LONDON (IT BOLTWISE) – Eine große Studie kommt zu dem Ergebnis, dass mehrere romantische oder sexuelle Partner die sexuelle Gesundheit nicht zwingend verschlechtern. In zwei Datensätzen berichten Menschen in nicht-monogamen Beziehungen über sexuelle Funktion, Zufriedenheit und Gesundheitsoutcomes, die oft mit strikter Monogamie vergleichbar sind. Die Forscher unterscheiden dabei zwischen einvernehmlicher Nicht-Exklusivität und heimlicher Untreue. Zentral ist auch: Trotz häufigerem Testen auf sexuell übertragbare Infektionen bleibt die Diagnosehäufigkeit zwischen den Gruppen ähnlich.

Die Annahme, Monogamie sei automatisch die „sicherere“ und zugleich „zufriedenere“ Beziehungsform, hält sich hartnäckig. Eine aktuelle Untersuchung in Journal of Social and Personal Relationships stellt diese Vorstellung zumindest für die sexuelle Gesundheit so pauschal infrage: Wer parallel mehrere romantische oder sexuelle Beziehungen führt, berichtet im Mittel nicht zwingend schlechtere Werte bei sexueller Funktion und Zufriedenheit. Entscheidend ist dabei die Trennschärfe der Studie, denn sie behandelt nicht-monogame Konstellationen nicht als einheitliche Kategorie, sondern unterscheidet zwischen einvernehmlicher Nicht-Exklusivität und geheim gehaltener Untreue. Genau diese Differenzierung macht die Ergebnisse für die Praxis so relevant, weil „Nicht-Exklusivität“ im Alltag häufig als Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Beziehungspakete verwendet wird.
In der wissenschaftlichen Herleitung beginnt die Studie mit einem klaren Spannungsfeld: Frühere Arbeiten sahen zwar Hinweise darauf, dass einvernehmliche nicht-monogame Arrangements ähnliche Muster bei sicherem Sex und sexuell übertragbaren Infektionen aufweisen wie Monogamie. So findet etwa eine Studie von 2015 (doi: 10.1111/jsm.12987) Hinweise, dass Menschen in offen vereinbarten Beziehungen ähnlich häufig sicheren Sex praktizieren und vergleichbare Raten sexuell übertragbarer Infektionen zeigen. Demgegenüber deuteten andere Ergebnisse darauf hin, dass „cheating“ im Sinne von heimlicher Abweichung eher mit einem geringeren Sicherheitsverhalten zusammenhängt. Die neue Untersuchung will deshalb gerade den Mechanismus prüfen, der in der Debatte häufig vermutet wird: Entsteht ein besseres Outcome vor allem dadurch, dass die nicht-monogamen Regeln transparent ausgehandelt sind – oder sind die Effekte weniger eindeutig, als das Narrativ nahelegt?
Die Studie arbeitet dafür mit zwei großen Untersuchungsansätzen. Im ersten Schritt werteten die Forschenden Daten von 888 Erwachsenen aus, die über eine Online-Befragung rekrutiert wurden. Die Teilnehmenden ordneten sich entweder der Monogamie oder einer einvernehmlichen nicht-monogamen Identität zu; dazu zählten als Teilkategorien etwa Polyamorie oder offene Beziehungen. Zusätzlich wurde erhoben, wie häufig Interaktionen mit anderen sich wie Untreue anfühlten und ob dabei sexuelle oder emotionale Geheimnisse vor dem primären Partner bestanden. Für die Messung der sexuellen Funktion kamen validierte Fragebögen zum Einsatz, die je nach Geschlecht Dimensionen wie Begehren, Erregung, Lubrikation sowie Zufriedenheit (bei Frauen) beziehungsweise Erektionsfähigkeit, Ejakulation und Zufriedenheit (bei Männern) abbildeten. Auch die Vorgeschichte von Tests auf sexuell übertragbare Infektionen und diagnostizierte Infektionen wurde erfasst.
Die Ergebnisse dieses ersten Datensatzes zeigen ein differenziertes Bild: Insgesamt waren die Werte zur sexuellen Funktion zwischen monogamen und nicht-monogamen Personen weitgehend ähnlich. Aber bei Frauen treten Partner-spezifische Unterschiede hervor. In der Auswertung berichteten Frauen mit mehreren Partnern höhere Werte für sexuelles Begehren, Erregung und Zufriedenheit bezogen auf ihre nicht-primären Partner als auf den primären Partner. Interessant ist außerdem der Vergleich zur Gruppe der Single-Partnerinnen: Die Werte der nicht-primären Partner lagen ebenfalls höher als das, was Frauen mit nur einem Partner in ihren primären Beziehungen berichteten. Bei Männern dagegen zeigte sich in dieser Studie kein klarer Unterschied in der sexuellen Funktion nach Beziehungstyp – weder in der Gesamtbetrachtung noch im Vergleich zwischen den Partnern. Ein weiteres wichtiges Ergebnis betrifft die sexuelle Gesundheit als Verhaltensfrage: Menschen in polyamoren Arrangements waren 3,6-mal häufiger jemals auf sexuell übertragbare Infektionen getestet als monogame Personen; gleichzeitig unterschied sich die Häufigkeit tatsächlich diagnostizierter Infektionen zwischen den Gruppen nicht.
