LONDON (IT BOLTWISE) – Der Kölner Ladeinfrastrukturbetreiber TankE reagiert auf eine Serie von Kupferdiebstählen an fest installierten Kabeln von Gleichstrom-Schnellladern. Von rund fünf Fällen 2024 stiegen die registrierten Diebstähle bis Januar bis Oktober 2025 auf etwa 60. Der reale Schaden liegt trotz vergleichsweise geringen Kupferwerts zwischen 5.000 und 8.000 Euro pro Fall. Parallel fordert das BSI strengere Schutzvorgaben, weil auch digitale Schnittstellen der Ladepunkte zunehmend zum Angriffsziel werden.

Diebstahl ist selten nur ein materielles Problem – bei Ladeinfrastruktur trifft er gleich mehrere Ebenen. TankE, ein Ladeinfrastrukturbetreiber aus Köln, berichtet von einer Serie von Kupferdiebstählen, die vor allem Gleichstrom-Schnellladestationen trifft. Dort sind die Kabel fest installiert und enthalten einen hohen Kupferanteil, was sie für Täter besonders attraktiv macht. Auffällig ist, dass TankE an mehreren Standorten bereits spezielle Schutzvorrichtungen nachrüstet und weitere Maßnahmen noch in der Testphase laufen.
Rein rechnerisch wirken Kupfer und Kabel zwar zunächst wie ein überschaubarer Verlustposten – tatsächlich schlagen die Ausfälle und Folgearbeiten aber deutlich stärker durch. Laut Angaben des Unternehmens lag der Kupferwert eines Kabels bei etwa 50 Euro. Der daraus entstehende Sachschaden beziffert TankE jedoch auf eine Spanne von 5.000 bis 8.000 Euro pro Fall. Neben dem reinen Austausch des Kabels kommen vor allem die Reparatur der beschädigten Elektronik und die fachgerechte Montage hinzu. Für Betreiber ist das in der Praxis auch ein Verfügbarkeitsrisiko: Jede Reparatur bindet Personal und Zeit, während die betroffenen Ladepunkte in der Phase des Austauschs außer Betrieb sind.
Die Fallzahlen helfen dabei, das Ausmaß einzuordnen. Für 2024 nennt TankE gerade einmal fünf Diebstähle, während von Januar bis Oktober 2025 rund 60 Fälle registriert wurden. Das ist nicht nur eine prozentuale Steigerung, sondern verschiebt den Betrieb in einen Modus, in dem Sicherheit und Instandhaltung kontinuierlich nachziehen müssen. TankE betreibt insgesamt 1.330 Ladepunkte in Köln, darunter 184 DC-Schnelllader und 1.146 AC-Ladepunkte. Genau diese Verteilung erklärt, warum DC-Schnelllader im Fokus stehen: Die Struktur der Anlage und die fest installierten Komponenten erhöhen die Angriffsoberfläche für physische Täter – während AC-Ladepunkte zwar ebenfalls relevant sind, jedoch in der geschilderten Häufung offenbar weniger oft betroffen waren.
Dass dieses Muster nicht auf eine Stadt beschränkt ist, zeigt der Blick über die lokale Ebene hinaus. In Polen schätzt der Betreiber Powerdot, dass etwa zehn Prozent der Infrastruktur betroffen sind. Dort nennt die Quelle Reparaturkosten von 15.000 bis 30.000 Z?oty, während die Täter maximal 400 Z?oty Erlös erzielen. Für die wirtschaftliche Bewertung ist diese Diskrepanz entscheidend: Der Täterprofiltarif ist niedrig, der Schaden für den Betreiber dagegen hoch – und zusätzlich steigt der organisatorische Aufwand durch wiederholte Schadensfälle. Auch in anderen Regionen kommt es zu harten Konsequenzen: In G?ogów verurteilte ein Gericht einen Dieb zu acht Monaten Haft, Sozialstunden und Schadensersatz. Parallel bleiben weitere Infrastrukturbereiche nicht verschont; in einer Bahntrasse der Harzer Schmalspurbahnen wurden demnach ebenfalls kürzlich Kupferkabel entwendet, mit einem Schaden von über 10.000 Euro.
Damit rückt auch die Frage in den Vordergrund, wie Betreiber künftig Schutz kombinieren sollten – physisch wie digital. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) forderte Anfang August verbindliche, strengere Vorgaben für die öffentliche Ladeinfrastruktur. Zwar sieht die Behörde keinen akuten Alarmzustand, benennt aber wachsende Risiken bei der Steuerung der Anlagen und bei der Kommunikation mit Netzbetreibern. Entscheidend ist dabei die Schnittstelle: Wenn Zugänge, Protokolle oder Integritätsmechanismen an Übergabepunkten schwach abgesichert sind, können Angriffe längerfristig die Netzstabilität gefährden. Als konkreten Hinweis auf reale technische Angriffsflächen nennt die Quelle den Chaos Computer Club, der Schwachstellen bei Funkmodulen von Wechselrichtern aufgedeckt habe, die ein ferngesteuertes Abschalten von Anlagen ermöglichten.
Für die Branche folgt daraus ein Doppelauftrag, der sich nicht auf „mehr Hardware“ reduzieren lässt. Einerseits müssen Betreiber wie TankE technische und organisatorische Maßnahmen gegen Diebstahl verstärken – etwa durch Schutzvorrichtungen, die sowohl mechanische Angriffe abwehren als auch Wartungs- und Reparaturwege beschleunigen. Andererseits gewinnt Cybersicherheit an Bedeutung, weil moderne Energieanlagen stärker vernetzt sind und damit neue Angriffsvektoren entstehen. Die Quelle verweist außerdem auf den Boom privater Energieinfrastruktur: Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland 203.000 neue Balkonkraftwerke registriert. Je mehr Geräte verteilt ans Netz gehen, desto wichtiger werden standardisierte Verschlüsselung und Architekturentscheidungen ohne externe Funkkommunikation – nicht als Einmalprojekt, sondern als wiederkehrende Grundlage für Betriebssicherheit. Für Entscheider bedeutet das: Sicherheitsthemen lassen sich immer weniger in Silo-Projekte trennen, und ein aktueller Vorfall an der physischen Ebene macht die Notwendigkeit robuster digitaler Schutzkonzepte umso sichtbarer.
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