NEUSEELAND / LONDON (IT BOLTWISE) – Neuseeland verschärft die Werberegeln für Online-Casinos und untersagt KI-generierte synthetische Promi-Gesichter und Stimmen. Verstöße können Unternehmen in zivilrechtlichen Fällen mit bis zu 5 Millionen neuseeländischen Dollar bzw. rund 4,3 Millionen Euro treffen. Hintergrund sind beobachtete Deepfake-Betrugsmaschen, bei denen Abbildungen ohne Zustimmung für Apps werben und Nutzer zu finanziellen Angaben drängen. Die neuen Vorgaben treten ab Dezember in Kraft und bauen eine klare Linie zu anderen Glücksspielarten ein.

Neuseeland zieht die Reißleine bei manipulativer Glücksspielwerbung: Die Regierung hat Werberegeln für Online-Casinos so angepasst, dass KI-generierte synthetische Gesichter und Stimmen künftig ausdrücklich verboten sind. Damit rückt der Inselstaat ein Problem in den Fokus, das technisch zwar beeindruckend wirkt, in der Praxis aber vor allem als Werkzeug für Identitätsmissbrauch und Betrug eingesetzt wird. Auslöser für die Verschärfung ist nach Angaben des zuständigen Behördenumfelds eine Zunahme von Fällen, in denen Prominente ohne Wissen für illegale Apps bzw. unseriöse Angebote in Werbekampagnen hineingezogen wurden.
Die Regelung zielt dabei nicht nur auf das „Copy-Paste“ einer Werbeaussage, sondern auf die Identität selbst: Deepfakes, also täuschend echte Nachbildungen, sollen in der Werbung nicht mehr als Endorsement funktionieren. Technisch geschieht das typischerweise über Modelle, die aus vorhandenen Bild- oder Audiodaten Gesichter und Stimmen rekonstruieren und anschließend in Werbeformate integrieren. Für Verbraucher ist der Unterschied zwischen echter TV- bzw. Audioeinbindung und KI-Simulation im Alltag schwer erkennbar – genau diese Unschärfe macht die Betrugsmaschen so wirksam. Kritisch ist außerdem, dass solche Inhalte in sozialen Medien oft schneller verbreitet werden als Korrekturen; der Schaden entsteht damit häufig, bevor Betroffene überhaupt reagieren können.
Die Durchsetzung wird über ein gestuftes Maßnahmen- und Zeitkonzept beschrieben. Bis Dezember müssen Betreiber, die keine Lizenz für ein Online-Casino beantragt haben, ihren Betrieb in Neuseeland komplett einstellen. Parallel dazu begann das Behördenumfeld bereits im Juli mit der Umsetzung der neuen Restriktionen. Auf der Werbeseite gelten zudem konkrete Zeitfenster: Werbung für Online-Casinos soll während Live-Übertragungen sowie in einem Zeitraum von 30 Minuten davor und danach strikt untersagt sein. Eine wichtige Abgrenzung betrifft Sport- und Rennwetten, die nicht in gleicher Weise unter denselben Mechanismus fallen; damit schafft Neuseeland eine klarere Trennung der Spielformen im rechtlichen Rahmen.
Die wirtschaftliche Dimension der Regeln wird über mögliche Sanktionen sichtbar. Für Unternehmen, die gegen die Werbeverbote verstoßen, werden zivilrechtliche Sanktionen von bis zu 5 Millionen neuseeländischen Dollar genannt, was etwa 4,3 Millionen Euro entspricht. Konkrete Beispiele illustrieren, wie KI-gestützte Kampagnen ausgenutzt werden können: In einer bekannten Negativgeschichte wurden in einer Kampagne für eine App namens „Māori Game“ eine Moderatorin und eine KI-Version eines Filmemachers in der Werbung gezeigt, obwohl beide Personen nicht zugestimmt hatten bzw. nicht an dem Projekt beteiligt waren. Der Punkt dahinter ist nicht nur die Verletzung von Persönlichkeitsrechten, sondern auch das Geschäftsmodell: Die täuschend echte Darstellung soll den Weg zu App-Installationen ebnen und so letztlich sensible Finanzdaten oder direkte Geldbeträge erlangen helfen.
Für die Begründung verweist das Behördenumfeld auf eine rechtliche Grauzone, die lange Zeit nicht sauber geschlossen war. Frühere Werbevorschriften gingen offenbar davon aus, dass eine Werbebotschaft durch eine reale, bezahlte Person getragen wird; KI ist aber keine natürliche Person und kann deshalb missbräuchlich als Umgehungshebel dienen. Das Risiko verschiebt sich dadurch besonders stark in Richtung Zielgruppen, die auf Influencer-Formate und schnelle Testimonials reagieren. Synthetische Influencer lassen sich zudem so ausspielen, dass sie eine „perfekte“, aber falsche Glaubwürdigkeit erzeugen; gerade im Glücksspielkontext kann das zu Entscheidungen führen, die Betroffene später bereuen, weil sie nicht erkennen, dass eine Zustimmung zur Nutzung der eigenen Wirkung fehlt.
In den veröffentlichten Stellungnahmen wurde die Gefahrenlage sehr deutlich formuliert. In einem Briefing des Department of Internal Affairs heißt es, dass KI-Empfehlungen – einschließlich synthetischer Influencer, Deepfakes und anderer auf Ähnlichkeit basierender Darstellungen – international zunehmend genutzt würden und bereits in Neuseeland beobachtet worden seien; daraus entstehe ein Risiko für die Täuschung von Verbrauchern und für Glückspielschäden. Ben Gamboni, stellvertretender Direktor für Gambling beim Department of Internal Affairs, warnte zudem: „Es ist einfach ein Betrug und ein Weg, um an Ihre Daten zu kommen, entweder für Identitätsdiebstahl oder um einfach das Geld aus Ihrer Brieftasche zu stehlen.“ Er forderte die Öffentlichkeit außerdem dazu auf, verdächtige Anzeigen zu dokumentieren.
Welche Auswirkungen hat das auf den deutschen Markt? In Deutschland ist Glücksspielwerbung und -zugang ohnehin stark reguliert, unter anderem über den Glücksspielstaatsvertrag 2021. Gleichzeitig überwacht die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder den Markt über Mechanismen, die illegale Angebote sichtbar machen sollen; für Spielerinnen und Spieler reduziert das die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich in betrügerische „Umgehungsangebote“ zu laufen. Trotzdem tauchen auch hierzulande Deepfakes von Prominenten im Umfeld unseriöser Casinos auf – nur führt die bestehende Rechtslage dazu, dass solche Werbeversuche häufig schneller eingeordnet werden können. Für Anbieter mit gültiger deutscher Lizenz ist die Entwicklung aus Neuseeland deshalb vor allem ein Signal für operativen Standard: Seriöse Kommunikation verzichtet auf KI-basierte täuschende Endorsements und setzt stattdessen auf transparente Inhalte, während Betreiber ohne Lizenz weiterhin versuchen können, mit ähnlichen Werbemethoden Grenzen auszutesten.
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