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LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Analyse der Forschungsorganisation METR legt nahe, dass Anthropic seine KI-Modelle für wohlspezifizierte Aufgaben etwa doppelt so schnell verbessert wie noch ein Jahr zuvor. Als Haupttreiber nennt METR den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Entwicklung eigener Nachfolgemodelle im Sinne einer rekursiven Selbstverbesserung. Gleichzeitig warnt die Untersuchung vor dem Risiko extremer Fähigkeiten, die schneller auftauchen könnten als Mechanismen zur Risikoabschätzung. Für Unternehmen macht das vor allem die nächsten Schritte bei Transparenz und Dokumentation rund um den EU AI Act dringlicher.

METR misst bei Anthropic: KI-Entwicklung offenbar fast doppelt so schnell
METR misst bei Anthropic: KI-Entwicklung offenbar fast doppelt so schnell (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Beschleunigung der KI-Entwicklung wirkt in den letzten Monaten weniger wie ein gleichmäßiger Fortschrittsradius, sondern eher wie eine Kurve, die sich spürbar nach oben biegt. Genau das greift die unabhängige Forschungsorganisation METR in einer Auswertung auf, die interne Forschungsdaten von Anthropic, ergänzt durch Mitarbeiterinterviews und Leistungskennzahlen unveröffentlichter Modelle, ausgewertet haben soll. Laut METR verbesserte sich der Fortschritt bei Anthropic für einen eng definierten Aufgabenbereich im internen AECI-Benchmark seit Oktober 2025 deutlich schneller als in der Phase davor.

Konkret nennt METR für den internen AECI-Benchmark eine Schätzung von etwa 1,9-facher Geschwindigkeit im Zeitraum seit Oktober 2025 gegenüber März 2024 bis Oktober 2025. METR ordnet diese Aussage mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,5 bis 2,8 ein und macht damit klar: Die Messung ist nicht nur qualitativ, sondern statistisch gerahmt. Für den Vergleich der Wachstumsrate nennt METR zusätzlich eine Entwicklung von 15 AECI-Punkten pro Jahr vor Oktober 2025 auf 29 Punkte seither. Die Organisation leitet daraus ab, dass sich innerhalb eines Jahres ungefähr Fortschritt in der Größenordnung von etwa zwei Jahren abzeichnen könnte – auch wenn das Ergebnis für das eigene Ursache-Wirkungs-Verständnis noch eine weitere Ebene braucht.

Diese zweite Ebene dreht sich bei METR um die Frage, wodurch der Sprung zustande kommt. Ein höheres Trainings-Compute schließt METR mit hoher Gewissheit als primäre Ursache aus; stattdessen sieht die Organisation den Einsatz von KI bei der Entwicklung eigener Nachfolgemodelle als wesentlichen Hebel. Das wird im Text als rekursive Selbstverbesserung beschrieben: Modelle helfen dabei, die nächsten Modelle zu bauen, wodurch Entwicklungszyklen schneller durchlaufen werden können. Den Anteil der KI an dieser Beschleunigung beziffert METR mit möglicherweise 80 Prozent, stuft den Wert jedoch selbst als unsicher ein. In der Breite der Branche – so die Vergleichslogik der Untersuchung – liege der Kennwert, der OpenAI, Google und xAI einbezieht, bei 1,4; METR ordnet die tatsächliche Beschleunigung bei Anthropic dabei in einer Bandbreite von 1,3 bis 3 ein.

Aus technischer Sicht ist dabei nicht entscheidend, ob die Zahl exakt im oberen oder unteren Teil der Spanne liegt, sondern dass METR Engpässe an mehreren möglichen Stellhebeln zumindest nicht gefunden hat. Hinweise auf signifikante Engpässe beim algorithmischen Fortschritt, beim Trainings-Compute, beim Experiment-Compute oder bei den Daten für die kommenden zwölf Monate seien laut METR nicht sichtbar gewesen. Das heißt: Der schnellere Fortschritt lässt sich in der Untersuchung eher mit dem Prozess der Modell- und Entwicklungsarbeit selbst verbinden als mit einem kurzfristigen Engpass, der dem Wachstum früher Grenzen gesetzt hätte. Gleichzeitig bleibt der Hinweis wichtig, dass das Nichtfinden solcher Engpässe kein abschließender Gegenbeweis ist – gerade weil sich viele Beschränkungen in solchen Systemen erst über längere Zeiträume oder in Randbedingungen zeigen.

