MÜNCHEN (IT BOLTWISE) – Tonscherben sind das tägliche Brot von Wissenschaftler Enrique Jiménez. Der Forscher setzt antike Literatur auf Tonfragmenten zusammen und das macht er auf höchst moderne Art und Weise. Es könne laut der Universität in München schonmal einen ganzen Tag dauern, um eine einzelne Tonscherbe zu entziffern und ihren Platz in einem vorhandenen Text zu ermitteln. Bei rund 33.000 größeren und klitzekleinen Tonscherben, die er erforschen will, kämen auf die traditionelle Weise des manuellen Zusammenfügens also wohl einige Tausend Tage an Arbeit zusammen. Genau damit soll bald Schluss sein. Künstliche Intelligenz soll den Forschern nun unter die Arme greifen.

Die tägliche Arbeit von Wissenschaftlern wie Enrique Jiménez ist sehr mühsam, zeitaufwendig, anstrengend und ziemlich leicht schleichen sich auch Fehler ein. Mit einer Lupe und einer Lampe entziffern Altorientalisten wie der 34-jährige aus Spanien und Wahl-Münchener Scherben aus Ton, auf welche Menschen vor Jahrtausenden mit Griffeln Schriftzeichen geritzt haben: die sogenannte Keilschrift. Aus Tausenden Teilen an Scherben und Fragmenten gilt es, passende Teile zusammenzufügen, die einen Text ergeben – Puzzeln für Profis eben.

Es könne laut der Universität in München schonmal einen ganzen Tag dauern, um eine einzelne Tonscherbe zu entziffern und ihren Platz in einem vorhandenen Text zu ermitteln. Bei rund 33.000 größeren und klitzekleinen Tonscherben, die er erforschen will, kämen auf die traditionelle Weise des manuellen Zusammenfügens also wohl einige Tausend Tage an Arbeit zusammen. Genau damit soll bald Schluss sein.

Künstliche Intelligenz soll den Forschern nun unter die Arme greifen. Der Professor tüftelt mit zehn Mitarbeitern an einer Datenbank und einem Algorithmus, der das große Puzzle schneller zusammensetzen soll. “Wenn der Algorithmus fertig ist, soll er in der Lage sein, einzelne Textsequenzen mit der Datenbank abzugleichen und Fragmente zu finden, die zusammengehören könnten”, erklärt Jiménez.

Eine der ersten Herausforderungen dabei ist die Keilschrift selbst. Denn: Es gibt keine Rechtschreibregeln. Ein Zeichen könne viele Bedeutungen und ein Wort viele Schreibweisen haben, so der leitende Wissenschaftler Jiménez weiter. Diese gilt es, dem Algorithmus beizubringen. “Der Computer kann alle Lesarten und Bedeutungen gleichzeitig in Betracht ziehen. Ihm reichen einzelne Sequenzen, die für sich genommen bedeutungslos erscheinen.”

Der ausgearbeitete Algorithmus soll im zweiten Schritt programmiert werden und dazulernen. Dabei nutzt Jiménez ein bereits erprobtes KI-Werkzeug aus der Biologie: den sogenannten BLAST-Algorithmus. BLAST steht für “Basic Local Alignment Search Tool” und wird bereits erfolgreich in der Biologie etwa genutzt, um DNA-Daten zu vergleichen. Seine Abwandlung will Jiménez “CuneiBLAST” nennen – angelehnt an das englische Wort für Keilschrift (Cuneiform).

Mit seinem Projekt mithilfe von künstlicher Intelligenz liegt Jiménez voll im Trend. Allein an der LMU wird nach Angaben der Münchener Universität in mehr als einem Dutzend Bereichen mit KI geforscht, zum Beispiel in Naturwissenschaften, Philosophie und BWL. Eine genaue Zahl der Projekte kann die LMU nicht nennen.

LMU München: Enrique Jiménez arbeitet mit zehn Mitarbeitern an einem KI-Algorithmus um antike Texte zu entschlüsseln (Foto: LMU München)
LMU München: Enrique Jiménez (Foto: LMU München)




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