KIEW / LONDON (IT BOLTWISE) – MacPaw und das MIT-Spin-off Liquid AI wollen lokale Foundation-Model-KIs direkt auf Apple-Rechnern nutzbar machen. Im Fokus steht ein macOS-Stack, der Liquid Foundation Models mit Elix (Inference) und Mnemos (Speicher) kombiniert. Als Start wird der KI-Assistent Eney vorgestellt, der laut Angaben ohne Cloud-Infrastruktur Anfragen verarbeitet. Gleichzeitig planen beide die Integration in Setapp mit kreditbasierten KI-Plänen und On-Device-Inferenz auch für externe Entwickler.

Die Partnerschaft zwischen MacPaw und Liquid AI zielt auf einen konkreten Hebel: KI-Funktionen sollen nicht mehr zwingend über zentrale Server laufen, sondern so nah wie möglich am Nutzer stattfinden. Das bedeutet in der Praxis On-Device-Inferenz auf Apple-Computern, also die Verarbeitung direkt auf dem Endgerät. MacPaw nennt dafür eine strategische Zusammenarbeit, bei der Foundation Models in den eigenen technologischen Stack integriert werden. Der Ansatz ist vor allem dann attraktiv, wenn Unternehmen und Power-User weniger Latenz bei häufigen Routinetasks erwarten und gleichzeitig verhindern wollen, dass sensible Inhalte überhaupt die lokale Umgebung verlassen.
Technisch beschreibt die Zusammenarbeit einen lokalen KI-Stack für macOS, der nicht bei einem einzelnen Modell stehen bleibt. Stattdessen sollen die Liquid Foundation Models (LFMs) des Partners mit MacPaws eigenen Komponenten Elix und Mnemos zusammenspielen. Elix wird dabei als Inferenz-Komponente eingeordnet, also als Teil, der die eigentliche Modell-Ausführung organisiert. Mnemos übernimmt die Rolle einer spezialisierten Speicherlösung innerhalb des Systems. Ergänzt wird das Ganze durch ein Agent-Framework, das komplexere Arbeitsabläufe lokal verarbeiten soll. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von „Chat mit einem Modell“ hin zu einer eher orchestrierten Ausführung mehrstufiger Aufgaben – etwa wenn mehrere Schritte in einer Sitzung ineinandergreifen und Zwischenstände lokal verfügbar bleiben müssen.
Als erstes konkretes Beispiel nennt die Kooperation den KI-Assistenten Eney. Der Assistent soll laut den Angaben die On-Device-Inferenz über die Elix-Inference-Engine nutzen und dabei auf den Mnemos-Speicher zugreifen. Entscheidend ist dabei der angekündigte Verzicht auf den Umweg über eine Cloud-Infrastruktur: Anfragen werden demnach direkt am Gerät bearbeitet. Für Anwender ist das zweischneidig, aber meist vorteilhaft. Einerseits sinkt typischerweise die Wartezeit, weil Netzwerkpfade entfallen; andererseits reduziert sich das Risiko, dass private Daten über Transport und externe Speicherung in zusätzlichen Systemgrenzen landen. Gleichzeitig hängt die reale Leistungsfähigkeit solcher lokalen Setups stark von CPU/GPU-Ressourcen, RAM und der Effizienz des Modells ab – genau deshalb sind die Parameterangaben in der folgenden Modellbeschreibung so relevant.
Liquid AI bringt in diesem Kontext ein neues Modell-Release in die Diskussion: Anfang August wurde mit LFM2.5-2.6B eine Iteration veröffentlicht, die für Smartphones oder Desktop-Rechner ohne Cloud-Anbindung ausgelegt sein soll. Genannt werden 2,6 Milliarden Parameter, dazu eine Verarbeitungsgeschwindigkeit von bis zu 30 Token pro Sekunde und ein Speicherbedarf von weniger als 2,5 GB Arbeitsspeicher. Das Training sei auf einer Basis von etwa 34 Billionen Token erfolgt; außerdem unterstützt das System laut Angaben ein Kontextfenster von 128K. Diese Kombination ist für die Praxis wichtig, weil längere Kontextfenster gerade bei lokalen Assistenz-Workflows die Zahl der nötigen Zusammenfassungen reduzieren können. Wer lokal arbeitet, spürt zudem jeden zusätzlichen Speicherverbrauch: Unter 2,5 GB RAM kann in vielen Setups den Unterschied machen, ob ein Modell dauerhaft im Alltag nutzbar bleibt oder ob es nach kurzer Zeit an Grenzen stößt.
MacPaw unterstreicht mit dem Schritt seine Positionierung als Plattformanbieter für lokale KI-Anwendungen. Auf der Nutzerseite wird die erwartete Konsequenz so beschrieben: mehr Stabilität der Leistung, auch ohne aktive Internetverbindung. Für den Markt ist das ein klares Signal, denn die meisten KI-Produkte wurden in den vergangenen Jahren primär als Cloud-Dienste gestaltet – häufig mit dem Argument, Skalierung und Modellupdates zentral abzuwickeln. Lokale Ansätze konkurrieren hier mit der Frage, wie gut „Privacy und Latenz“ gegen „universelle Leistungsfähigkeit“ abgewogen werden. Dass Liquid AI laut Branchenberichten bereits Erfahrungen aus dem Einsatz in verschiedenen Bereichen mitbringt – darunter Automobilhersteller wie Mercedes-Benz, Pharmaforschung bei Insilico Medicine und E-Commerce-Umgebungen wie Shopify – lässt zumindest erwarten, dass die Technologie nicht nur aus Forschungssicht, sondern auch aus Produktperspektive adressiert wurde.
Für die Verbreitung sorgt zusätzlich der geplante Rollout in Setapp. Der Store für macOS-Anwendungen zählt laut den Angaben aktuell über 150.000 zahlende Nutzer; künftig sollen dort KI-Apps über kreditbasierte Pläne angeboten werden. Im Zuge dieser Neuausrichtung erhalten auch externe Entwickler, die ihre Software über Setapp vertreiben, Zugriff auf die Infrastruktur für die On-Device-Inferenz. Für den Ökosystem-Gedanken ist das bedeutsam: Wenn der „KI-Unterbau“ leichter in Apps integrierbar wird, sinken die Hürden für neue Angebote und der Wettbewerb verschiebt sich vom reinen Modellzugriff hin zur User Experience und zu den Agenten-Workflows. Erste Ergebnisse und eine breitere Verfügbarkeit der gemeinsamen Entwicklungen werden für den weiteren Verlauf des Jahres 2026 erwartet.
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