USA / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Aufsicht OCC hat den Antrag von Wise auf eine nationale Treuhandbanklizenz abgelehnt. Als Hauptgrund nennt sie erhebliche Schwächen bei der Einhaltung von Anti-Geldwäsche-Vorschriften. In London reagiert die Aktie zunächst mit deutlichen Verlusten, während Wise betont, die laufenden US-Geschäfte würden zunächst nicht gestoppt. Der nächste Schritt soll ein neuer Antrag unter dem GENIUS-Gesetz werden, das Ende 2025 in Kraft treten soll.

Wise bekommt im wichtigsten Wachstumsmarkt einen harten Dämpfer: Die Office of the Comptroller of the Currency (OCC) hat den Antrag des Zahlungsdienstleisters auf eine nationale Treuhandbanklizenz abgelehnt. Ausschlaggebend ist laut Begründung nicht etwa ein einzelner technischer Mangel, sondern ein Bündel an Problemen bei der Compliance – vor allem im Bereich der Anti-Geldwäsche-Regeln. Damit rückt die Frage in den Fokus, wie streng US-Regulierer bei digitalen Finanzdienstleistern konkrete Nachweise sehen, statt nur „Programme in Aussicht“ zu stellen.
In dem Schreiben, das die OCC veröffentlicht hat, wird die Entscheidung mit „erheblichen Mängeln“ bei der Einhaltung entsprechender Vorgaben unterlegt. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, Wise habe die geforderten Standards nicht überzeugend nachweisen können – einschließlich der Frage, ob die Antragsteller mit den bundesstaatlichen Bankgesetzen hinreichend vertraut seien. Für eine nationale Treuhandbank gelten typischerweise höhere Anforderungen als für viele etablierte Zahlungs- und Geldtransfermodelle; das wirkt im Antrag selbst und in der Erwartung an ein unternehmensweites Compliance-Programm, das über einzelne Maßnahmen hinausgeht.
Der Rückschlag passt in eine kurzfristige Abfolge regulatorischer Spannungen: Bereits im Juli 2025 musste Wise mit mehreren US-Bundesstaaten eine Einigung erzielen, nachdem es Verstöße gegen das Bankgeheimnisgesetz sowie unzureichende Anti-Geldwäsche-Programme gab. Wise zahlte dabei eine Strafe in Höhe von 4,2 Millionen Euro und sagte Investitionen in die Compliance-Infrastruktur zu. Zwar stellte die OCC in ihrer Argumentation auch klar, dass frühere Verstöße nicht automatisch zu einer Ablehnung führen – gleichzeitig aber lässt der aktuelle Fall erkennen, dass die Aufsicht keine Lizenz „auf Verdacht“ erteilt, bevor ein belastbares, organisationsweites Programm die strengeren Anforderungen abdeckt.
An der Börse wurde die Meldung entsprechend schnell eingepreist. In London fiel der Kurs der Wise-Aktie um über sieben Prozent auf umgerechnet rund 840 Pence. Der Zeitpunkt ist zudem strategisch: Wise hatte seinen Börsenhauptsitz erst vor wenigen Monaten an die US-Technologiebörse Nasdaq verlegt, was Anlegern als Signal dienen kann, wie wichtig der nordamerikanische Markt für das Wachstum bleibt. Kurzfristig wirkt die Lizenzablehnung damit doppelt – sie bremst nicht nur eine Option für weitere Produkt- und Rechtsrahmen, sondern unterstreicht auch, dass die regulatorische „Geschwindigkeit“ im Zahlungsmarkt nicht mit der Wachstumsdynamik Schritt hält.
Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Kennzahlen, dass die Unternehmenslage nicht unmittelbar kippt. Für das Geschäftsjahr 2024 meldete Wise einen Vorsteuergewinn von rund 570 Millionen Euro – also mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr. Zudem nutzen weltweit rund 19 Millionen Kunden den Dienst; das grenzüberschreitende Transaktionsvolumen lag zuletzt bei über 220 Milliarden Euro. Wise stellt auch klar, dass die Ablehnung die aktuellen US-Geschäfte zunächst nicht beeinträchtigt: Diese laufen weiterhin über bundesstaatliche Geldtransferlizenzen. Die Treuhandbanklizenz ist damit weniger ein „Betriebsstopp“, sondern eher ein struktureller Schritt, der nun vorerst verschoben wird.
Interessant ist außerdem, wie Wise den regulatorischen Kontext bewertet. Das Unternehmen bezeichnet den abgelehnten Antrag als „nicht gangbaren Weg“ unter einem veralteten Regelwerk, das den direkten Zugang zu Federal-Reserve-Konten voraussetze – einen Prozess, den die US-Notenbank für nicht versicherte Treuhandbanken vorerst gestoppt habe. Für Wise ist das ein Argument, dass das Lizenzdesign in der Praxis nicht zum digitalen Geschäftsmodell passt. Deshalb soll es einen neuen Antrag geben – diesmal unter dem GENIUS-Gesetz, das Ende 2025 verabschiedet wurde und speziell digitale Finanzinstitute reguliert. Für Compliance-Verantwortliche bedeutet das: Der organisatorische Umbau hin zu nachweisbaren, auditierbaren Kontrollen bleibt zentral, nur eben im Rahmen eines modernisierten Regulierungsrahmens.
Der Fall ist auch im Wettbewerbsschatten ein Lehrstück. Während Wise an einer höheren Lizenzstufe scheitert, hatten andere Anbieter regulatorische Hürden bereits teilweise übersprungen: Die OCC hatte im Dezember 2025 fünf Unternehmen – darunter Ripple, Circle und Fidelity Digital Assets – bedingt nationale Treuhandlizenzen erteilt. Ebenso hat Revolut nach einer eingeschränkten Lizenz im Sommer 2024 Anfang 2026 die volle britische Banklizenz erhalten, um Kredite und Einlagenprodukte anbieten zu können. Für Banken- und Zahlungsanbieter heißt das: Compliance ist nicht nur „Kostenstelle“, sondern ein entscheidender Enabler für Produktreichweite und Marktposition. Gerade weil Krypto- und Mobile-Payment-Modelle den Markt nachhaltig verändern, verschieben sich strategische Entscheidungen zunehmend weg von reinen Wachstumskurven hin zu regulatorischer Architektur.
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