Im zweiten Schritt verlagern die Forschenden die Fragestellung auf eine stärker bevölkerungsbezogene Ebene. Dafür nutzten sie einen gepoolten Datensatz aus Finnland mit 10.503 Teilnehmenden aus genetischen und verhaltensbezogenen Projekten. Die Teilnehmenden berichteten ihre Beziehungskonstellation selbst, und die Befragung deckte breite Kennwerte zur sexuellen Gesundheit ab: Bei Frauen standen insgesamt das sexuelle Begehren und die Funktion im Fokus, bei Männern wurden vorzeitige Ejakulationssymptome erhoben, also wie gut die Ejakulation kontrolliert werden kann. Zusätzlich wurde die dyadische Anziehung erfasst, also das Maß, wie stark eine Person sexuelles Interesse gegenüber einem attraktiven Gegenüber empfindet. Damit die Vergleiche fair bleiben, passten die Forschenden die Gruppen statistisch an Faktoren wie Alter, Geschlecht und soziosexuelle Orientierung an und kontrollierten außerdem, ob Paare zusammenlebten und welches Geschlecht die Partner hatten. So sollte verhindert werden, dass die kleinere Gruppe der nicht-monogamen Teilnehmenden durch Auswahlverzerrungen überbetont wird.
In diesem bevölkerungsbezogenen Sample zeigten sich weniger dramatische, aber statistisch fassbare Unterschiede: Nicht-monogame Männer berichteten weniger frühe ejakulatorische Symptome als monogame Männer. Nicht-monogame Frauen meldeten ein höheres globales sexuelles Begehren, und sowohl Männer als auch Frauen in nicht-monogamen Beziehungen zeigten ein leicht höheres Maß an dyadischer Anziehung. Besonders relevant für die oft geforderte „Sicherheits“-Hypothese ist jedoch der Teil der Analyse, in dem die Studie den Effekt von Untreue isoliert. Untreue wurde hier als Betrug bzw. als das Vorhandensein von Partnern definiert, die nichts wussten und nicht einverstanden waren. Genau dann fanden die Forschenden keinen Effekt auf die gemessenen Outcomes der sexuellen Gesundheit. Das Ergebnis passt damit zu einem breiteren Bild, das in Reviews bereits angedeutet wurde: Einvernehmliche Nicht-Exklusivität kann in Beziehung zu Monogamie statistisch ähnliche Niveaus bei Zufriedenheit und sexueller Gesundheit erreichen. Gleichzeitig betont die Studie Grenzen: Alle Messungen basieren auf Selbstauskünften; Erinnerungen an Tests oder Infektionsdiagnosen können sich irren, und Personen können Antworten im Sinne einer „sozial wünschenswerten“ Darstellung verzerren. Außerdem gruppierte Studie 1 teils grob unter „Nicht-Monogamie“, ohne jede spezifische Vertragsform bis hin zu Hierarchien oder Zusammenleben einzubeziehen, und in Studie 2 mischte die Untreue-Messung aktuelle und vergangene Verläufe. Gerade für die Zukunft regen die Autorinnen und Autoren daher Längsschnittdesigns an, die Beziehungsschemata und sexuelle Gesundheit über die Zeit gemeinsam beobachten.
Für Unternehmen und datengetriebene Gesundheits- oder HR-Programme ist an der Studie weniger der moralische Debattenrahmen entscheidend, sondern die Methodik: Durch die konsequente Trennung zwischen einvernehmlicher Nicht-Exklusivität und heimlicher Untreue sowie durch die Kombination aus einem großen Online-Datensatz und einer bevölkerungsbezogenen Stichprobe entsteht ein belastbareres Bild als in Arbeiten, die nur eine Beziehungskategorie als „nicht-monogam“ zusammenfassen. Und auch wenn die Studie nicht behauptet, dass jede Form von Untreue folgenlos bleibt, liefert sie doch einen wichtigen empirischen Drehpunkt: Mehrere Partner bedeuten im Mittel nicht automatisch schlechtere sexuelle Gesundheit. Für Betroffene kann das vor allem heißen, dass Transparenz und ausgehandelte Regeln in der Diskussion nicht nur als „Ethik-Thema“, sondern als erklärungsfähiger Faktor ernst genommen werden sollten – während gleichzeitig die Datenlage dafür spricht, die Effekte nicht vorschnell zu vereinfachen.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Mehrere Partner schaden der sexuellen Gesundheit nicht – große Studie" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Mehrere Partner schaden der sexuellen Gesundheit nicht – große Studie" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Mehrere Partner schaden der sexuellen Gesundheit nicht – große Studie« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!