LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Preise für zentrale Rohstoffe ziehen spürbar an, weil KI-Rechenleistung und Robotik zusätzliche Nachfrage erzeugen. Indium und Germanium verteuerten sich seit Jahresbeginn um mehr als 70 Prozent. Kupfer erreichte am 4. August mit 14.066 Dollar pro Tonne den höchsten Stand seit Mitte Mai. Gleichzeitig laufen milliardenschwere Ausbauprojekte für Seltene Erden und Magnetmaterialien an.

KI und Robotik treiben Spezialmetalle: Indium, Germanium und Kupfer verteuern sich
KI und Robotik treiben Spezialmetalle: Indium, Germanium und Kupfer verteuern sich (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Rohstoffmarkt bekommt gerade ein neues Taktgefühl: Nicht nur die allgemeine Industrieproduktion, sondern vor allem die KI-getriebene Rechenleistung und die wachsende Robotik verändern die Nachfrageprofile. Das äußert sich in Preisbewegungen bei Metallen, die in der digitalen Infrastruktur und in der Robotik nicht als „Nebenrollen“ vorkommen. In der Folge entsteht ein Superzyklus-Denken, bei dem Lieferketten für Hightech-Metalle kurzfristig unter Druck geraten und Investitionsprogramme zur Rohstoffsicherung schneller hochgefahren werden.

Bei den Spezialmetallen ist die Dynamik besonders sichtbar. Laut den im Text genannten Marktbewegungen verteuerten sich raffinierte Indium-Preise seit Jahresbeginn um mehr als 70 Prozent, während Germanium-Barren sogar um 75 Prozent zulegten. Diese Sprünge sind nicht nur eine Frage des abstrakten Angebots und der Nachfrage, sondern hängen auch an der engen Verfügbarkeit von Vorstufen, an der Raffinationskapazität und an der Tatsache, dass sich für bestimmte Materialien Lieferketten nicht von heute auf morgen umstellen lassen. Gleichzeitig berichten die großen Produzenten im ersten Halbjahr über Gewinnsteigerungen zwischen 148 und 275 Prozent, was die Marktmechanik aus höheren Preisen, vorlaufenden Vertragsstrukturen und kurzfristig besserer Auslastung verdeutlicht.

Auch Industriemetalle sind betroffen, allerdings mit anderen Treibern. Am 4. August erreichte Kupfer an der Londoner Börse 14.066 Dollar pro Tonne – damit der höchste Stand seit Mitte Mai. Bereits im Juli seien zudem mehr als 200.000 Tonnen des Metalls in US-Häfen angekommen, der höchste Monatswert seit über einem Jahrzehnt. Solche Daten zeigen, dass sich parallel zur steigenden Nachfrage auch der physische Warenfluss verstärkt, während Faktoren wie ein schwacher US-Dollar und Lieferängste die Preisbildung zusätzlich anheizen. Für Unternehmen bedeutet das: Selbst wenn sich das Angebot im physischen Sinne verbessert, können Marktpreise kurzfristig weiterhin stark schwanken.

Während Rohstoffpreise steigen, laufen zugleich konkrete Projekte an, um die Versorgung für Robotik- und Verteidigungstechnik abzusichern. Im Text wird beschrieben, dass westliche Regierungen den Aufbau eigener Förderkapazitäten vorantreiben. Konkret startet das US-Unternehmen Energy Fuels eine 104-Millionen-Dollar-Erweiterung seiner Anlage in Utah, um dort ab Ende 2027 Dysprosium und Terbium in kommerzieller Menge zu produzieren; ab 2028 sollen weitere Seltene Erden folgen. Parallel wird auch ein 725-Millionen-Dollar-Kredit des US-Strategiekapitalbüros erwähnt. Dass außerdem das Startup Phoenix Tailings mit einem 500-Millionen-Dollar-Darlehen des Pentagons seine Samarium-Produktion ausbauen will (von 200 Kilogramm pro Jahr auf fünf Tonnen binnen drei Monaten), unterstreicht, wie stark der Materialbedarf an die Planungszyklen für industrielle Skalierung gekoppelt ist.

Der nächste Engpass entsteht häufig dort, wo aus Rohstoffen Bauteile und am Ende Systemkomponenten werden. Der Text nennt deshalb ausdrücklich KI-Infrastruktur als Preistreiber: Investitionen in Rechenzentren sind inzwischen auf ein Ausgabenvolumen von „über einer Billion Dollar“ gestiegen. In der Elektronikbranche wirkt das direkt auf Komponenten wie Mehrschicht-Keramikkondensatoren (MLCCs). Samsung Electro-Mechanics soll am 1. August die Preise für MLCCs um 30 Prozent erhöht haben, und ein KI-Server-Schrank benötige bis zu 440.000 solcher Bauteile – fast zehnmal so viele wie ein Standardserver. Damit wird klar: Es reicht nicht, nur die „großen“ Rohstoffe zu betrachten; die Stückzahlen an passiven Bauteilen machen die gesamte Lieferkette skalierungsanfällig.

Neben dem Materialengpass verschärft die Regulierungs- und Handelsseite die Lage. Im Text wird ein geplantes Verbot chinesischer Glasfasertransceiver erwähnt, das „noch 2026“ in Kraft treten könnte. Da chinesische Hersteller laut Branchenangaben etwa 60 Prozent des Weltmarkts für schnelle 800G-Transceiver kontrollieren, drohen Engpässe in Rechenzentren – und damit indirekt erneut höhere Kosten und längere Beschaffungszeiten. Zusätzlich werden Indiumphosphid-Wafer als weiteres Beispiel genannt: Seit Anfang 2025 sollen die Preise um 250 Prozent gestiegen sein. Für die deutsche Industrie ist das relevant, weil Halbleiter- und Automobilzulieferer in der Praxis nicht nur auf stabile Chips angewiesen sind, sondern auch auf eine verlässliche Vorprodukt- und Komponentenversorgung, die bei Rohstoffknappheit und Transport-/Zulieferrisiken sofort mit wackelt.

Auch die Standortfrage spielt hinein. Die Robotik-Komponentenfertigung verlagert sich dem Text zufolge zunehmend nach Südostasien: In Thailand habe die Investitionsbehörde die Genehmigung über mehr als zehn Milliarden Baht für fünf chinesische Unternehmen erteilt, die im Eastern Economic Corridor eine Fertigungsbasis für humanoide Roboter aufbauen; ab 2027 sollen dort Strukturteile wie Gelenke und Gehäuse entstehen. Gleichzeitig investiert die Magnetbranche weiter: Das US-Unternehmen MP Materials soll mit über 1,25 Milliarden Dollar seinen Standort in Texas ausbauen, mit einer geplanten Kapazität von 10.000 Tonnen Neodym-Eisen-Bor-Magneten ab 2028. Unterm Strich verschiebt sich damit die industrielle Landkarte entlang von Rohstoffnähe, Prozesskompetenz und Produktionsskalierung – genau dort, wo KI- und Robotik-Programme in den nächsten Jahren ihre Stückzahlen hochziehen.


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