ISRAEL / LONDON (IT BOLTWISE) – Der israelische Cybersecurity-Startup Oligo Security hat eine Finanzierungsrunde über 60 Millionen US-Dollar abgeschlossen und damit seine Bewertung verdoppelt. Seit der Gründung im Jahr 2022 summiert sich das Kapital auf rund 140 Millionen US-Dollar. Die Firma nennt einen Anstieg der jährlichen wiederkehrenden Einnahmen (ARR) um mehr als 300% im Jahresvergleich und investiert die Mittel in Produktinnovation sowie die Expansion in internationale Märkte. Im Kern liefert Oligo Runtime Security für Anwendungen, Cloud-Umgebungen und KI-Systeme.

Oligo Security: KI-gestützte Runtime-Sicherheit sammelt 60 Mio. US-Dollar ein
Oligo Security: KI-gestützte Runtime-Sicherheit sammelt 60 Mio. US-Dollar ein (Foto: IT BOLTWISE)
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Die 60-Millionen-US-Dollar-Runde von Oligo Security ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil sie genau in eine Phase fällt, in der viele Unternehmen ihre Sicherheitsstrategie vom rein präventiven Modell auf eine stärker beobachtungsbasierte Abwehr umstellen. Laut Unternehmensangaben hat das Startup seine jährlichen wiederkehrenden Einnahmen (ARR) um mehr als 300% im Jahresvergleich gesteigert und damit die Grundlage geschaffen, um die Bewertung seit der Series-B-Phase zu verdoppeln. Bei rund 140 Millionen US-Dollar Gesamtkapital seit 2022 passt das Bild einer Firma, die Wachstum nicht nur mit Marketing, sondern mit Produktreife und Kunden-Nutzen verknüpft. Für Security-Entscheider ist dabei weniger die Schlagzeile als der Fokus entscheidend: Oligo positioniert seine Runtime Security als Gegenentwurf zu Werkzeugen, die Schwachstellen nur auf Basis von statischen Signaturen oder vorab analysierten Artefakten erkennen.

Technisch beschreibt das Unternehmen sein Vorgehen als eine Kombination aus Runtime-Monitoring und Echtzeitschutz, die Codeverhalten während der Ausführung beobachten. Statt allein auf bekanntem CVE-Material oder regelbasierten Scannern aufzubauen, soll die Plattform identifizieren, welche Schwachstellen im konkreten Moment tatsächlich ausnutzbar sind. Daraus folgt auch die operative Logik: Malicious Activity soll in Echtzeit erkannt und blockiert werden, ohne dass der produktive Betrieb unterbrochen wird. Gerade dieser Punkt ist in der Praxis oft der Knackpunkt, weil viele Sicherheitsmaßnahmen entweder zu viele False Positives erzeugen oder im Fehlerfall die Verfügbarkeit gefährden. Oligo adressiert das mit einem Konzept, bei dem Schutz im laufenden System entsteht, also dort, wo Angriffe Wirkung entfalten und wo Produktionsdaten ohnehin fließen.

Die organisatorische Basis wirkt dabei wie ein bewusstes Setup für internationale Skalierung. Oligo beschäftigt nach eigenen Angaben etwa 100 Mitarbeitende, davon 70 im Entwicklungslabor in Israel. Der Rest verteilt sich auf Standorte in New York und San Francisco, was strategisch zu einer Go-to-Market-Erweiterung passt, wenn internationale Kunden neben dem Produkt auch kurze Entscheidungswege und eine lokale Einbindung erwarten. Finanzierungsseitig wird die Runde von mehreren Venture-Capital-Fonds angeführt, darunter Ballistic Ventures, Greenfield Partners, Red Dot Capital, Lightspeed Venture Partners und TLV Partners. Ergänzt wird das Syndikat durch Yasmin Lukatz und Eyal Waldman. Für die Branche ist das weniger ein Stilmittel als ein Signal: Runtime-basierte Ansätze sind inzwischen breit genug, um kapitalstarkes Interesse zu ziehen, aber gleichzeitig spezifisch genug, um spezialisierte Investoren zu bündeln.

