LONDON (IT BOLTWISE) – Microsoft warnt vor einer neuen Angriffskampagne, bei der russisch-staatsnahe Akteure öffentliches WLAN in Flughäfen, Hotels und Konferenzzentren für Clickfix-Phishing missbrauchen. Laut Microsoft soll die Kampagne seit mindestens Anfang Mai die Login- bzw. Captive-Portal-Seiten der WLAN-Hotspots kapern, um Nutzer auf nachgebaute Microsoft-365-Oberflächen umzuleiten. Ein Schwerpunkt liegt darauf, Sitzungen auch ohne klassischen Passwortdiebstahl zu übernehmen, etwa über Gerätecode-Authentifizierung. Zusätzlich tarnt sich die Schadsoftware-Installation in gefälschten Browser- und Windows-Dialogen.

Microsoft warnt vor Clickfix-Phishing in Airport- und Hotel-WLANs
Microsoft warnt vor Clickfix-Phishing in Airport- und Hotel-WLANs (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer sich im Urlaub schnell ins „Free Wi‑Fi“ einloggt oder auf Dienstreisen im Hotel zwischen zwei Terminen Mails checkt, überlässt Angreifern oft die Kontrolle über den ersten Netzschritt. Genau daran setzt die aktuelle Warnung von Microsoft an: Das Unternehmen beschreibt eine Kampagne, bei der staatlich beauftragte Akteure aus Russland versuchen, Zugangsdaten zu Microsoft‑365-Diensten über sogenannte Clickfix-Angriffe abzugreifen. Ziel ist dabei offenbar Wirtschaftsspionage, nicht „nur“ Betrug. Entscheidend ist weniger, dass das WLAN selbst kompromittiert wird, sondern wie der vermeintliche Zugang technisch in eine gefälschte Anmeldeseite umgelenkt wird.

Technisch betrachtet läuft das Muster über Captive-Portale: Viele öffentliche WLANs nutzen eine Login-Seite, die das System beim ersten Verbindungsaufbau anzeigt, um den Nutzer zu Authentifizieren oder Nutzungsbedingungen zu bestätigen. In der Microsoft-Schilderung versuchen die Angreifer, diese Captive-Portals zu kapern, etwa in der Umgebung von Flughäfen, Hotels oder Konferenzzentren. Sobald die zuständige Captive-Portal-Hardware geknackt ist, leiten die Angreifer Anfragen über eigene Infrastruktur um, typischerweise per DNS oder HTTP. Im Ergebnis landen die Opfer nicht auf einer echten Hotspot-Anmeldeseite, sondern auf Phishing-Seiten, die die Optik und Logik typischer Microsoft‑365-Anmeldungen nachahmen.

Für die Praxis besonders brisant ist, wie Microsoft die Angriffslogik bis in Authentifizierungsabläufe hinein beschreibt. Eine der Varianten bezieht sich auf die Gerätecode-Authentifizierung: Der Angreifer startet eine Anmeldesitzung, bringt das Opfer anschließend dazu, einen vom Angreifer bereitgestellten Code auf einer echten Microsoft-Seite einzugeben, und nutzt so die Autorisierung der Sitzung. Damit entsteht ein Szenario, in dem der Angreifer nicht zwingend ein Passwort oder einen Einmalcode „direkt“ stehlen muss, sondern die Nutzeraktion als Türschloss missbraucht. Im Hintergrund wird dadurch auch die Schutzwirkung der Zwei-Faktor-Authentifizierung unterlaufen, sofern der Angreifer die Sitzung in die richtige Richtung lenkt und der Nutzer die Bestätigung im guten Glauben ausführt.

