LONDON (IT BOLTWISE) – Seit dem 6. Dezember 2025 gilt die NIS2-Richtlinie, und damit steigt der Bedarf an Sicherheitsverantwortlichen rasant. Von rund 4.500 sind in 18 Sektoren etwa 29.500 Unternehmen betroffen. Die Frist für die Registrierung beim BSI lief bereits am 6. März 2026 ab, jetzt müssen Sicherheitskonzepte personell hinterlegt und in Betrieb gehalten werden. Zusätzlich verschärfen mögliche Bußgelder sowie die persönliche Haftung der Geschäftsführung den Handlungsdruck.

NIS2: 29.500 Unternehmen suchen Sicherheitsverantwortliche
NIS2: 29.500 Unternehmen suchen Sicherheitsverantwortliche (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit der NIS2-Richtlinie wandelt sich Informationssicherheit von einem technischen Thema zu einer Managementaufgabe mit klaren Fristen und messbaren Pflichten. Seit dem 6. Dezember 2025 gilt der Rahmen europaweit, und die Zahl der betroffenen Unternehmen ist laut den vorliegenden Angaben innerhalb kurzer Zeit von rund 4.500 auf etwa 29.500 gestiegen. Entscheidend ist dabei nicht nur, ob ein Unternehmen in einem der 18 Sektoren tätig ist, sondern wie schnell es die geforderten Sicherheitskonzepte mit Personal und Prozessen „unterlegt“. Für viele Verantwortliche bedeutet das: Die Besetzung relevanter Sicherheitsrollen rückt von der Planung direkt in die Chefetage.

Der Druck entsteht aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Die wirtschaftlichen Folgen bei Verstößen werden mit sehr hohen Beträgen beziffert: Besonders wichtige Einrichtungen riskieren Bußgelder bis zu 10 Millionen Euro oder zwei Prozent des weltweiten Umsatzes. Andere wichtige Einrichtungen können demnach bis zu 7 Millionen Euro oder 1,4 Prozent des Umsatzes zahlen. Hinzu kommt der Haftungsaspekt, denn in den vorliegenden Informationen heißt es ausdrücklich, dass die Geschäftsführung bei Nichterfüllung persönlich haftet. Für die operative Umsetzung heißt das: Compliance darf nicht als einmalige Dokumentenablage verstanden werden, sondern muss in kontinuierlichen Abläufen und Nachweisen sichtbar werden.

Dass der Zeitplan ernst ist, zeigt auch die BSI-Komponente. Die Registrierungsfrist beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik endete bereits am 6. März 2026. Jetzt geht es für Unternehmen darum, die Sicherheitskonzepte personell abzusichern: Dazu gehören technische Schutzmaßnahmen ebenso wie fortlaufende Überwachung und die Meldung von Vorfällen. Technisch betrachtet schlägt sich das typischerweise in einer Kombination aus Monitoring, Incident-Response-Prozessen und klaren Verantwortlichkeiten nieder. Organisatorisch wird es schwierig, weil Sicherheitsaufgaben meist quer durch IT, Netzwerk, Betrieb und teilweise auch Fachbereiche laufen und sich allein über „Tickets“ nicht dauerhaft steuern lassen.

Am Arbeitsmarkt spiegelt sich diese Verschiebung bereits in konkreten Stellenprofilen. Ende Juli wurde laut den Angaben eine Position für eine stellvertretende Informationssicherheitsbeauftragte gesucht. Gefordert waren Erfahrung in der Informationssicherheit, Kenntnisse der Norm ISO/IEC 27001 sowie Zertifizierungen im Projektmanagement. Genau diese Mischung trifft viele Unternehmen in der Praxis besonders hart: ISO 27001 steht nicht nur für „Policies“, sondern für ein auf Risiko basierendes Informationssicherheits-Managementsystem, das geplant, umgesetzt, überwacht und kontinuierlich verbessert werden muss. Projektmanagement-Kompetenz ist wiederum nötig, um Maßnahmenkataloge ausrollen zu können, Abhängigkeiten zwischen Teams sauber zu koordinieren und die Umsetzung termin- und budgettreu zu gestalten.

