LONDON (IT BOLTWISE) – Mark Wahlberg setzt auf einen bewussten KI-Einsatz in der Filmproduktion, statt auf komplett generierte Drehbücher. Für seinen kommenden Pete-Rose-Biopic kündigt er an, KI gezielt für die Inszenierung des Stadions nutzen zu wollen. Gleichzeitig zeigt er sich offen dafür, dass sein digitales Abbild später seine Rolle in Serien und Animationsprojekten weiterführen könnte. Der Schauspieler betont dabei klar, dass Erzählung und echte Darsteller den Kern ausmachen sollen.

Mark Wahlberg: KI im Film nur mit Story im Zentrum
Mark Wahlberg: KI im Film nur mit Story im Zentrum (Foto: IT BOLTWISE)
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Mark Wahlberg ordnet Künstliche Intelligenz in der Filmindustrie überraschend nüchtern ein: nicht als Ersatz für die kreative Arbeit, sondern als Werkzeug, das dann sinnvoll ist, wenn es reale Produktion stärkt. Während Hollywood weiterhin sichtbar darüber streitet, wie weit KI in Drehprozess, Casting und Postproduktion eingreifen sollte, sieht Wahlberg vor allem dort einen Platz für KI, wo sie die Inszenierung ergänzt. Sein Leitmotiv lautet dabei „richtig verwenden“ – und das bedeutet in seiner Darstellung vor allem, Storytelling als Auftrag und Verantwortung zu verstehen, nicht als Nebenprodukt technischer Automatisierung.

Konkreter wird er bei seinem geplanten Pete-Rose-Biopic, in dem er die Hauptrolle übernehmen soll. Wahlberg kündigt an, KI eventuell einzusetzen, um bestimmte Teile der Filmwelt zu verbessern – insbesondere die Stadion-Umgebung. Diese Perspektive ist technisch plausibel: Gerade in Szenen mit komplexen Crowd- und Kulissenbildern lassen sich mit KI-gestützten Verfahren häufig schneller konsistente Hintergrundelemente erzeugen oder bestehende Aufnahmen so anpassen, dass sie visuell stimmiger wirken. Gleichzeitig grenzt er sich klar gegen den Gedanken ab, ein System wie ein generatives Chat-Tool „einfach ein Drehbuch ausspucken“ zu lassen und das Ergebnis ohne echte künstlerische Prüfung in Produktion zu überführen.

Seine Position enthält damit zwei Ebenen, die in der Praxis oft gegeneinander laufen: Skalierung und Qualitätssicherung. Einerseits macht KI-gestützte Bild- und Szenenanalyse die Produktionsplanung flexibler, weil Teams schneller Varianten testen können. Andererseits bleibt die Verantwortung für Dramaturgie, Figurenentwicklung und emotionale Tonalität bei Menschen – und zwar nicht nur bei Autorinnen und Autoren, sondern auch bei Regie, Schnitt und Schauspiel. Wahlberg beschreibt den problematischen Teil als Schritt in Richtung „weniger echte Darsteller“, was im Kern weniger eine Frage des Computergenerierens ist, sondern der Industrialisierung kreativer Entscheidungen.

Besonders interessant wird es, wenn er den technologischen Fortschritt historisch rahmt. Wahlberg verweist auf seine Erfahrungen mit großen, effektdominierten Produktionen, darunter die „Sweet Spot“-Phase, als computergenerierte Bilder (CGI) im Kino gerade massiv sichtbar wurden. Gleichzeitig macht er deutlich, dass er heute weniger Feuer für Effektdruck verspürt als für „echtes“ Geschichtenerzählen. Damit trifft er einen Punkt, der auch außerhalb der Branche als Qualitätsindikator diskutiert wird: Wenn visuelle Innovation allein den Mehrwert liefert, steigt das Risiko, dass sich Filme austauschbar anfühlen. Seine Argumentation läuft daher darauf hinaus, KI als Verstärker für narrative Wirkung zu betrachten – nicht als neue Hauptrolle.

Im zweiten Schritt spricht Wahlberg über digitale Replikas und das Thema Körper-, Gesichts- und Stimmen-Scanning. Auf die Frage, ob er bereits die „CAA Vault“ besucht habe – eine Einrichtung, die es Schauspielenden ermöglicht, per Scanning-Technologie ein detailliertes digitales Abbild zu erstellen – sagt er, dass er dort nicht gewesen sei. Zugleich signalisiert er Offenheit, weil in Zukunft womöglich nicht mehr er selbst entscheidet, wer seine „Likeness“ nutzt. Wahlberg formuliert den Gedanken, dass seine Kinder oder Enkel später die Kontrolle über sein digitales Abbild übernehmen könnten, um daraus „gute Filme“ zu machen. Solche Szenarien sind aus Branchenperspektive relevant, weil digitale Eigentums- und Nutzungsmodelle künftig eine zentrale Rolle spielen dürften: Wer verwaltet die Daten, wie werden Rechte vererbt oder lizenziert, und wie werden Standards für Identitäts- und Einwilligungsprozesse gesetzt?

Seine Offenheit geht sogar über klassische Filmreihen hinaus. Er deutet an, dass auch eine Fortführung der Animationsserie „Ted“ über Jahrzehnte denkbar wäre – mit einer KI-Version seiner Darstellung, falls er selbst nicht mehr existieren oder nicht mehr auftreten kann. Aus technischer Sicht wäre das vor allem eine Herausforderung der Konsistenz: Eine KI-Replik muss nicht nur die Stimme und Mimik abbilden, sondern auch die Performance-Charakteristik über Zeiträume hinweg stabil halten. Ebenso stellt sich die Frage nach Kontrollmechanismen im Produktionsalltag, etwa wie Drehbücher, Dialoge und Szenen so zusammengeführt werden, dass die Figur nicht „abdriftet“. Aus Marktsicht ist das außerdem ein Signal: Digitales Vermächtnis wird potenziell ein neues Geschäftsmodell, das Rechteinhaber, Studios und Kreative gleichzeitig adressieren.

Für die Filmbranche bedeutet das, dass der Diskurs über KI nicht nur um Ethik oder Technik kreist, sondern um Produktionsrealität. Wahlbergs Skepsis gegenüber vollständig automatisierter Drehbucherstellung steht exemplarisch für den Wunsch, KI als Assistenz in bestehende Workflows einzubauen: KI für Set-Extensions, visuelle Anpassungen und möglicherweise für konsistente VFX-Varianten, während Storyboards, Dramaturgie und Performance weiterhin vom kreativen Team verantwortet werden. Gleichzeitig zeigt seine Bereitschaft, digitale Abbild-Strategien zu akzeptieren, wie schnell sich der Fokus verschiebt: Von „Dürfen wir KI nutzen?“ hin zu „Wie organisieren wir Nutzung, Rechte und Qualität so, dass Publikumserlebnis und Einwilligung zusammenpassen?“


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