Nachdem die Nutzer auf den Phishing-Seiten aktiv geworden sind, folgt laut Microsoft häufig die zweite Phase: gefälschte Systemmeldungen sollen den Download von Schadsoftware auslösen. Dazu zählen täuschende Benachrichtigungen, die so wirken, als stamme die Aufforderung von Browser-Funktionen oder aus dem Windows-Umfeld – etwa in Form von „Windows Update“, „Windows Defender“, „DirectX“ oder einer Netzwerkreparatur. Solche Tricks sind deshalb erfolgreich, weil Nutzer in öffentlichen WLANs ohnehin mit technischen Pop-ups rechnen und die Schwelle zur Installation sinkt, wenn die Meldung wie eine legitime Sicherheitsmaßnahme aussieht. Microsoft nennt zudem, dass nach dem erfolgreichen Installieren der Schadsoftware verschiedene Datenarten abgegriffen werden können, darunter Browser-Passwörter und Login-Daten, aber auch Mitschnitte wie Mikrofonaufnahmen, Tastatureingaben, Webcambilder oder Dateien.

Nicht nur Desktop-Systeme stehen dabei im Fokus: Microsoft erwähnt, dass neben Windows-basierten Rechnern auch Android-Smartphones angegriffen werden sollen. Das bleibt für viele Sicherheitsverantwortliche ein besonders kritischer Punkt, weil die Abwehrstrategie im Alltag häufig mit Windows-typischen Schutzmaßnahmen beginnt und Mobilgeräte dann als „zweite Ordnung“ behandelt werden. Gleichzeitig bleibt in der Microsoft-Darstellung eine zentrale technische Frage offen: Wie genau es den Angreifern gelungen ist, die Captive-Portal-Systeme in Hotels und Konferenzzentren zu kompromittieren. Denkbar sei laut Microsoft auch, dass eher ein übergeordneter Dienstleister und nicht jede einzelne Einrichtung direkt betroffen ist – diese Ungewissheit macht die Angriffsfläche für Betreiber größer und die Detektion schwerer, weil nicht jedes Hotel oder jeder Flughafen dieselbe Infrastruktur betreibt.

Für Unternehmen und Reisende leitet Microsoft daraus konkrete Verhaltensregeln ab. Wer mit vertraulichen Daten arbeitet, soll öffentliche WLAN-Zugangspunkte in Flughäfen, Hotels oder Konferenzzentren möglichst vermeiden. Stattdessen empfiehlt Microsoft, einen privaten Hotspot über das Smartphone zu nutzen oder eine dauerhafte VPN-Verbindung zu verwenden. Zusätzlich sollte man grundsätzlich keine Downloads, Updates, Zertifikate oder sonstigen Dateien akzeptieren, die während des Aufrufs eines Captive-Portals in öffentlichen Netzen angeboten werden. Das ist im Kern eine sehr pragmatische Sicherheitslinie: Selbst wenn ein Betreiber technisch alles richtig macht, kann die Verbindung auf dem Weg dorthin als Angriffsvektor dienen, sobald ein Captive-Portal kompromittiert oder manipuliert wird.

Einordnung und Ausblick: Die in der Microsoft-Warnung genannten Bezeichnungen ordnen das Geschehen in die bekannten Muster russisch verfolgter Cyber-Spionage ein. Benannt wird dabei unter anderem die Untergruppe „Storm‑2945“ sowie die übergeordnete Zuordnung „Midnight Blizzard“, die auch unter den Namen „Cozy Bear“, „APT29“ oder „Nobelium“ geführt wird. Für die Sicherheitsplanung heißt das vor allem, dass Teams die Risiken öffentlicher Netzwerke nicht nur auf „WLAN ist unsicher“ reduzieren sollten, sondern auf konkrete Prozessketten: Captive-Portals als Einstieg, Phishing-Seiten als Autorisierungsfalle, gefälschte Systemmeldungen als Malware-Trigger und anschließend mehrstufige Datenerfassung. Wer im Arbeitsalltag trotz Dienstreise nicht auf mobile Daten verzichten kann, sollte die VPN-Nutzung verbindlich operationalisieren und die Nutzer über die Gerätecode-Logik sowie „keine Downloads im Portal“-Regeln gezielt sensibilisieren – gerade dann, wenn KI-gestützte Assistenten in der Kommunikation zwar helfen, aber Social-Engineering-Abläufe nicht automatisch erkennen.


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