Dass flexible Arbeitsmodelle offenbar stärker genutzt werden, passt in das Bild des Expertenmangels. In den vorliegenden Informationen wird beschrieben, dass Steuerung von Sicherheitsprozessen im Homeoffice sowie die Einhaltung von Compliance-Richtlinien und die Koordination technischer Teams zum Aufgabenspektrum gehören. Flexible Arbeitszeiten und Remote-Arbeit seien in diesem Segment „längst Standard“, um dem Mangel an qualifizierten Fachkräften zu begegnen. Genau hier entsteht eine weitere technische Hürde: Wer aus der Distanz Sicherheitsteams führt, braucht belastbare Zugriffskonzepte, nachvollziehbare Änderungsprozesse und verständliche Kommunikations- sowie Eskalationswege. Ohne diese Fundamente bleibt auch ein gut definiertes Kontrollsystem anfällig.

Weiterbildungen werden damit zum strategischen Werkzeug, nicht nur zur Ergänzung im Lebenslauf. In den vorliegenden Angaben werden zertifizierte Lehrgänge genannt, die ab Anfang August starten und unter anderem von IT-Security-Beauftragten über technische Administration bis hin zu Management-Frameworks reichen. Genannt werden unter anderem Vollzeit-Formate mit Abschlussprüfung, Spezialisierungen auf dem Niveau von CCNA oder CompTIA Security+ (mit der Version SY0-701) sowie ein Kurs zum IT-Cybersecurity-Analyst (CompTIA CySA+). Daneben tauchen Managementansätze wie PRINCE2 (Version 7), ITIL (Version 5) oder Scrum (PSM I) auf, jeweils in Kombination mit Sicherheitsthemen. Besonders relevant: Die Dauer variiert zwischen vier und zwölf Wochen, und als Voraussetzungen werden Netzwerkgrundkenntnisse sowie gute Englischkenntnisse genannt, weil viele internationale Prüfungen auf Englisch laufen.

Gleichzeitig verschiebt sich die Qualifizierung durch KI-Anforderungen. Wer KI-Systeme im Unternehmen einsetzt oder entwickelt, muss neben technischen Aspekten auch rechtliche Rahmenbedingungen neuer EU-Verordnungen mitdenken. In den vorliegenden Informationen wird dafür der EU AI Act adressiert, ergänzt um die Rolle der DSGVO bei der Implementierung von KI-Systemen in die Unternehmenssicherheit. Zusätzlich wird ein Trend beschrieben: KI-Module in der Sicherheitsqualifizierung sollen nicht nur bei der Abwehr KI-gestützter Angriffe helfen, sondern auch den strategischen Einsatz von KI-Tools zur Erkennung von Anomalien in Netzwerken vermitteln. Für Unternehmen heißt das praktisch, dass Trainingsinhalte stärker in Richtung Datenqualität, Modellrisiken, Betriebsprozesse und rechtssichere Governance gehen müssen – also dorthin, wo Sicherheitsteams bisher oft nicht allein unterwegs waren.

Für die nächsten Monate ergibt sich daraus eine klare Konsequenz in der Umsetzung: NIS2 fordert Sicherheitsfähigkeit als dauerhaften Zustand, und die Personalfrage ist dabei der Engpass. Unternehmen, die jetzt nur „eine Rolle“ nachbesetzen, laufen Gefahr, die Lücke zwischen Konzept und Betrieb nicht zu schließen. Sinnvoller ist ein Ansatz, der ISO/IEC 27001 als Ordnungsrahmen nutzt, Incident-Response und kontinuierliche Überwachung als operatives Rückgrat aufsetzt und Qualifizierung als planbaren Pipeline-Baustein behandelt. Gerade bei steigenden Haftungsrisiken wird aus Sicherheit ein Bestandteil der Unternehmenssteuerung – mit klaren Verantwortlichkeiten, auditierbaren Prozessen und messbaren Verbesserungszyklen.


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