Mit der Geschwindigkeitsfrage kommt allerdings eine zweite, politisch und organisatorisch relevante Dimension ins Spiel: Risikoabschätzung, Transparenz und die Einordnung von Fähigkeiten im Verhältnis zu Sicherheitsmechanismen. METR warnt vor dem plötzlichen Auftreten extremer und riskanter Fähigkeiten und begründet die Sorge damit, dass die Entwicklung möglicherweise schneller voranschreitet als die Mechanismen zur Risikoabschätzung nachziehen. Laut METR sei eine Überschreitung des eigenen Beschleunigungs-Schwellenwerts von Anthropic bereits am 15. Juli denkbar gewesen. Auch das Verhältnis von öffentlicher und interner Darstellung wird thematisiert: Während ein öffentlicher Risikobericht aus August 2026 von einer Beschleunigung unter dem Faktor zwei gesprochen habe, impliziere die interne unredigierte Fassung einen Wert von 1,97; METR bemängelt dabei, dass die öffentliche Version das Ausmaß insgesamt untertreibe. Für Unternehmen bedeutet das praktisch: Die Frage „Wie schnell?“ wird zur Frage „Wie verlässlich?“ – und damit zu einer Grundlage für Dokumentation, Interne Kontrollsysteme und Prozesse zur Abschätzung von Hochrisiko-Eigenschaften.

Die Untersuchung beschreibt außerdem, dass Anthropic Schwärzungsrechte über den Großteil der informativsten Daten genutzt habe, sodass keine vollständig reproduzierbaren öffentlichen Daten vorlägen. Zudem sei eine Überprüfung der Compute-Zuteilung abgesagt worden; METR verweist außerdem auf eine interne Selbsteinschätzung von Angestellten aus Oktober 2026, nach der eigene Modelle etwa zwölfmal produktiver seien, stuft diese Evidenz jedoch als sehr schwach und unzuverlässig ein. Gleichzeitig ordnet der Mitgründer Sam McCandlish die METR-Schlüsse teilweise als deckungsgleich mit eigenen Beobachtungen ein und nennt die Schwärzungen als Folge kommerzieller Sensibilität und Risiken für die strategische Planung; außerdem betont er, dass der genaue Umfang schwer zu beziffern sei. Der Kontext für diese Debatte liegt nicht im luftleeren Raum: Laut Angaben aus dem Umfeld bereitet Anthropic einen Börsengang vor, möglicherweise noch im November 2026, was die Vermarktungs- und Bewertungslogik zusätzlich in den Fokus rückt.

Im Marktumfeld verdichten sich parallel die Diskussionen über Entwicklungstempo und Prüfmechanismen. Aus dem Börsenprospekt gehe hervor, dass im September 2026 über 90 Prozent der Beiträge zur Codebasis von Claude erstellt worden seien; zudem lag die durchschnittliche tägliche Menge an Code-Beiträgen pro Ingenieur zwischen Juli und September 2026 laut Angaben über 45-mal so hoch wie im Schnitt des Jahres 2024. Anthropic beschreibt das Schließen dieses Kreislaufs als Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig wächst die Skepsis: Anthropic-Chef Dario Amodei hatte am 12. September 2026 in einem Essay einen Drei-Punkte-Plan inklusive Drosselung des Entwicklungstempos gefordert, und auch Sam Altman unterstützte den Einsatz unabhängiger Prüfer. Für IT-Entscheider ist die Kernaussage damit zweigeteilt: Einerseits können KI-gestützte Entwicklungszyklen Produktivität und Lernraten erhöhen; andererseits verschiebt sich der Schwerpunkt in Richtung Prozesskontrolle, Governance und nachvollziehbarer Nachweisführung, gerade wenn Geschwindigkeit als Risikofaktor in den Vordergrund rückt.

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