenz-bezogene Endpunkte.
Technisch interessant ist dabei vor allem der Schritt, der jetzt ins Stocken geraten ist: Am Ende des Prozesses standen zwei kognitive Untersuchungsrunden, die anschließend von Fachleuten „judiziert“ werden sollten, also von einem Neuropsychologen und einer gerontopsychiatrischen Fachperson interpretiert, bevor daraus verlässliche Aussagen zu kognitiven Veränderungen entstehen. Genau dieses „Adjudication“-Zeitfenster wird nach den Angaben aus dem Umfeld der Studie zu knapp oder gar nicht mehr erreicht. Die Betroffenen könnten dadurch ihre Ergebnisse nicht erhalten, obwohl die Messdaten bereits vorliegen. Tamara Dubowitz, Professorin an der University of Pittsburgh und Epidemiologie-Lehrstuhlinhaberin, brachte den Kern des Problems auf den Punkt: „The real loss is that we promised our participants information and feedback based on their two cognitive tests or assessments that they did.“ Für Blair wiederum bedeutet das nicht nur einen Forschungsbruch, sondern in seiner Deutung eine Art Vergeltung; er spricht von „clear retribution“.
Der Förderstopp fällt in eine politische Gemengelage, die in den USA seit 2025/2026 wiederholt zu Unterbrechungen in der biomedizinischen Förderung führt. Laut dem Text wurden zahlreiche NIH-Medical-Research-Grants – allein am National Institutes of Health – gekürzt, eingefroren oder anderweitig gestoppt; den Forschenden wurde eingeräumt, die Studie innerhalb von 90 Tagen abzuschalten, also deutlich früher als zunächst erwartet. In solchen Zeitplänen geht es nicht um „Theorie“: Blutproben, Scan-Unterlagen und die organisatorischen Elemente für die medizinische Auswertung sind an den laufenden Studienbetrieb gekoppelt. Bei „Phresh“ ist zudem vorgesehen, dass Teilnehmende Rückmeldungen erhalten und – falls nötig – Follow-ups mit behandelnden Ärzten anstoßen lassen. La’vette Wagner, Field Coordinator von „Phresh“, beschreibt die Konsequenz konkret: „Now that it’s defunded, we are not going to be able to do that.“
Aus wissenschaftlicher Sicht verstärkt der Kontext die Relevanz für die spätere Versorgung. Rund 7 Millionen Menschen in den USA leben mit Alzheimer; das Risiko ist für Schwarze Menschen deutlich höher. Laut Alzheimer’s Association liegt bei Black Americans das Risiko der Alzheimer-Demenz nahezu doppelt so hoch. Gleichzeitig berichten die im Text genannten Zahlen von einer methodischen Schieflage in vielen Studien: Von über 12.000 Alzheimer-Brain-Imaging-Studien führen nur etwa 700 überhaupt eine Race-Angabe. In den Studien, die Race berichten, sind über 87 % der Teilnehmenden weiß – bei US-Zensusdaten seien es 2020 etwa 58 % gewesen. Das hat Folgen, weil sich Erkrankungsbilder nicht nur über „Anwesenheit“ oder „Abwesenheit“ bestimmter Marker unterscheiden, sondern über Muster von Komorbiditäten: Rosso beschreibt, dass klinische Samples aus der Bevölkerung, die stark auf weiße Teilnehmende ausgerichtet sind, häufiger „pure“ Alzheimer-Pathologie zeigen, während in Community-Rekrutierungen deutlich häufiger „mixed pathology“ vorkommt.
Auch die wissenschaftliche Kernlogik des Ansatzes wird im Text breit belegt: Lebensverläufe, Diskriminierung, Trauma und deren messbare Effekte auf Gesundheit sind nicht bloße Annahmen, sondern werden mit etablierten Instrumenten wie ACEs (Adverse Childhood Experiences) operationalisiert. Dazu kommt eine oft umstrittene Debatte darüber, ob Selbstberichte wissenschaftlich belastbar sind. Negar Fani argumentiert laut Text dagegen: „PTSD researchers – we don’t go into history and try to find police reports.“ In der „Cobra“-Studie am selben Standort geht es zusätzlich um Connectomics in der Hirnalterung und um die Abgleichung von Biomarkern mit Kennwerten wie dem Area Deprivation Index. Bei Emory wiederum untersuchte Fani die Auswirkungen von Diskriminierung auf die weiße Substanz des Gehirns; dort wurden Scans, Biometrics und Fusion-Analysen genutzt. Gemeinsam ist diesen Projekten, dass „Race“ eher als Abkürzung für tiefere, biologische und soziale Mechanismen verstanden wird, die sich im Körper abbilden.
Für die Governance und den Rechtsrahmen ist der Fall ebenfalls bedeutsam. Laut dem Text wurden Forschende nicht nur mit dem Verlust einzelner Grants konfrontiert, sondern mit einem Muster, bei dem Experten zumindest rechtlich in Betracht ziehen, dass Entscheidungen gerichtlich korrigiert werden könnten. Lawrence Gostin, Professor für Global Health Law, äußerte im Umfeld der Berichte eine Einschätzung, die sich explizit auf eine mögliche Rechtswidrigkeit bezieht: Den Angaben zufolge soll das Vorgehen nach einem Muster funktionieren, bei dem erst Maßnahmen ergriffen und dann gerichtlich „abgefedert“ werden, um anschließend eine rechtlich tragfähigere Umgehungsstrategie zu finden. Auf der Uni-Seite läuft die Aufarbeitung über Appeals: Die University of Pittsburgh reiche Rechtsbehelfe beim NIH ein; Jared Stonesifer beschreibt den Prozess als ersten Schritt im Verwaltungsweg, mit dem Ziel, Entscheidungen überprüfen zu lassen. Parallel benennen Forschende und Institutionen das Thema als Teil einer breiter angelegten Klage über eine angebliche Zensur von Forschung, deren Schlussfolgerungen politisch nicht passen.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "KI für Alzheimer-Forschung: Studie in Pittsburgh wegen Förderstopp ausgesetzt" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "KI für Alzheimer-Forschung: Studie in Pittsburgh wegen Förderstopp ausgesetzt" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »KI für Alzheimer-Forschung: Studie in Pittsburgh wegen Förderstopp ausgesetzt« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!