Besonders stark wird der Nutzenbezug im Bericht über frühere Forschungsergebnisse gemacht. Im späten Mai 2024 waren die Oligo-Forscher an der Offenlegung eines der ersten Cyberangriffe beteiligt, die gezielt auf KI-Infrastrukturen abzielten: Tausende Server, die zum Trainieren und Betreiben von KI-Systemen genutzt werden, seien über eine Schwachstelle kompromittiert worden, die zuvor von Sicherheitswerkzeugen unbemerkt geblieben ist. Zwei Monate später folgte eine weitere Schwachstelle, die laut Darstellung Webseiten dabei ermöglichte, Abwehrmechanismen zu umgehen und auf Dienste zuzugreifen, die auf dem Rechner oder im Heimnetz des Nutzers laufen sollten. Solche Muster sind für Runtime-Security-Funktionen besonders relevant, weil sich Angriffssequenzen oft erst bei der konkreten Ausführung sichtbar machen, etwa wenn ein Exploit erst zur Laufzeit eine bestimmte Umgebung, Berechtigungen oder Netzwerkpfade antrifft.

Dass das Unternehmen seine Lösung gerade für genau diese Lücke zwischen „bekanntem Risiko“ und „aktuellem Verhalten“ schärft, spiegelt sich auch in den Aussagen der Gründer. Nadav Czerninski, Mitgründer und CEO, ordnet die Entwicklung so ein: „Organizations today face a new generation of attackers utilizing artificial intelligence who are capable of identifying and exploiting vulnerabilities rapidly. As a result, the runtime environment has become the only place where attackers can be seen and stopped in real time. This is the future we have been building toward since our first day as a company.“ Jake Seid, Partner bei Ballistic Ventures, unterstreicht dabei den Betriebsbezug: „The runtime environment is where the business lives. It is where revenue is generated, customers interact with applications, and brand reputation is built or ruined. Oligo created protection for production environments without forcing organizations to choose between security and business continuity.“ Die Botschaft ist klar: Schutz soll im Produktionsbetrieb ansetzen und nicht erst im Projekt- oder Teststadium, wo Sicherheitskontrollen häufig zwar vorhanden, aber nicht immer aussagekräftig für die reale Angriffsoberfläche sind.

Ein weiterer Marktimpuls kommt indirekt aus dem Zeitfenster der Meldung. Nur einen Tag vor der Oligo-Runde hatte Visa den Kauf des israelischen Unternehmens BioCatch für 2,4 Milliarden US-Dollar in bar angekündigt; außerdem wird auf rund 2,6 Milliarden US-Dollar hingewiesen, die israelische Startups im laufenden Jahr bislang in der Branche der digitalen Sicherheits- und Betrugserkennung eingesammelt haben. Für Beobachter zeigt das, dass Investoren und Konzerne parallel in unterschiedliche Teile des Security-Ökosystems investieren: Während bei BioCatch stärker Authentizität und Risiko im Zahlungsfluss adressiert werden, zielt Oligo auf die Absicherung von laufenden Systemen und AI-lastigen Umgebungen. Zusammen verstärkt das den Trend, dass Security nicht mehr als einzelne Schicht verstanden wird, sondern als durchgehende Fähigkeit entlang der gesamten Wertschöpfung – vom Zugriff bis zur Runtime-Entscheidung.

Für Unternehmen bedeutet das konkret: Bei der Bewertung neuer Security-Produkte sollten sie nicht nur nach Policy-Features fragen, sondern nach der Ausführbarkeit im Live-Betrieb. Wenn ein Anbieter wie Oligo verspricht, Angriffe zu blockieren, ohne den produktiven Betrieb zu stören, müssen Evaluierungsteams messen, wie sich das auf Latenz, Monitoring-Dichte und operative Abläufe auswirkt. Ebenso lohnt es sich, die Abdeckungsfrage zu klären: Oligo nennt Anwendungen, Cloud-Umgebungen und KI-Systeme als Zielbereiche, also genau die Landschaft, in der sich Angriffe über Schnittstellen, Laufzeitabhängigkeiten und dynamische Konfigurationen hinweg bewegen. Die Finanzierungsrunde liefert dafür zwar noch keine Garantie, aber sie erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Startup seine Plattform schneller zu breiteren Integrationen weiterentwickelt und damit auch in komplexeren Enterprise-Setups greifbarer wird.


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